Direkt zum Hauptbereich

Strahlende Zukunft für spanische Atomkraftwerke

Spanische Atomkraftwerke haben schon mehrfach für gefährliche Situationen gesorgt. 2009 waren die Meiler an 572 Tagen überwiegend wegen Störfällen still gelegt. Nichtsdestrotrotz scheint auch hier die Atomlobby im Hinblick auf eine Verlängerung der Laufzeit ihrer Meiler erfolgreich weiter gekommen zu sei. Inzwischen sind es die Gewerkschaften, die eine Laufzeitverlängerung fordern und die Regierung im Hinblick auf einen erfolgreichen Abschluss eines Sozialpaktes unter Druck setzen. Angeblich steht der Verlust von vielen Arbeitsplätzen auf dem Spiel, da kann man auch das Restrisiko von verseuchten Landschaften und krank gemachten Landsleuten in Kauf nehmen.

Widerstand gibt es so gut wie keinen. Der Chefredakteur der Zeitung "La Vanguardia", José Antich, verbreitet sogar Jubelstimmung: "An erster Stelle dürfen wir uns beglückwünschen, dass hier eine Politik geändert wird, die nur negative Konsequenzen für die spanische Wirtschaft gebracht hätte. Sie basierte auf einer ausschliesslich ideologischen Haltung, die sogar innerhalb der Regierungspartei PSOE umstritten war, angefangen vom ehemaligen Ministerpräsidenten Felipe González. Die Regierung ist jetzt bereit, aus der Notwendigkeit eine Tugend zu machen und sich die Theorie zu eigen zu machen, dass bei Schliessung der Atomkraftwerke der Verlust von vielen Arbeitsplätzen zu befürchten ist. So etwas kann sich eine Regierung in voller Wirtschaftskrise nicht leisten".

Nicht viel anders sieht es beim Atomendmüll-Lager aus. Die Sorgen, die man in Deutschland hat, kennt man in Spanien nicht. Es gibt viele Gemeinden, die sich um das Endlager reissen. Die Regierung hat hier eher die Qual der Wahl. Demnächst will sie das grosse Los verteilen. Vermutlich wird die Wirtschaftskrise auch noch als Argument dafür hinhalten, dass man den strahlenden Dreck aus ganz Europa gegen gute Bezahlung aufnimmt. Europa kann aufatmen: Endlich eine Atomendmüll-Lager, das die Leute haben wollen!

Aber halt: Es gibt noch Widerstand in Spanien. Die Umweltbewegung "Ecologistas en Acción" gibt bekannt: "Ecologistas en Acción hält die Haltung der Mehrheitsgewerkschaften, die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke innerhalb des sozialen Dialogs mit der Regierung zu unterstützen, für absurd. Genauso ist die atomfreundliche Wendung in der Politik der Regierung einzuschätzen, die dem Druck der Nuklearindustrie nachgegeben hat und bereit ist, deren Interessen zu vertreten." Die Umweltbewegung ist der Ansicht, dass damit nur die Gewinninteressen der Atomkonzerne gefördert und die Entwicklung der erneuerbaren Energien behindert wird. Sie kündigt ihren Widerstand für entsprechende Beschlüsse der Regierung an.

Rückenwind für eine Verlängerung der Laufzeiten gibt der spanischen Regierung die Entscheidung der CDU/FDP-Regierung, die Laufzeiten der deutschen Meiler zu verlängern. In einschlägigen Kreisen wird gerne auf das gute Beispiel der Merkel-Regierung hingewiesen.

Siehe auch:
Greenpeace blockiert spanisches Atomkraftwerk
Yebra will den Atommüll
Piden el posicionamiento público del MARM y de UGT sobre el alargamiento de la vida de las centrales nucleares - Ecologistas en Acción

Beliebte Beiträge

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Wenn in Spanien ein Ministerpräsident vor Gericht erscheinen muss

Mariano Rajoy, derzeitiger Ministerpräsident Spaniens, musste jetzt im Korruptionsskandal "Gürtel" vor Gericht als Zeuge aussagen. Die Vorwürfe gegen ihn sind umfangreich, aber bisher ist es ihm immer wieder gelungen, den naiven Unschuldigungen zu geben. Seltsam, was alles ohne sein Wissen bei der illegalen Finanzierung seiner Partei, der Partido Popular (PP) so gelaufen ist.

