Sonntag, 10. April 2011

Das Motorrad: Objekt der Begierde und Tatwerkzeug

Aus dem brasilianischen Bundesstaat Pará an der Amazonasmündung berichtet der Diario do Pará über den Motorrad-Terror auf den Straßen des Bundesstaates. Der Diebstahl von Motorrädern, die Umfrisierung durch spezialisierte Banden, die Nutzung des Motorrades für Hinrichtungen und Überfälle sind der Alltag in dieser Region. Nach Angaben der Polizei erfolgen die Diebstähle nur um das gestohlene Fahrzeug in anderen Regionen wieder zu verkaufen. Besonders betroffen von den Diebstählen ist der Großraum der Hauptstadt Belém.

Die Polizei berichtet, dass die sich auf dieses Delikt spezialisierenden Banden wie folgt vorgehen: "Das ganze läuft in 4 Etappen ab. Zuerst wird dem Halter das Motorrad per Überfall auf der Straße oder durch Diebstahl abgenommen. In der zweiten Etappe übernimmt ein Hehler das Motorrad und schickt es, drittens, an einen Mechaniker in einer Werkstatt, den man "Pino" nennt. Der "Pino" frisiert das Motorrad um, indem er die Fahrgestellnummer und das Kennzeichen ändert. Der vierte im Bunde ist der "Dute", er hat die Aufgabe die Dokumente des Motorrades so zu fälschen, dass man nicht mehr erkennen kann, dass es gestohlen wurde, sondern aussieht wie ein legal erworbenes Fahrzeug." Die Käufer können meistens dann nicht mehr erkennen, dass das Motorrad aus einem Diebstahl stammt. Die beliebtesten Modelle für den Diebstahl sind die Motorräder Honda Broz, Honda CG125 und  Honda Fan 150.

Das Motorrad wird aber nicht nur gestohlen, es ist auch ein beliebtes Tatwerkzeug. In vielen Mordfällen verübt der Täter seine Tat vom Motorrad aus. Die Polizei erklärt, dass in 60% der Mordfälle das Motorrad benutzt wurde. Es ermöglicht in den oft verstopften und schwer zugänglichen Straßen einen leichteren Zugang und eine schnellere Flucht. Auf diese Weise regeln kriminelle Banden ihre Machtkämpfe oder werden auch wohlhabende Bürger erschossen. Die problematischsten Viertel von Belém sind die Stadtteile Icuí - Guajará und 40 Horas sowie die Gemeinde Ananindeua.

Die Polizei tut was sie kann, um das Phänomen zu bekämpfen. Sie sagt aber, dass sie ohne Mitarbeit der Bevölkerung nicht voran kommt und fordert diese auf, die Diebstähle sofort anzuzeigen und über verdächtige Werkstätten, Häuser und Grundstücke zu berichten, die für die "Bearbeitung" von gestohlenen Motorrädern in Frage kommen.

Informationsquelle:
DOL - Diário Online - Quadrilhas barbarizam sobre duas rodas