Direkt zum Hauptbereich

Fukushima zeigt der Atomindustrie ihr fehlendes Verantwortungsgefühl

Die Erdbebenkatastrophe in Japan und die noch nicht absehenden Folgen einer möglichen Nuklearkatastrophe hat die Welt erschüttert. Wieder einmal sind die Beschwichtigungsparolen der Atomenergie-Lobby innerhalb kürzester Zeit als "Parolen" entlarvt worden. War die Unfallhäufigkeit in früheren Zeiten noch mit  Sprüchen der Atomstatistiker wie "ein GAU passiert nur in ein paar millionen Jahren" zur Fast-Unmöglichkeit degradiert worden, so zeigen die Geschehnisse innerhalb kurzer Zeit, dass die Wissenschaftler, die sich damit beschäftigt haben, entweder zu dumm oder gekauft waren. Der Preis des Nachdenkens wird immer höher werden. Erneut soll wieder geprüft werden. Es wäre aber schön, wenn jetzt endlich einmal die Verantwortung übernommen wird, die die Befürwortung der Atomenergie erforderlich macht.

Was meint man anderswo, angesichts dieser sich abzeichnenenden Katastrophe. Spanien steht auf Druck der Atomindustrie ebenfalls vor einer positiven Entscheidung zur Laufzeitverlängerung der alten Atommeiler. Ein Kommentator der Zeitung El Pais schreiben heute: "Die (japanischen) Behörden versichern auf jeden Fall, dass es unwahrscheinlich ist, dass die Explosion den Reaktor zerstört habe und dass es eine Tragödie wie in Terschnobyl geben werden. Aber "unwahrscheinlich" ist ein Adjektiv, das eher dazu gedacht ist, die öffentliche Meinung zu beruhigen, und doch hat man den Nuklearalarm ausgelöst. Die Katastrophe hat sich auf jeden Fall bereits in ein mächtiges Argument für diejenigen, die sich dieser Art von Energie entgegensetzen, verwandelt. Und das ist wichtig für Spanien, wo man deren Zukunft diskutiert."

Rumänien, dem in nächster Zeit auch wieder einmal ein starkes Erdbeben droht, weiß was die Katastrophe in Japan bedeutet. Der Kommentator der Zeitung Adevarul ist aus diesem Grund völlig außer sich, wenn er fragt: "Können sie sich vorstellen, was passiert wäre, wenn dieselbe Katastrophe Rumänien getroffen hätte? Wieviele Gebäude würden hier einem Erbeben von 9 Grad stand halten. Können sie sich Politiker vorstellen, die sich die Hände halten, Bürgermeister, die mit ihrem Auto durch die Stadt fahren und den Leuten zeigen, unter welche Unterstand sie gehen können? Eine Bevölkerung und Behörden, die übermenschliches tun, um zuerst einmal Leben zu retten und anschließend nicht ruhen bis der letzte Ziegel wieder auf dem andern liegt? Wir sollten uns vorstellen, wie Rumänien nach so etwas aussieht. Heute schließen wir Krankenhäuser und bringen unsere Ärzte dazu, ins Ausland zu gehen. Die Rechnung dafür wird früher oder später kommen und viel schmerzhafter sein." Also wenig Vertrauen zur Beherrschung einer solchen Katastrophe weder in die eigenen Politiker noch in die eigene Bevölkerung. Im übrigen wird in den Medien bereits Panik geschürt: Für die Tage vom 19. bis 24. März wird für Bukarest ein Erdbeben mittlerer Stärke, 5,35 Grad auf der Richterskala, vorhergesagt. Ganz vergessen werden Rumäniens AKW im Donauknie von Cernavoda. Bei der landesüblichen Schlamperei müssten einem eigentlich vor Angst alle Haare zu Berge stehen, wenn man an dieses AKW (2 Blöcke, ein 3. im Bau) denkt, die in Luftlinie bestenfalls 100 km von dem unruhigen Vrancea-Graben entfernt liegen. Der Vrancea-Graben ist der Hauptverursacher schwerer Erdbeben in Rumänien. Cernavoda liegt an der Donau und nicht weit vom Biosphärenreservat Donaudelta entfernt. Haben wir noch soviel zu verschenken auf dieser Erde??

