Direkt zum Hauptbereich

Lärm geht Brasilianern auf die Nerven

Am vergangen Samstag wurde am Strand von Serrambi im Bundesstaat Pernambuco eine Studentin angeschossen. In ihrer Siedlung fand ein Fest statt und zwar wie es manche Brasilianer lieben, mit einer Pegelschaltung, die die Lautsprecher krachen lassen. Einigen Nachbarn und der 21-jährigen Flavia gefiel das gar nicht und sich beschwerten sich über den Lärm. Es kam dann zum Streit und plötzlich fiel ein Schuss. Flavia liegt jetzt schwerverletzt im Krankenhaus. Familienangehörige behaupten, dass das Sicherheitspersonal der Siedlung geschossen habe. Die Verwalter bestreiten das.

Zuständig für den Lärmschutz ist in Pernambuco das Arbeitszentrum zur Unterstützung von Umweltangelegenheiten MPPE. Der Geschäftsführer erklärt die Situation so: "Die Tatsache, dass Personen ihr Recht auf laute Musik und Lärm missbrauchen und gleichzeitig die Rechte anderer auf Ruhe missachten, ist eine kulturelle Angelegenheit. Es ist sehr schwierig, per Gesetz das Recht auf Ruhe durchzusetzen. Musik in aller Lautstärke zu hören und wann immer man will, ist ein schwieriges kulturelles Problem hierzulande. Der Brasilianer ist extrovertiert und er liebt es, seine Lebensfreude allen zu zeigen. Aber auch dafür gibt es Grenzen. Denselben Widerstand mussten wir auch beim Verbot von Rauchen in geschlossenen Räumen oder beim Gebot von Anlegen von Sicherheitsgurten in Autos überwinden. Die Bekämpfung der Lärmverschmutzung muss auf demselben beharrlichen Weg erfolgen."

Diese Grenzen schienen für einige Lärmterroristen der Siedlung in Serrambi nicht zu bestehen. So kam es dann zu diesem Vorfall. Laut Nachbarn wurde der Lärm täglich veranstaltet und begann schon am frühen Morgen. Ein Nachbar erklärt: "Es gibt eine Vereinbarung unter den Bewohnern der Strandhäuser, dass man sich bemüht,  Musik und sonstige Lärmquellen auf natürlich Lautstärke einzustellen. Aber viele Mieter kommen nur in den Ferien und wissen davon nichts und machen dann Probleme". Die Polizei scheint mit der Lärmbekämpfung auch ein Problem zu haben, sie ist auf Mord und Totschlag spezialisiert, aber nicht auf solche profane Probleme des menschlichen Zusammenlebens. Aber, erklärt der Geschäftsführer der MPPE, "eine Musikanlage kann genauso ein Tatwerkzeug sein wie eine Waffe. Man muss sie beschlagnahmen und den Täter mitnehmen".

Die lebenslustigen Brasilianer werden also lärmempfindlich. Die Lärmverschmutzung wird immer mehr Anlass zu Klagen. Klagen, das mit ihr die Ruhe gestört wird, die Gesundheit und auch die Sicherheit gefährdet wird. Allein im Dezember des vergangenen Jahres wurden bei den zuständigen Behörden in Pernambuco 18.000 Fälle von Ruhestörung angezeigt. Das bedeutet 24 Anrufe pro Stunde.

Es ist auch wirklich schöner, die herrlichen Strände ohne den Lärmterror zu geniessen.

Siehe auch:
Wenn der Bus vibriert
Ärger in Tamandaré


Informationsquelle:
Mais de 24 queixas por hora contra o barulho | Diario de Pernambuco - O mais antigo jornal em circulação na América Latina



Beliebte Beiträge

Wale an Menschen: Lasst uns in Ruhe!

Vor allem an der französischen Mittelmeerküste hat der Kommerz ein neues Vermarktungspotential entdeckt. Mit Delfinen oder Walen schwimmen. Das läuft so ab: Ein Flugzeug sucht im Tieflug die Tiere und danach werden entsprechende Interessenten an den Ort gebracht, um mit den Tieren schwimmen zu können. Hört sich schrecklich tierlieb an, ist aber nur wieder einmal eine der schrecklichen Geschmacksverirrungen, zu denen der Mensch in der Lage ist.
Die französische Umweltorganisation "France Nature Environment " beschreibt die Folgen:
Die Meeressäugetiere, insbesondere die Wale, sind es nicht gewöhnt in der Nähe von Menschen zu sein.  Die Tatsache, direkt mit der Anwesenheit des Menschen konfrontiert zu werden führt zu einer nicht widerrufbaren Änderung im Verhalten der Tiere. Die Delfine und Wale werden durch die Anwesenheit von Menschen verwirrt und gestresst.  Wenn Sie mit dem Flugzeug verfolgt werden,  erschöpfen sie sich. Sie werden von ihren normalen Aktivitäten abgehalten …

