Direkt zum Hauptbereich

Blutrünstige Stierkämpfe in Spanien nähern sich ihrem verdienten Ende

Nach der Inthronisierung der konservativen Regierung im vergangenen Jahr haben die Lobbyisten des Stierkampfs, in Spanien auch als “Tauromafia” bezeichnet, noch einmal Morgenluft gewidmet. Das blutrünstige Spektakel sollte zum unantastbaren nationalen Kulturgut befördert und von der Regierung sowohl finanziell wie auch ideologisch gefördert werden. Spektakulär das Rad zurückdrehend war dann auch die Entscheidung des spanischen Staatsfernsehens, TVE, wieder Stierkämpfe zu zeigen und dies zu Sendezeiten, in denen aus Gründen des Kinderschutzes keine grausamen Handlungen an Mensch und Tier übertragen werden darf.

Die Befürworter des Stierkampfes scheinen aber zu früh gejubelt zu haben. Die Proteste gegen das Spektakel nehmen in Spanien immer mehr zu. Viele Spanier scheinen jetzt genug zu haben von der öffentlichen Hinmetzelung von Tieren. Mit einem fairen Kampf hatte ein Stierkampf ohnehin nie etwas zu tun, darüber täuschen auch die eleganten Bewegungen eines Toreros nicht weg, der ja auch erst in Aktion tritt, wenn der Stier mit Lanzen erst einmal blutig und kraftlos gestochen wurde. Die Ansichten der Spanier wandeln sich. Der Tierschutz bekommt immer mehr Befürworter. Katalonien und die Kanarischen Inseln haben die Stierkämpfe in ihren Regionen untersagt. In Galizien wird ebenfalls ein Verbot angestrebt. Im spanischen Parlament gibt es inzwischen 40 Parlamentarier, die sich zu einer Vereinigung gegen den Stierkampf organsiert haben. Sie stammen aus allen im Parlament vertretenen politischen Parteien.

Am heftigsten entzündet sich der Streit um die Brutalität des Stierkampfes am Turniers “Toro de la Vega” in Tordesillas (Provinz Valladolid). Es handelt sich um ein aus dem Mittelalter stammender Stierkampfereignis, das insoweit einzigartig in der Welt ist. Es besteht darin, dass Lanzenträger zu Fuß und auf Pferden einen Stier, der auf die Straße gejagt und von der Volksmeute verrückt gemacht wurde, ihn mit ihren Lanzen am Verlassen des Ortes hindern. Ziel ist es, ihn auf diese Weise zu Tode zu stechen. Sollte es ihm trotzdem gelingen auf das freie Feld zu kommen, wird er begnadigt. Unter starkem Protest der Stierkampfgegner hat das Turnier im September erneut stattgefunden. Der Ausgang zeigt, wie viel Chancen man dem Stier gibt, um sein Leben zu retten und wie sehr es letzten Endes nur darauf ankommt, das Tier grausam zur Strecke zu bringen. Bei diesem Turnier soll ein Lanzenträger zu Fuß den Stier in der Stadt verletzt haben, trotzdem hat das Tier es geschafft aus der Stadt heraus zu kommen, wo es aber dann von berittenen Lanzenträgern “erledigt” wurde. Das Kampfgericht hat dann einen Verstoß gegen die Turnierrichtlinien festgestellt und den Turniersieg für null und nichtig erklärt. Dem Stier hat das nicht geholfen.

Der Journalist Julio Ortega, der ein Buch mit dem Titel “Worte für einen Stier ohne Stimme” herausgegeben hat, ist der Meinung, dass der Stierkampf sich in Spanien nicht mehr lange halten wird . Er vergleicht dies mit der Situation vor der Abschaffung der Sklaverei, die von ihren Befürwortern auch lange mit den windigsten Argumenten verteidigt wurde und schreibt: “1880 gelang es in Spanien die Sklaverei definitiv abzuschaffen. Es wird nicht lange dauern, dann wird die Stierkampf-Ideologie den selben Weg gehen. Und ihr Stierkampfanhänger werdet wie auch die Sklavenhalter nur noch ein blutiger Klecks in der Geschichte sein, an die man sich mit Eckel und Scham erinnern wird. Eure Lügen überzeugen uns nicht und eure Drohungen machen uns keine Angst. Der Stier will nicht in die Arena, ihr zwingt ihn hinein zu gehen. Ihr behauptet Liebe und Respekt für ihn zu empfinden. Wie das? Indem ihr ihm die Eingeweide zerfetzt? Und ihr nehmt ihm das Leben um eine perverse Aufgabe zu erfüllen, würdig dem Drehbuch eines Psychopathen, indem ihr von der existenziellen Einsamkeit des Menschen vor den entfesselten Kräften der Natur faselt, die ihn, den Menschen, zerstören wollen und die er mit seinem Genie, Mut und einem simplen Tuch besiegt. …..entfesselte Kräfte der Natur? Ein Tuch? aber in welchem  Fantasie-Film seht ihr die Stierkämpfe? Es ist Quälerei und Mord! Es gibt keine andere Beschreibung dafür. Und dass wir das beenden ist keine Utopie, sondern ein Schwur!”

