Dienstag, 27. September 2016

Brexit im Nebelloch und sich balgende nichtsnutzige Minister

Die britische Premierministerin Theresa May, entgegen landläufiger Meinung ihrer Landsleute ähnlich den EU-Bossen nicht demokratisch gewählt, sondern nur von ihrer Partei im Gefolge des Brexit-Referendums ins Amt gehoben, verkündete kurz nach der Amtsübernahme "Brexit means Brexit" (Brexit bedeutet Brexit). Seither orakelt das Inselvolk, was sie wohl damit gemeint haben möge.
 
Eigentlich erstaunlich, dass man zwar aus der EU austreten will, aber die Regierung scheinbar keine Ahnung hat, wie man das anstellen soll. "Trigger Art. 50" rufen die strammen Anhänger des Brexit und meinen damit die Austrittserklärung nach Art. 50 des EU-Vertrages. Die britische Premierministerin hat sich bis heute darum herumgedrückt, dem erwartungsvoll dasitzenden Publikum zu sagen, wann sie nun zur Tat schreiten will. Statt dessen reden ihre Fach-Minister für den Austritt einen Haufen Unsinn, der von ihr dementiert wird oder bei dem sie darauf hinweist, das es sich nicht um die offizielle Meinung der Regierung handle!
 
Außenminister Johnson erklärte vor kurzem, dass man wahrscheinlich im kommenden Frühjahr den Austritt nach Artikel 50 erklären werde. Vermutlich hat Johnson aber auch nur wieder mal für sich selbst gesprochen, denn die Zeitung “The Guardian” schreibt: “Wie auch immer, Downing Street hat es bisher abgelehnt, Johnsons Meinung zu unterstützen. Theresa May hatte bereits früher ihre Verärgerung über die Vorstellungen ihrer Minister zum Ausstiegsprozess angedeutet.”
 
Die Webseite “thedailymash” nimmt das ganze satirisch aufs Korn und schreibt unter dem Titel “Theresa May ernennt einen Minister, der den Brexit-Ministern zu widersprechen hat”:
 
Theresa May hat einen Kabinett-Posten geschaffen mit der speziellen Aufgabe, allen Ministern, die mit dem Brexit zu tun haben, zu widersprechen. Die Premierministerin hat diesen Posten geschaffen, nachdem sie herausgefunden hat, dass sie ständig von ihrer eigentlich wichtigen Arbeit abgehalten wird, weil sie feststellen muss, dass Behauptungen von Boris Johnson, Liam Fox oder David Davis nicht der Wahrheit entsprechen.
 
Der mit der Kontrolle beauftragte Julian Cook, Abgeordneter für Devon North, erklärte: “Wenn du 3 verschiedene Minister hast, die über den Brexit sich den Kopf zerbrechen, jeder von ihnen ohne die Ahnung einer Lösung, dann ist das Dementieren ihrer idiotischen öffentlichen Erklärungen ein Vollzeitjob.
Ich habe eine Mannschaft von 22 Leuten, plus internes Personal, die die Herren 24 Stunden überwachen. Es ist eine unglaublich schwere Aufgabe, aber sie ist lebensnotwendig. Zum Beispiel erklärte Liam Fox gerade, dass das Vereinigte Königreich im Markt der Bewegung bleiben wolle, aber unbegrenzte Freiheit für Singles verlange.”
Theresa May sagt: “Mit Julian vor Ort, habe ich mehr Zeit meinen eigenen Brexit-Plan auszuarbeiten, den ich vorerst geheim halte.
Nur um es klarzustellen: Ich habe ganz klar einen festen, intelligenten Plan, von dem ich zuversichtlich glaube, dass das britische Volk ihn voll unterstützen wird. Ich habe nicht keinen Plan. Ich halte ihn nur geheim.”
 
Bis also die britische Regierung sich endgültig geeinigt oder nicht geeinigt hat, wird die staunende EU wenig amüsiert dieses Spektakel begleiten. Obwohl es eigentlich eine Frechheit ist, im gemeinsamen Haus seinen Mitbewohnern anzupöbeln, dass man mit ihnen nichts mehr zu tun haben will, aber dann keine Anstalten macht, aus dem Haus auszuziehen. Es ist wohl das typische Verhalten pubertierender Jugendlicher, soweit sind sie inzwischen gesunken, die Briten.
 
Informationsquelle
Theresa May appoints Minister for Contradicting Brexit Ministers
UK aims to trigger Brexit process in early 2017, says Boris Johnson