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Der Sauhaufen von Valencia: So funktionieren Spaniens Korrupte

Das sollten wir uns mal von einem Spanier erklären lassen, denn zur Zeit gibt es da ein heilloses Durcheinander. Spaniens Korrupte stellen sich als bewährte Vertreter der spanischen Politik und der Gesellschaft dar. Sogar der König – zumindest der Ex – und seine Familie haben da mitgemischt. Eine ehrenwerte Gesellschaft, der dazu noch das Unrechtsbewusstsein fehlt. Der schlimmste Ausbund an Korruption erlebt allerdings die autonome Region und Stadt Valencia. Der Damm, mit dem bisher die Ex-Regierungspartei PP mit Tricks und rechtlichen Finessen verhindern wollte, dass die volle Wahrheit ans Licht kam, ist gebrochen. Die Polizei verhaftet Ende Januar einen Ex-Würdenträger nach dem andern, nur der große Fisch, die Ex-Bürgermeisterin von Valencia, Rita Barberá, an die kam man bisher nicht heran, weil sie im spanischen Senat sitzt und Immunität genießt.
David Trueba, Journalist, Schriftsteller und Filmregisseur hat in der Zeitung “El Pais” hat versucht, den Typ des korrupten Spaniers zu beschreiben. Hier seine Schilderung:

Die Charakterisierung der Korruption im spanischen Roman hat immer an einer fehlerhaften Einschätzung des Problems gelitten. Die Korrupten wurden als fürchterliche, dunkle und verbitterte Personen geschildert. Man war blind und nur sehr wenige wollten erkennen, dass unsere Korrupten keine schlappen Typen waren, dass sich unter ihrer kriminellen Energie kein Schuldgefühl versteckt und auch nicht der geringste Schatten eines Zweifels. Diese Erwartung einer ihnen innewohnenden Moral ist es, dass man sie nicht richtig beschreibt, sondern verfälscht. Deshalb ist es so faszinierend einen Moment inne zu halten, um die verstörende Natur zum Beispiel eines Alfonso Rus, eines der vermutlichen Köpfe des 111-ten Zweigs der levantinischen Korruption, einzuschätzen. Das macht Lust, die Druckerpresse einmal anzuhalten, die Schulen für Interpretation neu zu starten, die Kurse im kreativen Schreiben unter neuen Aspekten zu beginnen und allen zu sagen, schaut hierher, kopiert das von hier.

Die spanischen Korrupten sind witzig, von überschäumender Lebensfreude und Farbe. Es mag sein, dass sie flegelhaft sind, aber sie werfen das Stöckchen und wir rennen alle hinterher wie der servilste Hund. Der spanische Korrupte macht sich bei der Gesellschaft in der Provinz beliebt, weil er einem Neffen zu essen gibt, weil er einem Kind eine Stelle verschafft, er lässt die Heizung in deinem Haus reparieren und subventioniert deine Fußballmannschaft. Der spanische Korrupte kennt Al Pacino nicht, im Gegenteil er singt in den Karaokes mit, hebt das Glas Champagner und er diniert mit dem Ministerpräsidenten und dem Präsidenten der Provinz. Es gibt da nichts dunkles oder einen bitteren Geschmack, sondern allein die Überzeugung, dass irgendeiner es tun muss, dass irgendwer abräumen muss, dass das öffentliche Geld auf sie wartet, weil sie wissen wie man es verteilen muss und dabei noch etwas übrig bleibt, womit sie ihr Schwimmbad finanzieren, Juwelen an die Verwandten hängen und ihre Tochter an einen Ort schicken, wo sie Sprachen lernen kann. Das Fest in Valencia war so obszön und mit solchem Getöse verbunden, dass es schlussendlich auf den Polizeidienststellen und den Gerichten geendet ist. Das ist der Ort, wo solche Feste eigentlich grundsätzlich enden sollten. Aber wir sollten die Lektion, die uns unsere Korrupten gegeben haben, lernen und nicht mehr in Versuchung geraten, sie als unwichtig zu beschreiben.

Die Präsidentin der Partido Popular (PP) von Valencia, Isabel Bonig, blieb nichts anderes übrig als jetzt zu erklären, dass in Kürze der Parteivorstand einberufen werde, um von der Zentrale in Madrid formal die Organisation eines Sonderparteitages zu verlangen, bei dem der Wiederaufbau der regionalen Parteiorganisation beschlossen und ein Schlussstrich unter die Korruptionsskandale, die die Partei in den letzten Jahren erschüttert hätten, gezogen werde. Bis dahin werde der Parteivorstand einen vorübergehenden Verwalter für die Partei berufen, da gegen fast alle bisherigen Funktionäre der Partei wegen Geldwäsche ermittelt werde. Und Ex-OB Barberá? Dazu meinte Frau Bonig, dass die derzeitige Senatorin mit denselben Maßnahmen wie jedes Parteimitglied, gegen das von Seiten der Justiz ermittelt werde, rechnen müsse. Die Situation von Barberá hänge aber von einer Entscheidung des nationalen Komitees für Rechte und Garantien der Partei ab.

Siehe auch
Bürgermeisterin von Valencia im Sumpf der Luxusgeschenke
Calatrava, nach Abkassieren in seiner Heimat steuerflüchtender Stararchitekt

Informationsquelle
Lección El corrupto español seduce a la sociedad provinciana porque da de comer a un sobrino, coloca a un hijo y te subvenciona el equipo de fútbol.

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