Tierschützer aller Länder werden ihm sicher für diese mutigen Worte danken.

Siehe auch
Stierkampf statt Steuergelder
Katalonien's Stiere können aufatmen
Den Torero hat es erwischt


Informationsquelle
Crece el movimiento antitaurino – Blog Negro sobre Blanco
Declarado nulo el polémico torneo del Toro de la Vega

Beliebte Beiträge

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

Irland hat zu kuschen, wenn es nach Brexit-Britannien geht

Irland und Großbritannien verbindet eine schwierige Geschichte, bei der bis Anfang des vergangenen Jahrhunderts Irland in der Rolle einer britischen Kolonie steckte. Einer Kolonie, die von den Okkupanten nach Strich und Faden ausgebeutet wurde. Iren hege keine Sympathie für ihre britischen Nachbarn. Letztere hingegen pflegen weiterhin gerne ihren Hochmut gegenüber dem ehemaligen Kolonialvolk. 
Beide Länder gehören der EU an und über die EU konnte auch der langjährige blutige Bürgerkrieg in Nordirland befriedet werden. Der Brexit reißt den Graben wieder auf. Da in Großbritannien, vor allem in England - in Schottland sieht die Lage anders aus - der Brexit auch die Rückkehr zum alten Hochmut der Kolonialherrschaft bedeutet, taucht sie wieder auf am Horizont: Die Feindschaft zwischen dem Herrenvolk und seinem Sklavenvolk. 
Der aus Irland berichtende britische Journalist Chris Johns beschreibt in der Zeitung Irish Times wie er die Situation empfindet:

Ich habe von Michael Collins gehört, be…

3 Jahre Dürre, Spanien entwickelt sich immer mehr zur Wüste

Der staatliche spanische Wetterdienst (AEMET) hat dieser Tage Bilder veröffentlicht, die den Stand der Niederschläge vor 3 Jahren mit denen von heute vergleicht. Es ergibt sich ein klares Bild: Spanien geht immer mehr das Wasser aus. Gab es vor 3 Jahren noch blaue Flecken mit regenreichen Gebieten im Nordwesten, so sind diese inzwischen vollständig verschwunden. Im restlichen Land nimmt die braune Fläche gravierend zu. Ein Zeichen, dass vielen spanischen Regionen das Wasser ausgeht.

Die Zeitung "La Vanguardia" zitiert den Wetterdienst wie folgt:
Technisch gesprochen zeigt das Bild die photosynthetische Aktivität. Es ist nicht so, dass dort wo es 2014 noch Bäume gab, dass es diese nicht mehr gibt, sondern dass es keine grüne Vegetration mehr existiert, weil es nicht mehr regnet. Wir sagen, dass es eine andere Form ist, um die Dürre zu erkennen.

"La Vanguardia" berichtet weiter:
Es ist sicher, dass sich die Dürre immer mehr verschärft. Seit 2015 sind die Quellen des …

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Bittere Cashew-Nüsse und schwarze Kinderhände

Im Nordosten Brasiliens werden die beliebten Cashew-Nüsse, auf deutsch auch Kaschu genannt, geerntet. “Der Cashewbaum trägt ungewöhnliche Früchte, augenscheinlich sind es sogar zweierlei verschiedene: die bunten Cashew-Äpfel und die an Bohnenkerne erinnernden Cashewnüsse, quasi als Anhängsel.  Nebenbei produziert der Cashewbaum auch noch Latex und ein technisch wertvolles Öl. Sein Holz ist sehr hart und dicht, resistent gegen Termiten und sehr widerstandsfähig gegen Verwitterung.” So beschreibt die Webseite “Biothemen” Cashew und Cashewkerne.

Die Cashew-Nuss ist schwierig zu ernten. Die Schale enthält ein ätzendes Öl. Dieses Öl verletzt die Haut, verursacht Irritationen und chemische Verbrennungen. Zudem ist das Öl leicht entzündlich und klebrig. Beim Aufbrechen der Schalen mit den Händen werden die Hände schwarz und verletzen die Papillarleisten der Finger. Das Öl breitet sich beim Brechen der Nüsse über die Finger bis zu den Spitzen aus. Die Linien auf den Fingerspitzen verschwinde…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…