In Frankreich, wo man anlässlich Tschernobyl von Regierungsseite über die Folgen gelogen hat bis sich die Balken bogen, herrscht diesselbe Abwiegelungstaktik wie eh und jeh. Regierungsamtlich beruhigt man seine Bürger damit, daß der nukleare Fall-out von Fukushima weder das französische Festland noch die Überseegebiete erreichen werde. Zum Vergleich: Beim Tschernobyl-Unfall machten die radioaktiven Wolken nach Aussagen der Regierung an der französischen Grenze halt. Also: Noch keine Ahnung haben wie die Havarien in Fukushima ausgehen, aber bereits hundertprozentig wissen, dass zumindest Frankreich nichts abbekommt. Jetzt lässt sich die Regierung in einer heute veröffentlichten Mitteilung zu folgender Aussage hinreissen: "Frankreich, seit Jahren an der Entwicklung der Nuklearenergie beteiligt, hat den höchsten Sicherheitsanforderungen in der Konstruktion und dem Betrieb der Anlagen Vorrang eingeräumt. Die Regierung wird deshalb aufmerksam die nützlichen Erkenntnisse aus den japanischen Ereignissen ziehen im Bezug auf das eigene Nuklearsystem". An der deutschen Grenze steht der Uralt-Reaktor Fessenheim, der jetzt generalüberholt werden soll und dann soll er vermutlich laufen bis die letzte Röhre korrodiert ist. Die elsässische Journal d'Alsace schreibt: "Das Verwaltungsgericht Straßburg hat vergangenen Mittwoch die Klagen auf Schliessung von Fessenheim wegen Überalterung und Gefährlichkeit verworfen. Hätte das Gericht genauso entschieden, wenn das Urteil nach dem Unfall von Fukushima hätte gefällt werden müssen? Andere Frage: Hätte Fessenheim einem Erdbeben der Stärke 8,9 standgehalten? Fessenheim wurde 1977 in Betrieb genommen. Nach dem, was (der Betreiber) EDF sagt, befindet es sich weit entfernt von den heutigen Normen im Schutz gegen Erdbeben. Fukushima verlangt einer Überprüfung der AKW und ihres Schutzes gegen Erdbeben. Sofort!" EDF hat bereits mehrfach bewiesen, dass ihr jede Vertuschung und Täuschung der Bevölkerung recht ist, um die bisher von Frankreich betriebene Politik der Priorität der Nuklearernergie nicht in Gefahr zu bringen. Inzwischen spricht sich auch in weiten Kreisen der Bevölkerung herum, dass es hierbei um Leute handelt, die einen sehr niedrigen Verantwortungshorizont haben. Deswegen bekommt die Anti-Atomkraftbewegung durch Fukushima neue Fahrt.

Auch in der Schweiz, wo die Bevölkerung von der Atomlobby mit der drohenden Stromlücke terrorisiert wird, kommt angesichts des Desasters in Japan Bewegung in die bisherige Atompolitik. Betroffen sind nicht nur die Schweizer, da man das Risiko auch an die Grenze verlagert hat. Das AKW Leibstadt am Rhein würde bei einem ähnlichen Unfall die 2-3 km entfernt liegende deutsche Kreishauptstadt Waldshut-Tiengen unbewohnbar machen. Wer kann das verantworten? Das AKW in Leibstadt liegt keine 60 Kilometer vom Epizentrum des stärksten Erdbebens entfernt, das sich in historischen Zeiten nördlich der Alpen in Basel ereignet hat. Die Debatte ist hier eröffnet, aber die Naivität mancher Schweizer dank Gehirnwäsche durch die Atomindustrie entwaffnend. Der Tagesanzeiger zitiert eine Leserin mit folgenden Worten: "Ich bin AKW-Befürworterin und werde es bleiben. Wie leben in der Schweiz und nicht in einem erdbebengefährdeten Land."


