Dienstag, 23. Februar 2016

Irland und der Brexit: Die EU hat den Frieden auf die Insel gebracht

“Einmal mehr schauen wir, in der Republik von Irland, über den Zaun zu unseren Nachbarn im Vereinigten Königreich. 2014 gab es die Möglichkeit, dass das Vereinigte Königreich (UK) und Schottland sich trennen. Jetzt geht es darum, dass das britische Volk entscheidet, ob oder nicht sein Gemeinwesen in der Europäischen Union bleibt. Wir in Irland müssen machtlos zusehen, wie das Referendum ausgehen wird. Brexit könnte wieder echte Grenzen nach Irland zurück bringen”, schreibt der Journalist Phil Mac Giolla Bhain auf der Webseite “Bella Caledonia”. Seine höchst interessanten Ausführungen zu den Folgen eines Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union für Irland gebe ich nachstehend in Auszügen wieder.

Ich habe die letzten 20 Jahre in Donegal gelebt und ich kann versichern, dass die Reise ins angrenzende Vereinigte Königreich immer einfacher wurde. Die Grenze ist so gut wie verschwunden. Es gab einmal einen Zeitpunkt, an dem das UK dem Euro beitreten wollte, aber Gordon Brown verhinderte das. Trotzdem sie weiterhin beim Pfund blieben, entwickelten sich Städte wie Derry zu Zonen mit doppelter Währung. Dies war besonders fühlbar, wenn der Euro stark war.
Diejenigen, die für einen Austritt des UK plädieren, werden als die “Klein-England-UKIP-Wähler” bezeichnet. Eine kürzliche Umfrage in Nordirland ergab, dass 75% für den Verbleib in der EU wären. Aber die Situation in Nordirland wird angesichts der demographischen Lage wenig Einfluss haben. Das ist leider der Preis der Union zwischen den Ländern des UK.

Die Aussicht, dass Britannien erneut die Weltbühne als unabhängige und stolze Nation betritt, ist verlockend für viele in der Gemeinschaft der PUL, der protestantischen und unionistischen Loyalisten. Sie sind durchaus für den Austritt. Das Gefühl etwas besonderes zu sein, das der britische Imperialismus vermittelte, wurde gedämpft durch den Beitritt zur Europäischen Union. Für diejenigen, die loyal zu ihrem von London geführten Staat stehen, war die Abgabe von Souveränitätsrechten schwer zu ertragen.

Hier in Irland gibt es Frieden und Stabilität, vor allem weil beide Rechtsgebiete in der EU sind. Nachdem das Good-Friday-Abkommen (Karfreitagsabkommen) von den Menschen auf dieser Insel in gleichzeitigen Referenden angenommen worden war, trat die EU auf den Plan und zahlte dafür. Das “Friedensgeld” war eine Art Marschall Plan, um die sozio-ökonomischen Folgen des Nordirland-Konflikts zu lösen. Während die Brexit-Befürworter über die Subventionen jammern, die vom britischen Finanzministerium an Brüssel gezahlt wurden, kann man dergleichen für Nordirland nicht behaupten. Das EU-Geld finanzierte viele Gemeinschaftsprojekte innerhalb der 6 Counties und der gesamten Grenzregion. Wenn es irgendwann einmal in diesem Jahrhundert zu einer irischen Wiedervereinigung kommt, dann wäre die Rolle von Brüssel und Straßburg entscheidend gewesen.

So schauen wir halt wieder einmal über die Hecke zu unseren Nachbarn und warten auf ihre Entscheidung. Natürlich haben wir dabei nichts zu sagen, aber es wird uns betreffen, wenn das UK die Tür zuschlägt und das Europäische Projekt verlässt.
Wir wünschen den Menschen im Vereinigten Königreich deshalb viel Glück bei ihrer Entscheidung.

Informationsquelle
The Brexit Consequences for Ireland