Direkt zum Hauptbereich

Die Paläste und das luxuriöse Leben der Roma von Hunedoara

Es gibt nicht nur arme Menschen der Ethnie Roma, sondern auch sehr reiche. Und es gehört zur Tradition dieses Volkes, Reichtum zu zeigen. Eine besondere Vorliebe hat man für alles, was glitzert und blinkt. In der rumänischen Stadt Hunedoara haben sehr reiche Roma ihre Paläste gebaut. Sehr zum Unwillen der lokalen Bevölkerung, die in der ehemaligen Stadt der rumänischen Stahlindustrie eher ums Überleben kämpfen muss.

Die Roma schrecken auch vor keiner Protzerei zurück und greifen tief in die Kiste des Kitsch, wenn es darum geht, ihren “Palast” zu bauen. Schlossähnliche Türme müssen auf jeden Fall das Gebäude zieren. Vergoldete Symbole am Gartenzaun sollen königlichen Glanz ausstrahlen. Die Stadtverwaltung von Hunedoara hat erklärt, dass für alle Paläste Baugenehmigungen vorliegen. Auf Vorwürfe der Stadtbewohner, dass einige Roma in den Palästen von Sozialhilfe leben würden, erklärte die Stadtverwaltung, dass dies nicht zutreffe.

Oft ist der Roma-Palast aber auch nur Blendwerk. Außen imposant und im Innern fehlen Heizung und sanitäre Anlagen. Manche sind auch nicht an das Abwassernetz angeschlossen, so dass das Häuschen mit dem eingeschnitzten Herz mitten im Hof für die dringendsten Bedürfnisse gebraucht wird.

Versuchen wir hinter die Vorstellungswelt eines solchen vermögenden Roma aus Hunedoara zu kommen. Z. B. lebt da ein 25-jähriger Roma, der “Superman” heißt. Mit diesem Namen wurde er getauft im Bezug auf den gleichnamigen Film. Superman hat bereits einen Sohn, der denselben Namen bekommen hat und jetzt “Superman junior” genannt wird. Sein Name hat ihn unter den Roma-Bewohnern der Paläste berühmt gemacht. Superman wohnt in einem der schönsten Paläste seiner Siedlung, mit einer Umzäunung aus Marmor, Verzierungen und in gelber Farbe bemalt. Superman senior war nicht zu Hause als Reporter der Zeitung “Adevarul” seinen Palast besuchten. Seine Mutter erzählte, dass Superman in Deutschland arbeite. Stolz erklärt sie den Reportern, dass sie beim Sieg über den Kommunismus mitgeholfen habe, indem sie ihrem Sohn diesen kapitalistischen Namen gab. Letiţia Marc, Verantwortliche für den “Verein der Zigeunerfrauen für unsere Kinder” (“Asociaţiei Femeilor Ţigănci pentru copiii noştri”), erklärt warum die Roma für ihre Kinder die Namen von Berühmtheiten aussuchen: “Durch den Namen hoffen die Roma-Eltern unbewusst, dass man die Qualitäten der Helden aus der Promi-Welt mit denen ihrer Kinder verbindet. Dies ist eine Praxis, die man vor allem bei den armen Roma-Familien findet, es ist eine ihrer Moden”.

Dieser Tage schaut Hunedoara mit einer Mischung aus Ärger und Missgunst auf die Palastbewohner. Sie feiern die Hochzeit von Bruce Lee Gutuie,  17 Jahre alt. Er trägt eine vergoldete Krawatte, seine Braut ist ebenfalls 17 Jahre alt. Ein Dutzend Luxusfahrzeuge stehen im Hof des Palastes. Die Heiratszeremonie ist an die Hofvorgaben des Buckingham-Palaste angelehnt.

Dass ein solches Verhalten Aggressionen erzeugt, ist keine Wunder. Gleich wird gefragt, woher das ganze Geld für den Protz kommt und es schleicht sich der Verdacht ein, dass es wohl kaum rechtmäßig erworbenes Vermögen ist. Für Roma, die für die Integration in die Gesellschaft kämpfen, ist dieses Verhalten ein Schlag ins Gesicht. Und viele Rumänen bäppeln damit ihren Zigeunerhass auf. Dabei sind auch die Palast-Roma nur Repräsentanten einer rumänischen Gesellschaft, in der nach der Revolution neureiche Protzer aus allen Gesellschaftsschichten das Bild bestimmten. Das blendet man dann gerne aus.

