Montag, 17. Juni 2013

Still schaukelt das Meer die Fäkalien an die Sonnenküste

Die Costa del Sol ist ein imponierenden Landstrich mit vielen landschaftlichen Schönheiten. Wenn etwas schön ist, dann muss es auch verkauft werden. Nach diesem Motto machen sich Immobilienspekulanten und Bauwirtschaft in Spanien schon seit Jahren gut mit Geldgeschenken versorgte Politiker zur willfährigen Vollzugsbeamten ihres Natur- und Umwelt zerstörenden Treibens. Man investiert in hunderte von Siedlungen für betuchte und weniger betuchte Ausländer, pflastert die Strände bis kurz vor das Ufer zu und vermietet auch noch den letzten Quadratmeter Strand für Kneipen und sonstigen Kommerz.

Im diametralen Gegensatz dazu stehen die Investitionen in die öffentlich Struktur. So hat die Stadt Nerja noch keine Kläranlage, die umliegenden Siedlungen (ubanizaciones), die zur Sommerzeit wieder stark belegt sind – es sind fast nur Ferienhäuser, die Grund und Boden schlucken –, lassen ebenfalls ihre Abwässer ungeklärt ins Wasser. Die Kläranlagen von Marbella und Estepona sind zu klein dimensioniert und nicht in der Lage im Sommer alle Abwässer zu klären. Diese sogenannten Nobelorte sind der lebende Beweis dafür, dass es viel falsche Fassade gibt und versucht wird, den Dreck unter den Teppich zu kehren. Die Umweltschutzgruppe Ecologistas en Acción (EA) schreibt dazu: “Für eine Provinz (Málaga), für die der wirtschaftliche Motor der Sonnen- und Strand-Tourismus ist und dessen guter Ruf in der Küste und seiner natürliche Umgebung besteht, muss die Beseitigung ins Mittelmeer mündenden Abwässer und ihre Klärung absolute Priorität besitzen, nicht nur um die Europäischen Richtlinien zu erfüllen, sondern weil der Tourismus in dieser Region nur auf diese Weise überleben kann. …..Hier darf es keinen Verzug geben, wenn man bis 2015 die Vorgaben erfüllen will…Gegen Spanien laufen bereits 2 Verfahren vor den EU-Gremien wegen Nicht-Erfüllung der Auflagen zur Abwasserklärung.”

Es ist immer noch erstaunlich wie besinnungslose Geldgier, die nur an kurzfristigen Profiten interessiert ist, die spanischen Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft beherrscht. Die derzeitige Regierung scheint überhaupt nichts kapiert zu haben, denn mit dem neuen Gesetz zum Schutz der Küste gibt sie diese einen Schritt weiter der Zerstörung preis. Siedlungen für Ferienwohnung gibt es schon zu Hauf, sie verschandeln Berge und Küsten und jetzt dürfen sie noch an Orten gebaut werden, die bisher verboten waren. Golfplätze zur Verschwendung des kostbaren Wassers werden gebaut, um auch noch den letzten Ölscheich an die Costa del Sol zu holen.

Die spanischen Umweltschützer sind erbost über diese Zerstörung ihres Landes. Um die Menschen wach zu rütteln, haben sie das Symbol schwarzer Flaggen und schwarzer Punkte für Andalusiens Küste kreiert. Die Provinz Málaga ist allein mit 26 schwarzen Flaggen und 50 schwarzen Punkten ausgezeichnet worden. Der 3 km lange Stadtstrand von Málaga zum Beispiel: Er wird vor allem von Einheimischen benutzt, der Sand ist von miserabler Qualität, da er künstlich aufgeschüttet wurde und einen hohen Anteil an Staub enthält, er wurde vor kurzem mit Strandkneipen zugestellt, die jede Ästhetik des Strandes zerstören. Die Kneipen wurden mit europäischen Mitteln und Genehmigung der lokalen Behörden gebaut. Ein anderes Beispiel:  “La Rada” in Estepona. Strandkneipen im öffentlichen Bereich und ungeklärtes Abwasser an der Mündung des Trockenflusses (arroyo) von La Cala. Der Trockenfluss Calancha führt ungeklärte Abwässer bis ins Zentrum von Estepona. Künstliche Aufschüttung der Strände und Überfischung.

Die Liste der Umweltsünden ist lang. Wie lange wird die Geduld der Touristen und der Natur noch mitspielen? Man rechnet mit Erhöhung des Meeresspiegels im Mittelmeer in den nächsten Jahrzehnten um einen halben Meter. Wird das Meer dann den Menschen zeigen, wie schlecht es ist nicht auf die Natur zu hören?

Siehe auch:
Málaga bald Wüstenstadt?

Informationsquelle
Banderas Negras Andalucía 2013 – Ecologistas en Acción