Sonntag, 3. April 2011

Der rumänische Bauer fürchtet sich vor dem Ozonloch und Fukushima

Reporter der Zeitung "Adevarul" haben sich auf den Weg gemacht, um zu erfahren, was die rumänische Landbevölkerung so über die Lage der Welt denkt. Sie haben dabei herausgefunden, dass die derzeit am heftigsten diskutierten Themen unter den Bauern die drohenden radioaktiven Wolken von Fukushima und das Ozonloch sind. Das Ozonloch verursacht ihnen nach ihren Angaben Atemnot, da es ihnen den Sauerstoff nimmt. Die Ratschläge der Spezialisten bezüglich des Schutzes dagegen, halten sie für völlig ungeeignet. Dazu kommt noch die Sorge um die radioaktive Strahlung des havarierten Kernkraftwerks in Fukushima.

Also zwei Bedrohungen auf einmal. Die Ozonschicht, die sich nach Ansicht vieler Institute um 50% verringert haben soll, betrifft die rumänischen Bauern unmittelbar. Sie fürchten Gesundheitsschäden, da sie oft und lange in der Sonne arbeiten müssen. Dabei fühlen sie ihre Sorgen von den Verantwortlichen nicht ernst genommen. Ratschläge wie die Benutzung von Sonnenbrillen und Sonnenschutzcreme halten sie für blödsinnig. Denn schließlich würden sie nicht mit geöffneten Augen in die Sonne schauen, ob ein "ultravioletter Lichtschein sich aus den Wolken zwängt, um ihren Schädel zu verbrennen".

Die rumänischen Landbewohner sind aufmerksame Beobachter des Weltgeschehens. Und so ist ihnen nicht entgangen, dass die vor kurzem bekanntgegebene Vergrösserung des Ozonlochs auf der nördlichen Hemisphäre, gravierende Folgen für sie haben könnte. Beschwichtigungen der rumänischen Meteorologen, dass das Ozonloch Rumänien nicht betreffen werde, werden nicht mehr geglaubt. In dem Geschäft mischen allerdings auch "UFOlogen" und "Hellseher" mit, die den Rumänen auch prophezeit haben, dass sich eine radioaktive Wolke aus Fukushima über ihnen installieren wird. Da die Rumänen immer noch sehr abergläubisch sind, wird letzteren eine höhere Kompetenz als den Wissenschaftlern zugetraut. Die rumänischen Meteorologen hatten mitgeteilt, dass in den nächsten Tagen eine "ungefährliche" radioaktive Wolke Rumänien passieren werde, die Konzentration aber so gering sei, dass keine Gesundheitsgefahr bestehe.

Der 60-jährige Bauer Gheorghe Manolache hat vor nicht Angst: "Geh mir weg mit den verseuchten Wolken. Ich habe in meinem Leben viel schlimmere Dinge gesehen und hab keine Angst gehabt, was soll ich mich vor einem Loch so hoch im Himmel ängstigen? Ich habe einiges darüber gehört, aber unsere Leute sagen, dass das nicht bei uns passiert. Auf jeden Fall, noch stehe ich vor meiner Tür, noch gehe ich ins Haus und komme heraus und so vergeht der Tag. Ich gehe nicht aufs Feld, denn ich habe mein Land verpachtet und andere bearbeiten es. Ich fühle mich wie ein Großgrundbesitzer! Ich habe mir noch keine Creme ins Gesicht geschmiert, damit in ich in meinem Alter noch weiß werde. Ich habe verstanden, dass das Ozonloch etwas gefährliches ist, weil es uns den Sauerstoff nimmt. Ich atme tief ein und spüre, dass ich nicht mehr wie bisher atme".

Ein Vater, 40 Jahre alt, mit 2 Kindern sieht das etwas anders als der alte Herr: "Im Fernsehen sagen sie nur dummes Zeug. Haben sie nicht gesehen, was für einen Nebel wir heute morgen hatten? Keine Ahnung, woher der gekommen ist? Von der radioaktiven Wolke, das können sie mir glauben! Hören sie mir gut zu, in unserem Gebiet befindet sich die radioaktive Wolke oder erstreckt sie sich über das ganze Land? Im Herbst werden wir vergifteten Wein trinken!". Seine kleine Tochter fällt ihm ins Wort: "Sei ruhig Papa, es ist nicht gefährlich. Hast du nicht gehört, dass es nur gefährlich wird, wenn die Radioaktivität durch Regen auf den Boden kommt?". Ein Zuhörer meint: "Wenn es so gefährlich ist, warum nehmen wir uns nicht gleich das Leben?".

Die Mischung aus aufmerksam wahrgenommenen Nachrichten, missverstandenen wissenschaftlichen Ergebnissen vermengt mit dem landesüblichen Aberglauben und wilden Gerüchten, sorgt für tragikomische Szenen im rumänischen Landleben.


Informationsquelle:
Adevarul - REPORTAJ Ţăranul român şi "gaura radioactivă"