Es war also Zeit, dass er endlich vor einem ernsthaft arbeitenden Gericht mit den harten Fakten konfrontiert wird. Vor der "Audiencia Nacional" (vergleichbar etwa unserem Bundesgerichtshof) genoss er allerdings eine Sonderbehandlung. Der Journalist Ignacio Escolar beschreibt wie das bei Rajoy abgelaufen ist:

Die Zeugen, die vor der Audiencia Nacional aussagen, sitzen normalerweise auf einem Stuhl gegenüber den Richtern und antworten ohne den Beistand von Rechtsanwälten und sind zur Wahrheit verpflichtet. Rajoy war aber kein Zeuge wie sonst. Er sass an einem privilegierten Platz, rechts von der …

Erdogans willige rumänische Helfer

Nalan Oral ist eine türkische Menschenrechtsaktivistin. Sie ist in Belgien seit 2012 als politischer Flüchtling anerkannt. Anfang Juli wollte sie zusammen mit ihrer Familie  über Rumänien nach Bulgarien reisen, um dort Urlaub zu machen. An der rumänisch-ungarischen Grenze wurde sie am 8. Juli auf Grund eines  internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, um sie dann später an die Türkei ausliefern zu können.

Nalan Oral hatte bereits 3 Jahre in der Türkei im Gefängnis gesessen. Ihr wurde Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Sie ist kurdischer Herkunft und wurde zudem wegen Unterstützung der PKK angeklagt. Sie selbst erklärt, dass sie das Opfer einer Inszenierung war. Während sie im Gefängnis sass, behaupteten die türkischen Behörden in ihrem Haus Waffen gefunden zu haben. Deshalb wurde sie in der Türkei zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht in Timişoara hat jetzt entschieden, dass Nalan Oral aus der Haft entlassen we…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Die Probleme einer jungen Katalanin mit der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien

Katalonien strebt ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst dieses Jahres an. Die Zentralregierung schwört, dass sie alles tun werde, um das Referendum zu verhindern. Den veranstaltenden katalanischen Politikern wird mit dem Verfassungsgericht und strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Stimmung zwischen den Befürwortern und Gegnern ist aufgeheizt. Dazwischen gibt es aber auch Personen, die sich nicht so richtig entscheiden können. Unter anderem auch eine junge Katalanin, deren Ausführungen ich hier gekürzt wiedergeben möchte:

Ich bin in Katalonien geboren, aufgewachsen und lebe hier. Wie viele andere Menschen ist mein Vater Katalane, aber meine Mutter kommt nicht aus Katalonien, sondern aus Andalusien. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass in den 60er-Jahren viele Murcianer, Andalusier und Menschen aus der Extremadura auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen sind. Denn diese prosperierende Region war auch immer eine gastfreundliche Region, die vielen Menschen die Möglichk…

Einen auf Blonde machen und mit Stöckelschuhen arbeiten, der neue spanische Feminismus

Cristina Cifuentes Cuencas (geboren 1964) ist eine spanische Politikerin, die der Regierungspartei PP angehört. Seit 2015 ist sie Präsidentin der autonomen Region Madrid und seit 2017 auch Präsidentin der PP-Sektion von Madrid.
Im August 2013 hatte sie einen schweren Motorradunfall, bei dem sie zwischen Leben und Tod schwebte.

Cifuentes gilt als eine Nachwuchshoffnung der von Korruptionsaffären geschüttelten Partido Popular. Deshalb genießt sie einige Aufmerksamkeit in den spanischen Medien. Vor kurzem gab  sie der Modebeilage der spanischen Zeitung "El Pais" ein Interview, das für einige Aufregung sorgte. Neben leichtem Gespräch über Mode und ihren schweren Motorradunfall mit Nah-Tod-Erfahrung ging es auch um die Gleichberechtigung der Frauen in Spanien. Dabei äußerte sie sich eher scherzhaft zu dieser Frage, stieß aber damit doch auf Empörung. Wörtlich ging es um folgendes:

El Pais: Zur Zeit sind sie jeden Tag in Versammlungen, in denen viel Macht ausgeübt wird. Ohne Stöc…