Mittwoch, 24. Oktober 2012

Was kostet das Sterben in Spanien?

In Spanien sind 2011 knapp 400.000 Personen gestorben. Da gibt es für Bestattungsunternehmen zu tun. Der Generaldirektor der Bestattungsdienste “Mémora” hat gegenüber den Medien auf ein paar Zahlen im Zusammenhang mit der Beerdingungspraxis in Spanien verwiesen. Danach kostet die durchschnittliche Bestattung in Spanien 3.700 Euro. In Nordspanien sind die Bestattungen etwas teurer und im Süden etwas billiger. Er führt dies darauf zurück, dass man in Nordspanien auf eine bessere Qualität des Sarges achte und zudem die Überführungen über größere Distanzen erfolgen.

Die Billigversion einer Beerdigung wäre noch für 1.000 Euro zu haben. Aber auch die Spanier wollen es etwas gediegener, das heißt sie beauftragen ein Beerdigungsunternehmen und benutzen eine Aussegnungshalle. Bei internationalen Überführungen kommen in der Regel noch einmal 700 Euro dazu. Die Beerdigungsdienste von Mémora bieten auch eine Finanzierung der Beerdigung an. Dafür gibt es Kredite von bis zu 5.000 Euro, die man innerhalb von 12 Monaten ohne Zahlung von Zinsen abzahlen kann. Die spanische Finanz- und Wirtschaftskrise hinterlässt auch hier ihre Spuren. Der Wunsch zur Finanzierung lässt nach, zumal die Beerdigungskosten durch die Erhöhung der Mehrwertsteuer von 8 auf 21 % um 13 Prozent gestiegen sind.

Noch ein paar weitere Zahlen: Genaugenommen sind 2011 389.182 Menschen in Spanien gestorben, davon 188.827 Frauen und 200.355 Männer. Gegenüber 2010 bedeutet das 8.761 Tote mehr. Die Zahl der Einäscherungen, die in Südspanien beliebter ist, hat sich leicht von 27 auf 28% erhöht. Obwohl die Mehrzahl der Spanier religiös, d.h. mit einer Messe oder Gebet bestattet werden, stieg die Anzahl der Beerdigungen ohne religiöse Begleitung um 7%. 80% der Toten starben im Krankenhaus, ungefähr 10-15% zu Hause und zwischen 5 und 10% auf öffentlichen Straßen. 60 % der Verstorbenen hatten eine Sterbeversicherung. Der Wunsch nach einer ökologischen Beerdigung ist im vergangenen Jahr um 20% gestiegen.

Spanische Friedhöfe sind in der Regel Steinwüsten, die oft in Gewerbegebieten oder deren Umfeld liegen. Deshalb ist der steigende Wunsch nach einer ökologischen Beerdigung auch ein Schritt weg von den eingeschlagenen Wegen. Es gibt in Spanien ein Verband ökologischer Bestattungsunternehmer (Funeco) auf dessen Webseite die bisherige Beerdigungspraxis beschrieben wird: “Das bisherige klassische System der Leichnam-Behandlung wie es in Spanien bisher praktiziert wird, hat einen schädlichen Einfluss auf die Umwelt und die Landschaft, sie verschmutzt den Boden, die Luft und das Grundwasser. Dies beeinflusst durch die Nahrungsmittelkette die Gesundheit der Menschen und fördert die Entstehung von malignen Tumoren in der Bevölkerung”. Die ökologischen Bestattungsunternehmer streben Friedhöfe in der Art von Parks an. Dabei sollen diejenigen, die keine Einäscherung wünschen vertikal unter einem Baum begraben werden in einem recycelbaren Sarg, nachdem zuvor der Leichnam sterilisiert wurde. Das heißt natürlich Abschied nehmen von Grabdenkmälern, die vor allem bei Mitgliedern der begüterten Gesellschaft beliebt sind. Auch zu den Kosten haben die ökologischen Bestattungsunternehmer eine Meinung: “Die exzessiven Kosten, die die Familie eines Verstorbenen zu tragen hat, um eine so natürliche Handlung wie es die Beerdigung eines Familienangehörigen ist vorzunehmen, sind weder tragbar noch vorschlagbar für einen großen Teil der Bürgerschaft. Es ist nicht die Zeit pompöser Bestattungen, die nur dazu dienen, um die Kassen der Beerdigungsunternehmen klingeln zu lassen, zu Lasten des Leidens und des Opfers der Familienangehörigen des Verstorbenen.”

Siehe auch:
Barcelona eröffnet erste europäische Friedhofsroute
In Sevilla brennen Särge

Informationsquelle
Morirse cuesta 3.700 euros de media en España, en el norte más que en el sur