Direkt zum Hauptbereich

Sind die Deutschen Heuchler, wenn es um ihre Stromversorgung geht?

Bernard Laponche, Nuklearphysiker und Experte in Energiepolitik, stand den französischen Lesern der Zeitung Le Monde für Fragen über die Energiepolitik in einem Chat zur Verfügung. Eine der Kernaussagen von Bernard Laponche war, dass bisher in Frankreich alle Vorwände gut waren, um die Entwicklung der erneuerbaren Energien zu begrenzen.

Unter anderem wurde er auch gefragt:

"Deutschland will aus der Atomkraft aussteigen. Es ist stolz auf sein Energiemodell, das auf der Kohle, dem Öl ...... und dem Import französischen Atomstroms beruht! Kann man da nicht von Heuchelei sprechen?" Aus dieser Frage ist zu erkennen, wie wenig viele Franzosen vom Nachbarn auf der andern Rheinseite wissen. Zeit für Bernard Laponche einiges klarzustellen:

"Diese Frage enthält viele Fehler. Zum Ersten, dass Deutschland sich hauptsächlich aus Öl und dem Import von Strom versorgt. Frankreich importiert mehr Strom aus Deutschland als dieses von Frankreich importiert. Insofern haben wir eher ein Heuchelei auf französischer Seite, die Strom aus Quellen importiert, die CO2 verursachen. Zweitens: Bezüglich des Ölverbrauchs pro Bewohner verbraucht Frankreich etwas mehr Öl als Deutschland. Die Kohle wird in Deutschland oft für die Stromproduktion genutzt und erbringt 40% der Energieversorgung. Verglichen mit 80% Atomstrom in Frankreich. Auf der andern Seite gibt es die erneuerbaren Energien. Deren Anteil lag 1991 im Jahr der Wiedervereinigung bei 4% der Elektrizitätsversorgung Deutschlands. Heute liegt ihr Anteil bei 18% und das Ziel bis 2020 ist 35%. Dann liegt der Anteil der Erneuerbaren höher als die Stromversorgung durch die Atomkraftwerke, die bei 30% liegt. Frankreich hatte 1991 einen Anteil der Erneuerbaren von 11 %, zurückzuführen auf die in früheren Zeiten gebauten Wasserkraftwerke. Heute liegt dieser Anteil bei nur 14%. Man sieht also sehr gut, dass sich Deutschland auf die Reise gemacht hat Richtung Vorrang der Energieeffizienz auf der einen Seite und einem noch stärkeren Ausbau der Erneuerbaren auf der anderen Seite."

Und was soll Frankreich tun, um vom Atomstrom los zu kommen. Der Leser Orel fragt dazu: "Welche Glaubwürdigkeit geben sie den Vorschlägen zum Ausstieg Frankreichs aus dem Atomstrom bis 2050 wie er insbesondere von der sozialistischen Partei und der Partei "Europe Ecologie-Les Verts" (Grünen) vertreten wird?"

Die Antwort von Bernard Laponche: "Bezüglich der derzeit vorgeschlagenen Politik bin ich der Meinung, dass sie sich klar ausdrücken muss, d.h. es muss eine Priorität für die Energie- und Elektrizitätswirtschaft erklärt werden. Unter diesen Bedingungen ist es glaubwürdig, dass das Energiesystem tiefgreifend geändert und nach und nach der Anteil des Atomstroms in der Elektrizitätproduktion heruntergefahren werden kann, bis in einigen Jahrzehnte ganz auf ihn verzichtet werden kann und der Hauptteil der Elektrizität aus erneuerbaren Energien stammen wird. Die Glaubwürdigkeit eines solchen Ziels beruht darauf, dass Programme zur energetischen Sanierung von Gebäuden, des öffentlichen Verkehrs, der Züge und bei Geräten und Industriemaschinen gestartet werden."

Aus den vielen Fragen lässt sich erkennen, dass die Franzosen eher Angst haben, dass sie von Photovoltaik-Anlagen erdrückt oder Windrädern erschlagen werden als dass ihnen ein Atomkraftwerk um die Ohren fliegt und ihre Lebensgrundlagen verseucht. Aber man sieht auch ein großes Interesse, durch kompetente Fachleute neue Lösungen zu finden, die nachhaltig für eine Lösung der Energieprobleme der modernen Welt sorgen.

Informationsquelle:
"Tous les prétextes ont été bons pour limiter le développement des énergies renouvelables" - LeMonde.fr

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Tolhaus Madrid oder wie verhindere ich die Wahl eines demokratisch gewählten Politikers zum Präsidenten

Die katalanische Krise geht weiter. Nachdem die Wahlen zum katalanischen Parlament, die von der Zentralregierung in Madrid nach dem Unabhängigkeitsreferendum angeordnet worden waren, für dieselbe mit einem Schuss ins Knie endete und die Parteien, die für die Unabhängigkeit oder zumindest einer Änderung der spanischen Verfassung hinsichtlich der Organisation des Staates eintraten, die überwiegende Mehrheit erhalten hatten und die Partei Partido Popular des Ministerpräsidenten Rajoy nur noch mit einem unter der Fraktionsgrenze liegenden Grüppchen im katalanischen Parlament vertreten ist, hätte man denken können, dass diese Situation vielleicht zur Lösung des Konflikt über Gespräche der Konfliktparteien hätte führen können.

Puigdemont, der katalanische Präsident, der sich seiner Verhaftung entzogen und nach Brüssel abgesetzt hatte, hat auf jeden Fall seine Gesprächbereitschaft zu erkennen gegeben. Aber in Spanien sind die Kräfte des Zentralismus noch viel zu stark, um an eine andere Lösu…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Wer braucht in den USA einen Psychiater? Die Waffenlobby oder kriminelle Täter?

Die Medien berichten: Ein 19-Jähriger schießt am Valentinstag an einer High School in Florida um sich. 17 Menschen sterben. Schüler berichten von Momenten der Verzweiflung. Viele Schüler lieferten verzweifelte Berichte ab, schilderten wie sie an Leichen und Blutlachen vorbei die Schule verlassen mussten, wie sie sich in Abstellräumen und Spinden oder unter Schulbänken verbarrikadierten.

US-Präsident Trump betet wie immer, wenn solche "Schicksalsschläge" kommen, und sein Hauptproblem ist der Täter,  von dem er die Opfer tröstend twittert, dass der 19-jährige Schütze offensichtlich „mental gestört“ und aus disziplinarischen Gründen der Schule verwiesen worden sei – und wie wichtig es sei, solche Verhaltensauffälligkeiten den Behörden zu melden. Hallo Herr Präsident, gibt's da noch etwas anderes? Warum läuft ein 19-jähriger mit einem halbautomoatischen Gewehr rum? Könnte es sein, dass der von der Waffenlobby geschürte amerikanische Waffenwahn der Grund für die viele…