Samstag, 22. Juni 2013

Was ist los mit den Brasilianern?

Ungläubig schüttelt die Welt den Kopf und fragt sich, was ist mit den Brasilianern los? Hörte man in letzter Zeit nur gute Nachrichten vor allem aus dem Wirtschaftsbereich, so sind nun unsere Medien doch recht erschüttert, dass das Bild der kommenden Welt-Wirtschaftsmacht doch so seine Schrammen hat. Ein positives Zeichen gibt es auf jeden Fall: Das brasilianische Volk ist mündiger und selbstbewusster gegenüber seinen Herrschenden geworden. Es nimmt nicht mehr alles in Demut hin, was ihm aus Brasilia und den Führern ihrer Bundesstaaten gegeben wird.

Ich habe mir das neue Brasilien von Blogger “Fábio Mayer” erklären lassen. Unter dem Titel “Niemand bleibt mehr gelassen” setzt er sich mit den Ereignissen auseinander und kommt zu folgenden Ergebnissen:

"Die Politiker haben nicht viel aus der totalen Bestechlichkeit der Collor-Zeit gelernt. Die Regierungen waren es gewöhnt ohne zu fragen, für nutzlose Programme Geld zu verschwenden und sie hatten eine wirtschaftliche Situation, die etwas wirtschaftliches Wachstum erlaubte. Daraus schloss man, dass der brasilianische Staat reich sei und eine “Großmacht”. Die Folge war, dass eine Menge neuer Ministerien geschaffen wurde und viele öffentliche Stellen wurden ohne Ausschreibung vergeben, es herrschte viel Arroganz und viel Verschwendung. Es entstand das allgemeine Gefühl, dass die politische Klasse nicht angetastet werden kann. Wegen Korruption abgesetzte Abgeordnete wurden kurze Zeit darauf Bürgermeister, wegen Korruption verurteilte Abgeordnete waren weiterhin wählbar, ein Abgeordneter, der 2 Jugendliche mit seinem Fahrzeug mit 190 km/h überfuhr, kam nicht einmal vor Gericht und er brauchte dafür nicht zu zahlen, weil er einfach die Verjährungsfristen abwartete, Abgeordnete und Politiker, die in einem klaren Fall von Abzweigung öffentlicher Gelder durch den Obersten Gerichtshof verurteilt wurden, gingen einfach nicht ins Gefängnis und einige kehrten im Triumpf in das Abgeordneten hause zurück.

Kurzum, für diese Politiker war alles möglich. Öffentliches Geld war plötzlich für alles zu haben und die Politiker akzeptierten plötzlich die Umkehrung aller nationalen Prioritäten, indem sie sich für die Organisation der Weltmeisterschaft und der Olympischen Spiele entschieden, egal zu welchen Kosten, noch im Hinblick darauf, ob das Geld gut ausgegeben wird. Und das egal, ob der größte Teil des Volkes weiter in Favelas wohnt, ohne Abwasserkanalisation, ohne ein umfassendes Erziehungswesen, ohne ein Gesundheitssystem, das wenigstens ein bisschen effizient wäre. Ein Land, das unter der unfähigsten Bürokratie des Planeten leidet, ohne Altersversorgung, wo man grundlos die umfangreichsten Steuern der Welt bezahlt, die man mit der Begründung der Inflationsbekämpfung so hoch gebracht hat und nachdem man diese endlich kontrolliert hatte, gingen sie von neuem hoch.

Ich war einer derjenigen, die enttäuscht waren von der Lethargie des brasilianischen Volkes, das alles mit gesenktem Kopf akzeptiert gegen den Tausch mit Almosen der Familien-Beihilfe, die nichts anderes wie ein prekäres Gegengeschäft zu den extrem hohen Steuern ist. Ich dachte, dass wir zu einer Situation ohne Rückkehr gelangen, in dem das lethargische Hinnehmen zu unserer nationalen DNA wird. Wie gut, dass ich mich geirrt habe, die Brasilianer haben gezeigt, dass sie nicht mehr stille Dulder sind, sie haben den Deich gebrochen! Und jetzt, wo der Deich gebrochen ist, weiß niemand wohin das Wasser fließen wird…..”

Informationsquelle
NINGUÉM TEM SANGUE DE BARATA – Fábio Mayer