Montag, 8. August 2011

Die Paläste und das luxuriöse Leben der Roma von Hunedoara

Es gibt nicht nur arme Menschen der Ethnie Roma, sondern auch sehr reiche. Und es gehört zur Tradition dieses Volkes, Reichtum zu zeigen. Eine besondere Vorliebe hat man für alles, was glitzert und blinkt. In der rumänischen Stadt Hunedoara haben sehr reiche Roma ihre Paläste gebaut. Sehr zum Unwillen der lokalen Bevölkerung, die in der ehemaligen Stadt der rumänischen Stahlindustrie eher ums Überleben kämpfen muss.

Die Roma schrecken auch vor keiner Protzerei zurück und greifen tief in die Kiste des Kitsch, wenn es darum geht, ihren “Palast” zu bauen. Schlossähnliche Türme müssen auf jeden Fall das Gebäude zieren. Vergoldete Symbole am Gartenzaun sollen königlichen Glanz ausstrahlen. Die Stadtverwaltung von Hunedoara hat erklärt, dass für alle Paläste Baugenehmigungen vorliegen. Auf Vorwürfe der Stadtbewohner, dass einige Roma in den Palästen von Sozialhilfe leben würden, erklärte die Stadtverwaltung, dass dies nicht zutreffe.

Oft ist der Roma-Palast aber auch nur Blendwerk. Außen imposant und im Innern fehlen Heizung und sanitäre Anlagen. Manche sind auch nicht an das Abwassernetz angeschlossen, so dass das Häuschen mit dem eingeschnitzten Herz mitten im Hof für die dringendsten Bedürfnisse gebraucht wird.

Versuchen wir hinter die Vorstellungswelt eines solchen vermögenden Roma aus Hunedoara zu kommen. Z. B. lebt da ein 25-jähriger Roma, der “Superman” heißt. Mit diesem Namen wurde er getauft im Bezug auf den gleichnamigen Film. Superman hat bereits einen Sohn, der denselben Namen bekommen hat und jetzt “Superman junior” genannt wird. Sein Name hat ihn unter den Roma-Bewohnern der Paläste berühmt gemacht. Superman wohnt in einem der schönsten Paläste seiner Siedlung, mit einer Umzäunung aus Marmor, Verzierungen und in gelber Farbe bemalt. Superman senior war nicht zu Hause als Reporter der Zeitung “Adevarul” seinen Palast besuchten. Seine Mutter erzählte, dass Superman in Deutschland arbeite. Stolz erklärt sie den Reportern, dass sie beim Sieg über den Kommunismus mitgeholfen habe, indem sie ihrem Sohn diesen kapitalistischen Namen gab. Letiţia Marc, Verantwortliche für den “Verein der Zigeunerfrauen für unsere Kinder” (“Asociaţiei Femeilor Ţigănci pentru copiii noştri”), erklärt warum die Roma für ihre Kinder die Namen von Berühmtheiten aussuchen: “Durch den Namen hoffen die Roma-Eltern unbewusst, dass man die Qualitäten der Helden aus der Promi-Welt mit denen ihrer Kinder verbindet. Dies ist eine Praxis, die man vor allem bei den armen Roma-Familien findet, es ist eine ihrer Moden”.

Dieser Tage schaut Hunedoara mit einer Mischung aus Ärger und Missgunst auf die Palastbewohner. Sie feiern die Hochzeit von Bruce Lee Gutuie,  17 Jahre alt. Er trägt eine vergoldete Krawatte, seine Braut ist ebenfalls 17 Jahre alt. Ein Dutzend Luxusfahrzeuge stehen im Hof des Palastes. Die Heiratszeremonie ist an die Hofvorgaben des Buckingham-Palaste angelehnt.

Dass ein solches Verhalten Aggressionen erzeugt, ist keine Wunder. Gleich wird gefragt, woher das ganze Geld für den Protz kommt und es schleicht sich der Verdacht ein, dass es wohl kaum rechtmäßig erworbenes Vermögen ist. Für Roma, die für die Integration in die Gesellschaft kämpfen, ist dieses Verhalten ein Schlag ins Gesicht. Und viele Rumänen bäppeln damit ihren Zigeunerhass auf. Dabei sind auch die Palast-Roma nur Repräsentanten einer rumänischen Gesellschaft, in der nach der Revolution neureiche Protzer aus allen Gesellschaftsschichten das Bild bestimmten. Das blendet man dann gerne aus.

Siehe auch:
Eine Roma, die nicht in das Weltbild von Populisten passt
Ich bin kein Roma!
König Cioabă hält Gericht

Informationsquelle:
Iată cum petrec cei mai bogaţi romi în cartierul palatelor din Hunedoara – Adevarul