Siehe auch:
Eine Roma, die nicht in das Weltbild von Populisten passt
Ich bin kein Roma!
König Cioabă hält Gericht

Informationsquelle:
Iată cum petrec cei mai bogaţi romi în cartierul palatelor din Hunedoara – Adevarul

Beliebte Beiträge

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Frankreich erfindet den Zahnarzt–Aldi

Die Großzügigkeit der französischen Krankenkassen bei Erstattung von Zahnarztkosten hält sich in Grenzen. In der Regel können Versicherte mit etwa 70% erstatteter Kosten rechnen, d.h. 30% muss selbst getragen werden. Die Zahnärzte sind jedoch oft mit den Tarif-Honoraren nicht zufrieden. Sie verlangen Aufschläge, die ebenfalls an den Versicherten hängen bleiben. Gerade dieser Aufschlag scheint in letzter Zeit bei den Zahnärzten in Frankreich sehr beliebt geworden zu sein. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit steigt und auch viele Franzosen mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen, verursacht der Gang zum Zahnarzt wegen Zahnschmerzen den Betroffenen zusätzlich noch Bauchschmerzen wegen der finanziellen Belastung.

Frankreich hat zwar den Lebensmittel-Discounter nicht erfunden, darin sind die Deutschen wohl Weltmeister, aber in anderen Bereichen haben die Franzosen durchaus den Ehrgeiz zur durchgreifenden Rationalisierung, um die Preise zu senken. Besonders offensichtlich ist das…

Frankreich ekelt sich vor seinen Schlachthöfen und empört sich über Tierquälerei

Massentierhaltung in Frankreich: 83% der Hühner werden in geschlossenen Ställen aufgezogen, 68% der Hennen und 99% der Kaninchen werden in Käfigen gehalten. 95% der Schweine fristen ihr kurzes Leben in geschlossenen Ställen auf Gitterrosten. Die Tiere werden nur als Handelsware gesehen, man verstümmelt sie (Kastration ohne Betäubung, Abschneiden der Schwänze oder der Schnäbel). Ihre Sterblichkeitsrate ist sehr groß, zum Beispiel sterben 20% der Schweine vor ihrer Schlachtung.

Industrielle Massentierhaltung wie in Deutschland auch. Das Tier wird nicht als Lebewesen gesehen, sondern nur als Handelsprodukt. Während in Deutschland die Konsumenten seit einiger Zeit ins Grübeln geraten sind und sich eine Bewegung gegen Massentierhaltung gebildet hat, hat man in Frankreich, das wir als Schlemmerland kennen, bisher beide Augen zugedrückt beziehungsweise die Verbraucher wollten nicht so genau wissen wie das Fleisch auf ihrem Teller gelandet ist. Zwar hat sich seit einiger Zeit ein…

"Globo" überall

In Brasilien gibt es einen übermächtigen Medienkonzern, der sich Organizações Globo nennt. Der Schwerpunkt der Organisation liegt beim Fernsehen, wo das Unternehmen mit TV Globo einer der grössten Fernsehsender Amerikas und angeblich den drittgrösste Sender der Welt besitzt. Die Programme des Senders werden von 80 Millionen Personen täglich gesehen. Schwerpunkt sind die Telenovelas.

Der Gründer, der Unternehmer Roberto Marinho, schloss 1967 einen Kooperationsvertrag mit der Time-Life-Gruppe. Bei der damaligen Militärregierung geriet er damit in den Ruch eines Vaterlandverräters. Unternehmerisch war diese Entscheidung ein Volltreffer, denn nun war der Aufstieg von TV Globo nicht mehr aufzuhalten. Der Sender hob sich schon früh durch bessere technische und auch inhaltliche Qualität gegenüber dem ohnehin äusserst niedrigen Niveau der privaten brasilianischen TV-Sender hervor.

Der Sitz der Unternehmensgruppe liegt in Rio de Janeiro. Neben dem Fernsehen gehören auch Radiostationen und viele …