Más que un tsunami · ELPAÍS.com
Cum ar arăta România după o „apocalipsă japoneză”? - Adevarul
EXCLUSIV. Efectele seismului din Japonia în România: la sfârşitul lunii ne aşteaptă un cutremur- Romania Libera
De Fukushima à Fessenheim - Journal d'Alsace
AKW Leibstadt-Verwaltungsrat Rolf Büttiker stellt neue Schweizer AKW in Frage - Aargauer Zeitung

Beliebte Beiträge

Ikonen küssen kann tödlich sein

In rumänisch-orthodoxen Kirchen sind die Heiligenbilder im Ikonenstil ein fester Bestandteil des Inventars und die Bilder von besonders wunderwirkenden Heiligen haben einen herausragenden Platz. Zu ihnen pilgern alle, die sich etwas von Ihnen erhoffen und als besondere Verbindung zwischen Gläubigen und dem/der Heiligen gilt der Kuss auf die Ikone. Viele Ikonen sind an bestimmten Stellen dadurch schon ziemlich in Mitleidenschafft gezogen.

Das Orthodox-Wiki erklärt den Brauch so:

Der Kuss
Der Kuss ist ein in der Orthodoxie tief verwurzelter Brauch. Wenn man in die Kirche geht, gibt es die Gewohnheit der orthodoxen Christen die Ikonen zu verehren oder zu küssen. Durch diese Handlung zeigt der Christ Liebe und Respekt für die Geschenke und Taten Gottes für den Menschen.

Genauso küsst der Gläubige die rechte Hand des Priesters bei bestimmten Gelegenheiten. Mit der rechten Hand gibt der Priester den Wilkommensgruß, der nicht von ihm kommt, sondern von Gott. Durch diesen Akt der Verehrung e…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Aus der Hölle für Schweine frisch auf den europäischen Tisch

"Die Misshandlung der Tiere ist weit verbreitet im Sektor der spanischen Schweinezucht. Die Tiere werden nicht als Lebewesen, sondern als Ware behandelt", schreibt die Journalistin Esther Vivas. In ihrem Meinungsbeitrag, den ich nachstehend übersetzt wiedergebe, schildert sie in der Zeitung "El Periódico" die Zustände in der spanischen Schweinezucht und -verarbeitung:

Wir leben in einem Land von Schweinen, das ist wörtlich zu verstehen. In Spanien werden jedes Jahr 46 Millionen dieser Tiere geopfert, eines pro Einwohner, die höchste Zahl in ganz Europa. Fleisch, das zum größten Teil für den Export bestimmt ist. Die Schweine wachsen und leben unter miserablen Bedingungen hier, zusammengepfercht auf wenig Raum, auf Gitterböden und umgeben von Fäkalien werden sie nie das Licht das Tages sehen. Danach werden sie geschlachtet und weg sind sie. Was lassen sie zurück? Ein Haufen Scheiße. 

Katalonien ist das Gebiet mit den meisten Schweinen in Spanien. Von den 4 Millionen …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Der spanische Staat verteidigt den Zentralismus mit Händen und Füßen

"Barcelona en Comú" (spanisch: Barcelona en común) und für ganz Katalonien "Catalunya en Comú" ist eine Bürgerplattform, die in eine politische Partei umgewandelt wurde, um 2015 an den Kommunalwahlen in Barcelona teilnehmen zu können. Eine ihrer engagiertesten Aktivistinnen ist Ada Colau, frühere Sprecherin der Plattform für die Betroffenen von Hypotheken (Plataforma de Afectados por la Hipoteca (PAH)). Sie wurde zur Oberbürgermeisterin von Barcelona gewählt. "Barcelona en Comú" ist ein Parteienbündnis, dem die Parteien "Iniciativa per Catalunya Verds", "Esquerra Unida i Alternativa", "Equo", "Procés Constituent" und "Podemos" angehören. Es handelt sich um Parteien aus dem linken und grünen Spektrum. Im Unabhängigkeitskonflikt Kataloniens mit der Zentralregierung nimmt dieses Parteienbündnis eine gemässigte Position sein. Es tritt nicht für die Unabhängigkeit ein, aber sehr wohl für eine erweiterte Autono…

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…