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Frankreich erfindet den Zahnarzt–Aldi

Die Großzügigkeit der französischen Krankenkassen bei Erstattung von Zahnarztkosten hält sich in Grenzen. In der Regel können Versicherte mit etwa 70% erstatteter Kosten rechnen, d.h. 30% muss selbst getragen werden. Die Zahnärzte sind jedoch oft mit den Tarif-Honoraren nicht zufrieden. Sie verlangen Aufschläge, die ebenfalls an den Versicherten hängen bleiben. Gerade dieser Aufschlag scheint in letzter Zeit bei den Zahnärzten in Frankreich sehr beliebt geworden zu sein. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit steigt und auch viele Franzosen mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen, verursacht der Gang zum Zahnarzt wegen Zahnschmerzen den Betroffenen zusätzlich noch Bauchschmerzen wegen der finanziellen Belastung.

Frankreich hat zwar den Lebensmittel-Discounter nicht erfunden, darin sind die Deutschen wohl Weltmeister, aber in anderen Bereichen haben die Franzosen durchaus den Ehrgeiz zur durchgreifenden Rationalisierung, um die Preise zu senken. Besonders offensichtlich ist das im Hotel-Bereich, wo es in Frankreich inzwischen ja teilweise schon das personallose Hotel gibt. Den Schlüssel spukt ein Automat aus. Nicht einmal zum Frühstück erscheint ein menschlicher Dienstleister, Automaten brummen und irgendeine Zauberhand hat Baguette, Butter und Marmelade zum Frühstück hingestellt. Dabei schießen die französischen Rationalisierer und Gewinnmaximierer aber oft über das Ziel hinaus, gewisse “Plastik-Hotels” sind zwar billig, aber man verlässt sie gerne fluchtartig nach einmaliger Benutzung.

Da könnte man doch auch etwas bei der Zahnarztversorgung machen, meinen die Rationalisierer und rechnen vor: Eine Füllung durch ein Implantat zu ersetzten kostet 1.160 Euro, das kann man preiswerter machen. Die Billig-Zahnklinik (centre dentaire low-cost) Dentifree, neu eingerichtet in der Stadt Lille, sagt, das machen wir 40% billiger. Damit würden es Versicherten ermöglicht vom Zahnarzt behandelt zu werden, ohne drauf zu zahlen. Der Geschäftsführer des neuen Zahnzentrums erklärt, dass man mit den modernsten Geräten arbeiten, die eine schnelle und genaue Diagnose ermöglichten. Dieser Zeitgewinn entlaste den Zahnarzt von unnötigen, nicht so wichtigen Arbeiten. Er könne sofort zur Tat schreiben. Und so wird das in der Klinik ablaufen: Weiße Wände, Parkett, ein/e Zahnarzthelfer/in, aber keine Sekretärin. Die Anmeldung erfolgt per Telefon. Das erste Gespräche findet in einem nur mit dem nötigsten ausgestatteten Büro statt, dann geht es sofort ab zum Röntgen. 2 bis 3 angestellte Zahnärzte behandeln die Patienten auf 160 qm Fläche mit Behandlungsräumen und chirurgischer Abteilung. Alles laufe nach den entsprechenden Vorschriften der Gesundheitsgesetzgebung ab, auf absolute Hygiene werde Wert gelegt.

Eine Patientin erzählt stellvertretend ihre Erfahrungen: “Ich war verzweifelt, nachdem ich von meinen Zahnarzt einen Kostenvoranschlag erhalten hatte. Ich wollte diese Billig-Klinik testen, aber ich traute ihnen nicht recht, weil ich ich nicht betrogen werden wollte. Ich habe mich deshalb darüber informiert. Die haben tatsächlich professionelle Zahnärzte und machen einen seriösen Eindruck”. Der Kostenvoranschlag der Billig-Klinik für diese Patientin liegt um 2.000 € unter dem ihres bisherigen Zahnarztes.

Die bisher sich in einer beruhigenden Position wähnenden Zahnärzte sind nach natürlich alles andere als erfreut über die neue Konkurrenz und tun alles um diese madig zu machen; “Diese Billig-Kliniken haben nur finanzielle Interessen. Das sind Händler, wir sind Ärzte. Falls sie nur Zahnrprothesen machen, haben wir nichts dagegen”, erklärt der Präsident der Zahnärztekammer des Département Nord.

Man sagt so schön, dass “Konkurrenz das Geschäft belebt”. Vielleicht ist der Vorstoss in Frankreich durchaus eine gute Idee, um den Monopolisten in den Zahnarztpraxen frische Luft um die Nase zu blasen.

Informationsquelle
Dans le Nord, Dentifree inaugure un centre dentaire low-cost – Le Monde

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