Donnerstag, 20. Januar 2011

Strahlende Zukunft für spanische Atomkraftwerke

Spanische Atomkraftwerke haben schon mehrfach für gefährliche Situationen gesorgt. 2009 waren die Meiler an 572 Tagen überwiegend wegen Störfällen still gelegt. Nichtsdestrotrotz scheint auch hier die Atomlobby im Hinblick auf eine Verlängerung der Laufzeit ihrer Meiler erfolgreich weiter gekommen zu sei. Inzwischen sind es die Gewerkschaften, die eine Laufzeitverlängerung fordern und die Regierung im Hinblick auf einen erfolgreichen Abschluss eines Sozialpaktes unter Druck setzen. Angeblich steht der Verlust von vielen Arbeitsplätzen auf dem Spiel, da kann man auch das Restrisiko von verseuchten Landschaften und krank gemachten Landsleuten in Kauf nehmen.

Widerstand gibt es so gut wie keinen. Der Chefredakteur der Zeitung "La Vanguardia", José Antich, verbreitet sogar Jubelstimmung: "An erster Stelle dürfen wir uns beglückwünschen, dass hier eine Politik geändert wird, die nur negative Konsequenzen für die spanische Wirtschaft gebracht hätte. Sie basierte auf einer ausschliesslich ideologischen Haltung, die sogar innerhalb der Regierungspartei PSOE umstritten war, angefangen vom ehemaligen Ministerpräsidenten Felipe González. Die Regierung ist jetzt bereit, aus der Notwendigkeit eine Tugend zu machen und sich die Theorie zu eigen zu machen, dass bei Schliessung der Atomkraftwerke der Verlust von vielen Arbeitsplätzen zu befürchten ist. So etwas kann sich eine Regierung in voller Wirtschaftskrise nicht leisten".

Nicht viel anders sieht es beim Atomendmüll-Lager aus. Die Sorgen, die man in Deutschland hat, kennt man in Spanien nicht. Es gibt viele Gemeinden, die sich um das Endlager reissen. Die Regierung hat hier eher die Qual der Wahl. Demnächst will sie das grosse Los verteilen. Vermutlich wird die Wirtschaftskrise auch noch als Argument dafür hinhalten, dass man den strahlenden Dreck aus ganz Europa gegen gute Bezahlung aufnimmt. Europa kann aufatmen: Endlich eine Atomendmüll-Lager, das die Leute haben wollen!

Aber halt: Es gibt noch Widerstand in Spanien. Die Umweltbewegung "Ecologistas en Acción" gibt bekannt: "Ecologistas en Acción hält die Haltung der Mehrheitsgewerkschaften, die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke innerhalb des sozialen Dialogs mit der Regierung zu unterstützen, für absurd. Genauso ist die atomfreundliche Wendung in der Politik der Regierung einzuschätzen, die dem Druck der Nuklearindustrie nachgegeben hat und bereit ist, deren Interessen zu vertreten." Die Umweltbewegung ist der Ansicht, dass damit nur die Gewinninteressen der Atomkonzerne gefördert und die Entwicklung der erneuerbaren Energien behindert wird. Sie kündigt ihren Widerstand für entsprechende Beschlüsse der Regierung an.

Rückenwind für eine Verlängerung der Laufzeiten gibt der spanischen Regierung die Entscheidung der CDU/FDP-Regierung, die Laufzeiten der deutschen Meiler zu verlängern. In einschlägigen Kreisen wird gerne auf das gute Beispiel der Merkel-Regierung hingewiesen.

Siehe auch:
Greenpeace blockiert spanisches Atomkraftwerk
Yebra will den Atommüll
Piden el posicionamiento público del MARM y de UGT sobre el alargamiento de la vida de las centrales nucleares - Ecologistas en Acción