Dienstag, 25. Januar 2011

Lärm geht Brasilianern auf die Nerven

Am vergangen Samstag wurde am Strand von Serrambi im Bundesstaat Pernambuco eine Studentin angeschossen. In ihrer Siedlung fand ein Fest statt und zwar wie es manche Brasilianer lieben, mit einer Pegelschaltung, die die Lautsprecher krachen lassen. Einigen Nachbarn und der 21-jährigen Flavia gefiel das gar nicht und sich beschwerten sich über den Lärm. Es kam dann zum Streit und plötzlich fiel ein Schuss. Flavia liegt jetzt schwerverletzt im Krankenhaus. Familienangehörige behaupten, dass das Sicherheitspersonal der Siedlung geschossen habe. Die Verwalter bestreiten das.

Zuständig für den Lärmschutz ist in Pernambuco das Arbeitszentrum zur Unterstützung von Umweltangelegenheiten MPPE. Der Geschäftsführer erklärt die Situation so: "Die Tatsache, dass Personen ihr Recht auf laute Musik und Lärm missbrauchen und gleichzeitig die Rechte anderer auf Ruhe missachten, ist eine kulturelle Angelegenheit. Es ist sehr schwierig, per Gesetz das Recht auf Ruhe durchzusetzen. Musik in aller Lautstärke zu hören und wann immer man will, ist ein schwieriges kulturelles Problem hierzulande. Der Brasilianer ist extrovertiert und er liebt es, seine Lebensfreude allen zu zeigen. Aber auch dafür gibt es Grenzen. Denselben Widerstand mussten wir auch beim Verbot von Rauchen in geschlossenen Räumen oder beim Gebot von Anlegen von Sicherheitsgurten in Autos überwinden. Die Bekämpfung der Lärmverschmutzung muss auf demselben beharrlichen Weg erfolgen."

Diese Grenzen schienen für einige Lärmterroristen der Siedlung in Serrambi nicht zu bestehen. So kam es dann zu diesem Vorfall. Laut Nachbarn wurde der Lärm täglich veranstaltet und begann schon am frühen Morgen. Ein Nachbar erklärt: "Es gibt eine Vereinbarung unter den Bewohnern der Strandhäuser, dass man sich bemüht,  Musik und sonstige Lärmquellen auf natürlich Lautstärke einzustellen. Aber viele Mieter kommen nur in den Ferien und wissen davon nichts und machen dann Probleme". Die Polizei scheint mit der Lärmbekämpfung auch ein Problem zu haben, sie ist auf Mord und Totschlag spezialisiert, aber nicht auf solche profane Probleme des menschlichen Zusammenlebens. Aber, erklärt der Geschäftsführer der MPPE, "eine Musikanlage kann genauso ein Tatwerkzeug sein wie eine Waffe. Man muss sie beschlagnahmen und den Täter mitnehmen".

Die lebenslustigen Brasilianer werden also lärmempfindlich. Die Lärmverschmutzung wird immer mehr Anlass zu Klagen. Klagen, das mit ihr die Ruhe gestört wird, die Gesundheit und auch die Sicherheit gefährdet wird. Allein im Dezember des vergangenen Jahres wurden bei den zuständigen Behörden in Pernambuco 18.000 Fälle von Ruhestörung angezeigt. Das bedeutet 24 Anrufe pro Stunde.

Es ist auch wirklich schöner, die herrlichen Strände ohne den Lärmterror zu geniessen.

Siehe auch:
Wenn der Bus vibriert
Ärger in Tamandaré


Informationsquelle:
Mais de 24 queixas por hora contra o barulho | Diario de Pernambuco - O mais antigo jornal em circulação na América Latina