Mittwoch, 3. Februar 2016

Der Generalkonsul mit Nazi-Vergangenheit, dessen Sohn mit internationalem Haftbefehl gesucht wird

Hans Hoffmann, mit Spitznamen “Juanito” oder “Don Juan”, war Generalkonsul in Málaga. Kein echter Berufskonsul, sondern ehrenhalber. Nicht nur Honorarkonsul, sondern Honorargeneralkonsul, wobei er gegen schwere Bedenken des Auswärtigen Amtes darauf bestand nur “Generalkonsul” genannt zu werden. Ganz früher war er zur Nazizeit an der deutschen Botschaft in Madrid tätig. Er kannte sich bestens im Land des Diktators Franco aus und war mit einigen Größen des Francoregimes befreundet. Spanische Medien haben inzwischen herausgefunden, dass Hoffmann an der Botschaft als Gestapo-Agent tätig war. Er soll auch bei Treffen zwischen Hitler und Franco gedolmetscht haben.Er ist 1998 gestorben.

Nach dem Krieg zog er an die Costa del Sol, wo er deutschen Nazis als Fluchthelfer gedient haben soll. In den 50er Jahren machte er die Bekanntschaft von Franz-Josef Strauß, der in Deutschland eine steile Politikerkarriere hinlegte. Strauß sorgte dafür, dass Hofmann sogenannter Wahlkonsul in Algeciras wurde und anschließend den Posten des Generalkonsuls in Málaga bekam. Da Strauß seine schützende Hand über ihn hielt, galt er im Auswärtigen Amt als unantastbar, auch die Vertreter der Botschaft Madrid kuschten vor ihm.  Zu der Zeit galt Hofmann schon als der “König von Marbella”, der die Fäden in die korrupte Kommunalpolitik und auch zum Jetset von Marbella, zu dem so sinistre Typen wie der Waffenhändler Khashoggi gehörte, spann. Er sorgte 1967 für die Neugründung der Deutsche Schule in der Provinz Málaga, die weitab der Stadt Málaga in Marbella steht. Die Schule schreibt dazu: “1967 erfolgte die Neugründung durch die Initiative des damaligen deutschen Generalkonsuls Juan Hoffmann, der bis zu seinem Tod 1998 die Schule als Schulvereinspräsident und großzügiger Förderer aus kleinen Anfängen bis zur offiziellen Deutschen Auslandsschule weiterentwickelt hat.” Die Schule trägt heute noch den Namen “Colegio Alemán Juan Hoffmann”. Die innige Verbindung mit der CSU des Franz-Josef Strauß wurde dadurch deutlich, dass bis 1997 die Hans-Seidel-Stiftung der CSU eine Dependance neben der Schule hatte.

Der undurchsichtige Juan Hoffmann hatte also ein undurchsichtiges Beziehungsgeflecht in Marbella geschaffen und profitierte von der Grundstücksspekulation und grassierenden Korruption an diesem Küstenstreifen. Inzwischen sind die Korruptionsnetzwerke teilweise aufgedeckt und viele Hintermänner oder –frauen wurde der Prozess gemacht und sitzen im Gefängnis. Dort sollte eigentlich auch Juan German Hoffmann sitzen, der Sohn des Hans “Juan” Hoffmann, Rechtsanwalt von Beruf. Hoffmann jr. wurde rechtskräftig zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Das Gericht bezeichnete ihn als die Schlüsselperson eines internationalen Finanzgeflechts zur Plünderung Marbella’s, indem er verschiedene Scheingesellschaften in den Steuerparadiesen Schweiz, Liechtenstein, Gibraltar und Singapur zum Verstecken des ergaunerten Geldes einrichtete. Der Haupttäter war dabei der Immobilienspekulant Juan Antonio Roca.

Am 1. Februar sollte Hoffmann jr. eigentlich sich selbst in das Gefängnis einliefern. Gemäß dem Richterspruch durfte er sich das Gefängnis sogar selbst aussuchen. Seine Freunde berichteten, dass er sich das Gefängnis von Ibiza, in dem es nur 52 Zellen gibt, ausgesucht habe. Dies vor allem deshalb, weil er dort seinen Wohnsitz habe. Aber leider ist er im Gefängnis in Ibiza nicht aufgetaucht. Das Gericht hat jetzt einen internationalen Haftbefehl erlassen.

Inzwischen ist die Auslandsvertretung in Málaga ein Berufskonsulat. Seine zwielichtige Vergangenheit ist Geschichte und in Spanien brechen endlich neue Zeiten an, in der der unverfrorene Korruption jetziger und einstiger Gesellschafts- und Staatsrepräsentanten die Daumenschrauben angelegt werden.

Informationsquelle
De hijo de nazi de la Gestapo a corrupto huido de la justicia
Un presunto nazi es el cónsul general de Alemania en Málaga desde 1974
SPANIEN / GARDEMANN Gast bei Juanito