Direkt zum Hauptbereich

Warum das Atomkraftwerk Hinkley Point wider besseres Wissen gebaut wird

Die britische Regierung hat sich entschieden. Sie will, dass das umstrittene Atomkraftwerk Hinkley Point C von EDF und chinesischen Firmen gebaut wird. Fertigstellung im Jahr 2025. Kaum einer glaubt an diesen Termin, denn bei den bisherigen EPR-Reaktoren in Finnland und Frankreich gibt es desaströse Verzögerungen bei der Fertigstellung. Für die Grünen in Großbritannien und vor allem in Schottland ist klar: Hier wir Geld verbrannt für ein Atomkraftwerk, das niemand braucht. Hinzu kommt, dass die bisher geheimgehaltenen Kosten für Aufräumarbeiten in der Wiederaufarbeitungsanlage Sellafield auf 72 Milliarden £ beziffert werden. Viele Zahlen halten diesen Betrag für unrealistisch und rechnen eher mit Kosten von 218 Milliarden £.

Das Nationale Überprüfungsbüro (National Audit Office (NAO)) bezeichnete Hinkley Point als das “teuerste Bauprojekt der Erde” und das am höchsten subventionierte dazu. Die Subventionen würden sich vermutlich letztendlich auf das 5-fache des derzeit geplanten Betrages belaufen. Die Webseite “Bella Caledonia” schreibt: “Hinkley C ist in der Realität obsolet. Mit dem Boom bei den Wind-, Gezeiten-, Wasser- und Solarkraftwerken werden wir es nie brauchen”. Warum also stürzt sich die britische Regierung in dieses Desaster. Hier eine Stimme aus schottischer Sicht von Alistair Davidson, Mitherausgeber von “Bella Caledonia”:

Hinkley Point bedeutet ein ernsthaftes Problem für Schottland. Die Wirtschaftsstrategie der schottischen Regierung setzt darauf, unsere Weltmarktführung in technischen Fähigkeiten von der Ölforderung in Richtung Offshore-Windanlagen zu verlagern. Mit einem Anteil von 1/4 an Europas Windenergiepotential und geplanten Stromtrassen nach Norwegen und vielleicht auch Kanada, würde die erneuerbare Energie eine Goldmine für Schottland bedeuten und uns tatsächlich ökonomisch unabhängig von Britannien machen. Unglücklicherweise für uns ist die Atomenergie die am wenigsten verträgliche Energiequelle, die sich mit Wind verträgt, weil Windkraft nicht immer vorhanden und unvorhersehbar ist, während Atomkraftwerke zum größten Teil ihrer Kapazität an 24 Stunden gefahren werden. Es ist keine Überraschung, dass ein Tory-Finanzminister lieber die Umwelt schädigt und die regionale Wirtschaft, aber eine nukleare Infrastruktur gerade an China und gerade jetzt auszuhändigen? Die Antwort liegt, wie immer, bei der Finanzwirtschaft.

Um im Wettbewerb mit Amerika bestehen zu können, muss China sich rund um den Globus Geld zu niedrigen Zinsen leihen können.  …. China möchte bei der Party dabei sein und die City von London möchten sie gerne dabei haben. Viel wichtiger als Infrastrukturprojekte ist der Verkauf von chinesischen Schulden im Wert von 4,7 Milliarden $ in London – das erste Geschäft dieser Art für die Chinesen. Die Financial Times erklärt es so: “Da sich die Internationalisierung des Renmimbi beschleunigt, haben das UK und China Beschlüsse gefasst, ihre Finanzmärkte zu verbinden und dabei geplant die Börsen von London und Shanghai miteinander zu verbinden.”
Wieder einmal wurde die Zukunft Britanniens verscherbelt, um weiterhin den Geldfluss in das Londoner Banken-Bonzen-System zu garantieren.
In dieser Woche hat MeyGen das weltweit größte Gezeitenkraftwerk-Projekt eröffnet. Nicola Sturgeon sagte dezu vor ihrem Besuch des Nigg Energy Parks am Montag, um dabei zu sein, wenn die erste Turbine unter dem Wasser des Pentland Firth in Betrieb gesetzt wird: Es gibt keine Zweifel, dass die Augen der Welt auf dieses Projekt gerichtet sein werden”.
Leider sind die Augen der Welt jetzt ungläubig auf die Regierung May gerichtert, die gegen unsere nationalen Interessen handelt und ein umweltbelastenden Alptraum für die Zukunft schafft.

Frankreichs Atomindustrie und seine Unterstützer in der Regierung jubeln auf jeden Fall und träumen zusammen mit der britischen Regierung und einschlägigen Finanzkreisen von einer Renaissance der Atomindustrie. Wird es noch ein böses Erwachen geben?

Siehe auch
Den Briten laufen die Kosten für die Atommüllbeseitigung davon
Hinkley Point: Britische Energiepolitik im Blindflug

Informationsquelle
Hinkley, oh my god Hinkley

Beliebte Beiträge

Es reicht!

Vor kurzem wurde in Sao Paulo Ricardo Silva Nascimento, ein Müllsammler, schwarzer Hautfarbe, kaltblütig durch die Militärpolizei erschossen, mit einem Schuss in den Körper und zwei in den Kopf, nur weil er es wagte in einem Restaurant in einem Stadtviertel der Mittelklasse nach Essen zu betteln. Diesselbe Polizei, die ihn tötete, manipulierte vor aller Öffentlichkeit die Beweise am Tatort, transportierte illegalerweise den Körper ab und löschte auf den Mobiltelefonen von denen, die die Tat filmten, den Beweis des Verbrechens.

