Dienstag, 2. Oktober 2012

Valdeluz, eine Geisterstadt mit Schnellbahnanschluss

Man wartet angesichts der Kürzungen und Sparbeschlüsse, die die spanische Regierung ihrem Volk zumutet, auf den Tag, an dem die Herrschenden sich einmal schuldbewusst auf die Brust klopfen und zugeben, dass sie viele Fehler gemacht haben, die die einfachen Leute jetzt ausbaden müssen. Wohlgemerkt: die Fehler hat nicht nur die Vorgängerregierung gemacht, sondern gerade die, die jetzt das Sagen hat.

Valdeluz ist so ein Beispiel für ein Zusammenwirken von Politik und Bauwirtschaft in den Zeiten des Baubooms. Valdeluz liegt in einer wüstenähnlichen Gegend 50 km nordöstlich von Madrid in der Nähe der Stadt Guadalajara. Die Zeitung El Pais schrieb 2005 über den Ort: “Valdeluz hat wenig Vorbilder. In nur sieben Jahren sollen sich die wüstenähnliche Landflächen in eine Stadt von 34.000 Einwohnern verwandeln. Ein Bauunternehmen der Gruppe Reyal kümmert sich um alles: Von der Gestaltung, Vergabe der Arbeiten an Bauunternehmen bis zur Namensgebung für das Geschöpf. All dies war möglich dank der Tatsache, dass dieses kastilischen Ödland Ort eines Bahnhofs für die Schnellbahn-Verbindung (AVE) Madrid-Barcelona anstelle der 13 km entfernten Stadt Guadalajara geworden ist. Das Projekt wurde heftig kritisiert, weil die Grundstücke umgewidmet worden waren. Sie gehörten einer Tante des Ehemannes von Esperanza Aguirre, der Präsidentin der autonomen Gemeinschaft von Madrid. Das Projekt wurde groß aufgeblasen und schaffte in der Gemeinde einen sozialen Druck und Probleme für die Umwelt, die jetzt von öffentlichen Institutionen angegangen werden müssen.”

Der aufgeblasene Ballon ist geplatzt. Valdeluz hatte 2011 knapp 1.300 Einwohner statt der geplanten 34.000! Dafür gibt es aber eine Schnellbahnstation, die allerdings in Spanien als Geister-Bahnhof tituliert wird. Im Jahr 2010 gab es gerade einmal 80.000 Nutzer (ca. 220 Personen pro Tag). Die Einwohner der Stadt Gudalajara benutzen den Vorortzug nach Madrid, sie brauchen Valdeluz nicht.

Esperanza Aguirre hatte hier nach allem, was man weiß - vorsichtig ausgedrückt - Interessen. Sie gehört zu den mächtigsten Politikerinnen der Regierungspartei PP. Sie ist zwar vor kurzem von ihrem Posten als Präsidentin der Comunidad Madrid zurückgetreten, man spekuliert aber, dass sie es darauf angelegt habe, Ministerpräsidentin zu werden, wenn der derzeitige Ministerpräsident wegen seiner Austeritätspolitik stürzen sollte. Aguirre gehört durch Heirat der spanischen Adelsgesellschaft an. Ihr voller Name lautet Esperanza Aguirre y Gil de Biedma und sie darf sich Gräfin von Murillo nennen. Ihr Ehemann ist Inhaber von 1.877 Hektar Land in Kastilien und er führt die Landwirtschafts- und Viehzuchtunternehmen Savial und Corrales Nuevos Artesanos. Der eine Sohn des Ehepaars ist in der Bau- und Immobilienwirtschaft beschäftigt, der zweite ist persönlicher Referent des Staatssekretärs für Handel in der Regierung und gleichzeitig ist er auch Subventionsempfänger für seinen Viehzuchtbetrieb in der Region Salamanca. Weitere Spekulationen mit Grundstücksverkäufen werden der Familie zugeordnet, die auf diese Weise zu einer umfangreiche Vermögensvermehrung kam.

Der Bauboom und die Grundstückspekulation ist in Spanien mit einer Vermischung von Politik und wirtschaftlichen Interessen Hand in  Hand gegangen. Die Verantwortlichen sitzen immer noch bestens versorgt auf ihren Posten. Wer übernimmt schon die Fehlspekulation Valdeluz? Wer zahlt den Schaden für den Staat? Sicher nicht Aguirre und Familie.

Informationsquelle
Los lazos del clan Aguirre con el ladrillo – Diagonal
Valdeluz, una nueva urbe al calor del AVE – El Pais