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Wird der Gewehrkugel-Express zum Milliardengrab?

Der "Trem-Bala", übersetzt "Gewehrkugel-Zug", ist Brasiliens ehrgeiziges Projekt eines Hochgeschwindigkeitszuges, der die Städte Rio de Janeiro, Campinas und São Paulo verbinden soll. Das Projekt ist noch nicht richtig gestartet und schon gibt es warnende Stimmen, dass die Schnellbahnverbindung nur mit hohen Kosten gebaut werden kann. Trotzdem hat jetzt der brasilianische Senat mit 44 gegen 17 Stimmen die Finanzierung abgesegnet. Die Regierung erwartet Kosten in Höhe von 20 Milliarden R$ (ca 8,3 Milliarden Euro). Die Abgeordnetenkammer hatte bereits letzte Woche zugestimmt. Die Präsident Dilma Rousseff muss die Beschlüsse jetzt noch in Kraft setzen. Die Versteigerung der Konzession soll im Juli stattfinden.

Es gibt allerdings schon eine verbreitete Skepsis bezüglich der Kosten und des Sinns des Projektes. Fachleute schätzen, dass die tatsächlichen Kosten in der Regel um 45% über den geplanten Kosten liegen. Die geplanten Gesamtkosten liegen bei 33 Milliarden R$ (15 Milliarden Euro), aber Skeptiker schätzen, dass es mindestens 50 Milliarden werden (22 Milliarden Euro). 20 Milliarden R$ soll der brasilianische Staat per Kreditaufnahme übernehmen und 10 Milliarden R$ soll von privaten Investoren erbracht werden. Für das Projekt wurde eine neue staatliche Organisation gegründet, die sich "Empresa de Transporte Ferroviário de Alta Velocidade (ETAV)" (Eisenbahntransport-Unternehmen für Hochgeschwindigkeitszüge), an der sich auch private Investoren beteiligen können.

Ein Fachmann, der im Beirat des Senates sitzt, schildert, was man mit dem Geld auch machen könnte: "Mit 20 Milliarden R$ könnte man zum Beispiel ein Wasserkraftwerk von der Größe von Belo Monte bauen, 8.300 km Eisenbahnlinien für den Güterverkehr, 12 Millionen Menschen in den Städten an das Abwassernetz anschließen oder das U-Bahnnetz einer Stadt wie São Paulo verdoppeln. Ist es soviel öffentliches Geld wert, für ein Zugprojekt wie den "Trem-bala" verwendet zu werden?", fragt sich der Experte. Das Projekt bringe auch erhebliche Zielkonflite mit der wirtschaftlichen und sozialen Politik der brasilianischen Bundesregierung. Politiker aus Brasiliens Nordosten haben auch bereits gefordert, dass man genausoviel Geld in die Infrastruktur ihrer Region investiert.

Man darf sich zurecht fragen, ob Brasilien nicht besser in eine Infrastruktur investiert, die allen etwas bringt. Der Hochgeschwindigkeitszug ist ein Prestigeobjekt, das demnächst den staunenden Besuchern der Fußballweltmeisterschaft oder Olympiade das moderne Brasilien vor Augen führen soll. Dem durchschnittlichen Brasilianer wird das nicht viel bringen, er hat zur Zeit noch ganz andere Sorgen.

Blogger Fabio Mayer dückt sich so aus: "Der Trem-bala ist nichts anderes als ein Alptraum, der sich bald in einen unzugänglichen weißen Elefanten verwandeln wird. Vermutlich werden wir die Bahnverbindung nie bezahlen können und sie wird auch bis 2018 nicht fertiggestellt. Und das passiert alles mit Geld, das besser und unmittelbarer in den Bau von Flughäfen, Bahnhöfen und Straßen investiert würde. Dann würde man schnell und umfassender praktische Ergebnisse sehen.
Das brasilianische Volk wird davon nicht profitieren, denn das wird ein Produkt der ersten Welt sein, der Stolz der Nation, von dem es aber nichts haben wird."


Siehe auch:
Südamerikanischer Tigerstaat kämpft mit Durchfall

Informationsquelle:
Senado aprova financiamento para o trem-bala - O Globo

Trem-bala pode custar até 45% mais que o previsto

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