Wenn in Spanien ein Ministerpräsident vor Gericht erscheinen muss

Mariano Rajoy, derzeitiger Ministerpräsident Spaniens, musste jetzt im Korruptionsskandal "Gürtel" vor Gericht als Zeuge aussagen. Die Vorwürfe gegen ihn sind umfangreich, aber bisher ist es ihm immer wieder gelungen, den naiven Unschuldigungen zu geben. Seltsam, was alles ohne sein Wissen bei der illegalen Finanzierung seiner Partei, der Partido Popular (PP) so gelaufen ist.

Es war also Zeit, dass er endlich vor einem ernsthaft arbeitenden Gericht mit den harten Fakten konfrontiert wird. Vor der "Audiencia Nacional" (vergleichbar etwa unserem Bundesgerichtshof) genoss er allerdings eine Sonderbehandlung. Der Journalist Ignacio Escolar beschreibt wie das bei Rajoy abgelaufen ist:

Die Zeugen, die vor der Audiencia Nacional aussagen, sitzen normalerweise auf einem Stuhl gegenüber den Richtern und antworten ohne den Beistand von Rechtsanwälten und sind zur Wahrheit verpflichtet. Rajoy war aber kein Zeuge wie sonst. Er sass an einem privilegierten Platz, rechts von der …

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

So soll Großbritannien vom Joch der EU-Gesetzgebung befreit werden

Die britische Premierministerin Theresa legte vor kurzem dem Parlament das "Great Repeal Bill"  zur Abstimmung vor. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, mit dem das EU-Recht im Vereinigten Königreich für ungültig erklärt werden soll. Offiziell nennt sich das Gesetz "European Union (Withdrawal) Bill", also EU-Rücknahme-Gesetz.


Mit dem Gesetz sollen die rechtlichten Wirkungen des Vertrages von 1972 über den Beitritt des UK zu EU aufgehoben werden. Damit würde wieder nur das Recht des Vereinigten Königreichs gelten und die Rechtssprechungsbefugnis des Europäischen Gerichtshofs für Großbritannien beendet. Dazu soll die bisherige in EU-Gesetzgebung in nationales Recht überführt werden, so dass am Tag des erfolgten Austritts aus der EU kein Chaos entsteht.

Alle EU-Regeln sollen in nationales Recht übernommen werden. Anschließend kann das Parlament diese Regeln "ändern, ergänzen oder verbessern". Damit soll die Geschäftswelt und Bürger und Bürgerinnen beruhigt …

Erdogans willige rumänische Helfer

Nalan Oral ist eine türkische Menschenrechtsaktivistin. Sie ist in Belgien seit 2012 als politischer Flüchtling anerkannt. Anfang Juli wollte sie zusammen mit ihrer Familie  über Rumänien nach Bulgarien reisen, um dort Urlaub zu machen. An der rumänisch-ungarischen Grenze wurde sie am 8. Juli auf Grund eines  internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, um sie dann später an die Türkei ausliefern zu können.

Nalan Oral hatte bereits 3 Jahre in der Türkei im Gefängnis gesessen. Ihr wurde Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Sie ist kurdischer Herkunft und wurde zudem wegen Unterstützung der PKK angeklagt. Sie selbst erklärt, dass sie das Opfer einer Inszenierung war. Während sie im Gefängnis sass, behaupteten die türkischen Behörden in ihrem Haus Waffen gefunden zu haben. Deshalb wurde sie in der Türkei zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht in Timişoara hat jetzt entschieden, dass Nalan Oral aus der Haft entlassen we…

Die Probleme einer jungen Katalanin mit der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien

Katalonien strebt ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst dieses Jahres an. Die Zentralregierung schwört, dass sie alles tun werde, um das Referendum zu verhindern. Den veranstaltenden katalanischen Politikern wird mit dem Verfassungsgericht und strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Stimmung zwischen den Befürwortern und Gegnern ist aufgeheizt. Dazwischen gibt es aber auch Personen, die sich nicht so richtig entscheiden können. Unter anderem auch eine junge Katalanin, deren Ausführungen ich hier gekürzt wiedergeben möchte:

Ich bin in Katalonien geboren, aufgewachsen und lebe hier. Wie viele andere Menschen ist mein Vater Katalane, aber meine Mutter kommt nicht aus Katalonien, sondern aus Andalusien. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass in den 60er-Jahren viele Murcianer, Andalusier und Menschen aus der Extremadura auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen sind. Denn diese prosperierende Region war auch immer eine gastfreundliche Region, die vielen Menschen die Möglichk…