Direkt zum Hauptbereich

Ein hungernder Gazastreifen im brasilianischen Nordosten?

An der Grenze zwischen den brasilianische Bundesstaaten Piauí und Ceará befindet sich ein Niemandsland. In diesem Niemandsland liegt der Ort Cachoeira Grande. Der Grundschullehrer des Ortes erklärt interessierten Journalisten an Hand einer genauen Karte des brasilianischen Nordostens, dass Cachoeira Grande für die brasilianische Öffentlichkeit nicht existiert. Der Grund ist ein Streit zwischen den beiden Bundesstaaten Piauí und Ceará. Für Ceará verlangt der Distrikt Poranga die Oberhoheit und für Piauí der Ort Pedro II.

Angefangen hat alles 1880 als der brasilianische Kaiser Pedro II ein Abkommen unterschrieb, der einen Geländeaustausch zwischen Ceará und Piauí vorsah. Piaui, ein Bundesstaat damals ohne Zugang zum Meer, verlangte zu jener Zeit eine territoriale Kompensation durch seinen Nachbarn in Ceará. Seither haben sich die Kontrahenten gegenseitig lahmgelegt und bisher folgte keine Bestimmung, zu wem das strittige Stück Land nun gehört. Die lokale Bevölkerung trug’s mit Sarkasmus und bezeichnete sich als “Gazastreifen des Nordostens”, ein Begriff, der dann von Journalisten populär gemacht wurde. Die Politiker und offiziellen Stellen sprechen von der “Streitzone”. Dabei ist der brasilianische Gazastreifen wesentlich größer als derjenige im Nahen Osten. Er umfasst 2.210 qkm und ist damit fast doppelt so groß wie der tatsächliche Gazastreifen.

Seit 1991 gibt es Bemühungen den Konflikt endlich zu lösen. Währenddessen wird diese Region mit 20 Gemeinden aber immer mehr ihrem Schicksal überlassen. Obwohl beide Staaten das Land haben wollen, ist keiner dafür zuständig. Schlechte Straßen, keine Gesundheitsversorgung und mangelhaftes Schulangebot sind die Folge. In einiger Entfernung führt die Bundesstrasse BR-404 an Cachoeira Grande vorbei, wenige Kilometer vor dem Ort hört der Asphalt auf und fängt einige Kilometer später hinter der Grenze zu Ceará wieder an. Das nationale Institut für Transportinfrastruktur in Piauí erklärte, dass man keine legale Grundlage für die weitere Asphaltierung habe. So bewegt sich die Bevölkerung auf hunderten von Kilometern auf miserablen Erdstraßen. Für Wasser müssen die Bewohner in dieser wüstnenähnlichen Landschaft kilometerweit laufen. Viele sind einen ganzen Tag mit der Wasserversorgung beschäftigt. Am Ortseingang von Cachoeira steht zwar ein imponierender Wasserbehälter, “es fehlt nur das Wasser” erklärt dazu der 66-jährige Raimundo Moreira.

Auch dort, wo es Zuständigkeit gibt, sieht es schlecht aus. Die nächstgelegene Ortschaft in Ceará, Poranga, hat 12.000 Einwohner. Für den Ort gilt wegen der Trockenheit der Ausnahmezustand. Den Ausnahmezustand teilen Poranga und seine Region mit 171 von 184 Städten in Ceará. In Piaui befinden sich 191 von 224 Orten im Ausnahmezustand. Die Umgebung traurig aus: Bäume ohne Blätter, Pflanzen ohne Farbe, Rinder, bei denen man jede Rippe zählen kann und tote Tiere am Straßenrand gehören zum Alltag. Die Region ist isoliert, Hilfe bekommen sie von keiner Seite.

Woran liegt es, dass man sich nicht einigen kann? Wie bereits geschildert haben sich die beiden Staaten 1991 entschieden die Verhandlungen zu intensivieren, um das Problem endlich zu lösen. Dann ging es allerdings bis 2003 bis man die Verhandlungen aufnahm. 2008 wurde ein Vereinbarungsentwurf vorgelegt. Anschließend tat sich wieder nichts mehr, so dass 2011 die Regierung von Piauí eine Klage bei den Bundesbehörden einreichte, in der es 2.821 qkm des Gebietes für sich beanspruchte. Daraufhin wollte der Generalanwalt der Union (AGU) vermitteln. 2012 setzten sich die beiden Kontrahenten wieder an einen Tisch. Das Gebiet wurde teilweise vermessen, um eine neue Grenzlinie zwischen den Staaten festzulegen. Für einen kleinen Bereich liegt nun ein Vorschlag vor, der als Vorlage für die gesamte Grenzziehung dienen sollte. Der oberste Gerichtshof Brasiliens soll jetzt ein Rechtsgutachten dazu erstellen. Wenn die beiden streitenden Staaten sich dann noch nicht einigen, werden die Bewohner für die weitere Zukunft weiter im Niemandsland oder sarkastisch ausgedrückt im “Gazastreifen des Nordostens” leben.

Informationsquelle
Terra de ninguém: a 'Faixa de Gaza' entre Piauí e Ceará aguarda uma decisão

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Tolhaus Madrid oder wie verhindere ich die Wahl eines demokratisch gewählten Politikers zum Präsidenten

Die katalanische Krise geht weiter. Nachdem die Wahlen zum katalanischen Parlament, die von der Zentralregierung in Madrid nach dem Unabhängigkeitsreferendum angeordnet worden waren, für dieselbe mit einem Schuss ins Knie endete und die Parteien, die für die Unabhängigkeit oder zumindest einer Änderung der spanischen Verfassung hinsichtlich der Organisation des Staates eintraten, die überwiegende Mehrheit erhalten hatten und die Partei Partido Popular des Ministerpräsidenten Rajoy nur noch mit einem unter der Fraktionsgrenze liegenden Grüppchen im katalanischen Parlament vertreten ist, hätte man denken können, dass diese Situation vielleicht zur Lösung des Konflikt über Gespräche der Konfliktparteien hätte führen können.

Puigdemont, der katalanische Präsident, der sich seiner Verhaftung entzogen und nach Brüssel abgesetzt hatte, hat auf jeden Fall seine Gesprächbereitschaft zu erkennen gegeben. Aber in Spanien sind die Kräfte des Zentralismus noch viel zu stark, um an eine andere Lösu…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Wer braucht in den USA einen Psychiater? Die Waffenlobby oder kriminelle Täter?

Die Medien berichten: Ein 19-Jähriger schießt am Valentinstag an einer High School in Florida um sich. 17 Menschen sterben. Schüler berichten von Momenten der Verzweiflung. Viele Schüler lieferten verzweifelte Berichte ab, schilderten wie sie an Leichen und Blutlachen vorbei die Schule verlassen mussten, wie sie sich in Abstellräumen und Spinden oder unter Schulbänken verbarrikadierten.

US-Präsident Trump betet wie immer, wenn solche "Schicksalsschläge" kommen, und sein Hauptproblem ist der Täter,  von dem er die Opfer tröstend twittert, dass der 19-jährige Schütze offensichtlich „mental gestört“ und aus disziplinarischen Gründen der Schule verwiesen worden sei – und wie wichtig es sei, solche Verhaltensauffälligkeiten den Behörden zu melden. Hallo Herr Präsident, gibt's da noch etwas anderes? Warum läuft ein 19-jähriger mit einem halbautomoatischen Gewehr rum? Könnte es sein, dass der von der Waffenlobby geschürte amerikanische Waffenwahn der Grund für die viele…