Bewohner des Viertels sollen dabei der Militärpolizei zugejubelt haben.

In Brasilien erlebt man zur Zeit einen Rückfall in die alte Tradition der Sklavengesellschaft und der Unterdrückung einer Bevölkerung, die ausgebeutet wird und in tiefer Armut lebt. In der Zeit der Präsidentschaft von Lula da Silva gab es eine Politik für die Armen, ein Programm, das sich "Zero fome" (Kein Hunger) nannte und mit dem man den beschämenden Zustand eines reichen Lande…

Wenn in Spanien ein Ministerpräsident vor Gericht erscheinen muss

Mariano Rajoy, derzeitiger Ministerpräsident Spaniens, musste jetzt im Korruptionsskandal "Gürtel" vor Gericht als Zeuge aussagen. Die Vorwürfe gegen ihn sind umfangreich, aber bisher ist es ihm immer wieder gelungen, den naiven Unschuldigungen zu geben. Seltsam, was alles ohne sein Wissen bei der illegalen Finanzierung seiner Partei, der Partido Popular (PP) so gelaufen ist.

Es war also Zeit, dass er endlich vor einem ernsthaft arbeitenden Gericht mit den harten Fakten konfrontiert wird. Vor der "Audiencia Nacional" (vergleichbar etwa unserem Bundesgerichtshof) genoss er allerdings eine Sonderbehandlung. Der Journalist Ignacio Escolar beschreibt wie das bei Rajoy abgelaufen ist:

Die Zeugen, die vor der Audiencia Nacional aussagen, sitzen normalerweise auf einem Stuhl gegenüber den Richtern und antworten ohne den Beistand von Rechtsanwälten und sind zur Wahrheit verpflichtet. Rajoy war aber kein Zeuge wie sonst. Er sass an einem privilegierten Platz, rechts von der …

Erdogans willige rumänische Helfer

Nalan Oral ist eine türkische Menschenrechtsaktivistin. Sie ist in Belgien seit 2012 als politischer Flüchtling anerkannt. Anfang Juli wollte sie zusammen mit ihrer Familie  über Rumänien nach Bulgarien reisen, um dort Urlaub zu machen. An der rumänisch-ungarischen Grenze wurde sie am 8. Juli auf Grund eines  internationalen Haftbefehls von Interpol festgenommen und ins Gefängnis gesteckt, um sie dann später an die Türkei ausliefern zu können.

Nalan Oral hatte bereits 3 Jahre in der Türkei im Gefängnis gesessen. Ihr wurde Unterstützung des Terrorismus vorgeworfen. Sie ist kurdischer Herkunft und wurde zudem wegen Unterstützung der PKK angeklagt. Sie selbst erklärt, dass sie das Opfer einer Inszenierung war. Während sie im Gefängnis sass, behaupteten die türkischen Behörden in ihrem Haus Waffen gefunden zu haben. Deshalb wurde sie in der Türkei zu weiteren 30 Jahren Gefängnis verurteilt.

Das Berufungsgericht in Timişoara hat jetzt entschieden, dass Nalan Oral aus der Haft entlassen we…

Die Probleme einer jungen Katalanin mit der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien

Katalonien strebt ein Unabhängigkeitsreferendum im Herbst dieses Jahres an. Die Zentralregierung schwört, dass sie alles tun werde, um das Referendum zu verhindern. Den veranstaltenden katalanischen Politikern wird mit dem Verfassungsgericht und strafrechtlichen Konsequenzen gedroht. Die Stimmung zwischen den Befürwortern und Gegnern ist aufgeheizt. Dazwischen gibt es aber auch Personen, die sich nicht so richtig entscheiden können. Unter anderem auch eine junge Katalanin, deren Ausführungen ich hier gekürzt wiedergeben möchte:

Ich bin in Katalonien geboren, aufgewachsen und lebe hier. Wie viele andere Menschen ist mein Vater Katalane, aber meine Mutter kommt nicht aus Katalonien, sondern aus Andalusien. Es ist eine altbekannte Tatsache, dass in den 60er-Jahren viele Murcianer, Andalusier und Menschen aus der Extremadura auf der Suche nach Arbeit nach Katalonien gekommen sind. Denn diese prosperierende Region war auch immer eine gastfreundliche Region, die vielen Menschen die Möglichk…

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

So soll Großbritannien vom Joch der EU-Gesetzgebung befreit werden

Die britische Premierministerin Theresa legte vor kurzem dem Parlament das "Great Repeal Bill"  zur Abstimmung vor. Dabei handelt es sich um ein Gesetz, mit dem das EU-Recht im Vereinigten Königreich für ungültig erklärt werden soll. Offiziell nennt sich das Gesetz "European Union (Withdrawal) Bill", also EU-Rücknahme-Gesetz.


Mit dem Gesetz sollen die rechtlichten Wirkungen des Vertrages von 1972 über den Beitritt des UK zu EU aufgehoben werden. Damit würde wieder nur das Recht des Vereinigten Königreichs gelten und die Rechtssprechungsbefugnis des Europäischen Gerichtshofs für Großbritannien beendet. Dazu soll die bisherige in EU-Gesetzgebung in nationales Recht überführt werden, so dass am Tag des erfolgten Austritts aus der EU kein Chaos entsteht.

Alle EU-Regeln sollen in nationales Recht übernommen werden. Anschließend kann das Parlament diese Regeln "ändern, ergänzen oder verbessern". Damit soll die Geschäftswelt und Bürger und Bürgerinnen beruhigt …