Direkt zum Hauptbereich

Valdeluz, eine Geisterstadt mit Schnellbahnanschluss

Man wartet angesichts der Kürzungen und Sparbeschlüsse, die die spanische Regierung ihrem Volk zumutet, auf den Tag, an dem die Herrschenden sich einmal schuldbewusst auf die Brust klopfen und zugeben, dass sie viele Fehler gemacht haben, die die einfachen Leute jetzt ausbaden müssen. Wohlgemerkt: die Fehler hat nicht nur die Vorgängerregierung gemacht, sondern gerade die, die jetzt das Sagen hat.

Valdeluz ist so ein Beispiel für ein Zusammenwirken von Politik und Bauwirtschaft in den Zeiten des Baubooms. Valdeluz liegt in einer wüstenähnlichen Gegend 50 km nordöstlich von Madrid in der Nähe der Stadt Guadalajara. Die Zeitung El Pais schrieb 2005 über den Ort: “Valdeluz hat wenig Vorbilder. In nur sieben Jahren sollen sich die wüstenähnliche Landflächen in eine Stadt von 34.000 Einwohnern verwandeln. Ein Bauunternehmen der Gruppe Reyal kümmert sich um alles: Von der Gestaltung, Vergabe der Arbeiten an Bauunternehmen bis zur Namensgebung für das Geschöpf. All dies war möglich dank der Tatsache, dass dieses kastilischen Ödland Ort eines Bahnhofs für die Schnellbahn-Verbindung (AVE) Madrid-Barcelona anstelle der 13 km entfernten Stadt Guadalajara geworden ist. Das Projekt wurde heftig kritisiert, weil die Grundstücke umgewidmet worden waren. Sie gehörten einer Tante des Ehemannes von Esperanza Aguirre, der Präsidentin der autonomen Gemeinschaft von Madrid. Das Projekt wurde groß aufgeblasen und schaffte in der Gemeinde einen sozialen Druck und Probleme für die Umwelt, die jetzt von öffentlichen Institutionen angegangen werden müssen.”

Der aufgeblasene Ballon ist geplatzt. Valdeluz hatte 2011 knapp 1.300 Einwohner statt der geplanten 34.000! Dafür gibt es aber eine Schnellbahnstation, die allerdings in Spanien als Geister-Bahnhof tituliert wird. Im Jahr 2010 gab es gerade einmal 80.000 Nutzer (ca. 220 Personen pro Tag). Die Einwohner der Stadt Gudalajara benutzen den Vorortzug nach Madrid, sie brauchen Valdeluz nicht.

Esperanza Aguirre hatte hier nach allem, was man weiß - vorsichtig ausgedrückt - Interessen. Sie gehört zu den mächtigsten Politikerinnen der Regierungspartei PP. Sie ist zwar vor kurzem von ihrem Posten als Präsidentin der Comunidad Madrid zurückgetreten, man spekuliert aber, dass sie es darauf angelegt habe, Ministerpräsidentin zu werden, wenn der derzeitige Ministerpräsident wegen seiner Austeritätspolitik stürzen sollte. Aguirre gehört durch Heirat der spanischen Adelsgesellschaft an. Ihr voller Name lautet Esperanza Aguirre y Gil de Biedma und sie darf sich Gräfin von Murillo nennen. Ihr Ehemann ist Inhaber von 1.877 Hektar Land in Kastilien und er führt die Landwirtschafts- und Viehzuchtunternehmen Savial und Corrales Nuevos Artesanos. Der eine Sohn des Ehepaars ist in der Bau- und Immobilienwirtschaft beschäftigt, der zweite ist persönlicher Referent des Staatssekretärs für Handel in der Regierung und gleichzeitig ist er auch Subventionsempfänger für seinen Viehzuchtbetrieb in der Region Salamanca. Weitere Spekulationen mit Grundstücksverkäufen werden der Familie zugeordnet, die auf diese Weise zu einer umfangreiche Vermögensvermehrung kam.

Der Bauboom und die Grundstückspekulation ist in Spanien mit einer Vermischung von Politik und wirtschaftlichen Interessen Hand in  Hand gegangen. Die Verantwortlichen sitzen immer noch bestens versorgt auf ihren Posten. Wer übernimmt schon die Fehlspekulation Valdeluz? Wer zahlt den Schaden für den Staat? Sicher nicht Aguirre und Familie.

Informationsquelle
Los lazos del clan Aguirre con el ladrillo – Diagonal
Valdeluz, una nueva urbe al calor del AVE – El Pais

Beliebte Beiträge

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…

Großbritannien, das zerstrittene Königreich, auf den Spuren Griechenlands

Das Vereinigte Königreich (UK) verlässt die EU. Nach dem Brexit-Referendum hatten die regierenden Konservativen  um Premierministerin May entdeckt, wie toll ein solcher Abschied vom europäischen Kontinent ausgehen könnte. Ungeahnte Möglichkeiten würden dem Land in der weiten Welt winken, die nur darauf warte, mit den Briten ins Geschäft zu kommen. Realistischerweise hat Premierministerin May schon einmal erklärt,  dass das nur funktioniere, wenn das Land zu einer Steueroase à la Panama umgebaut werde.

Die EU schien in dieser Zukunftphantasie keine Rolle zu spielen,  obwohl sie doch der größte Handelspartner des Landes ist. In einem Anflug von völliger Betriebsblindheit setzte May noch Neuwahlen an, weil man ihr eine überwältigende absolute Mehrheit prognostizierte. Das ging dann gründlich schief und jetzt steht Großbritannien ratlos vor einem Scherbenhaufen. Plötzlich kommen auch Bedenken auf, ob ein knallharter völliger Abschied von der EU tatsächlich für Großbritannien positiv sein…