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Wir hassen die Europäische Union und wünschen ihr einen baldigen Tod

Mr. Farage, Abgeordneter des Europaparlaments für die britische United Kingdom Independence Party (UKIP), hat dem schweizerischen Boulevard-Blatt “Blick” ein Interview gegeben, das gestern veröffentlicht wurde. In seiner grenzenlosen Arroganz beschreibt er die EU als totgeweihtes Gebilde, das vor allem dank seines Einsatzes in Kürze kollabieren werde. Die Schweizer belehrt er, dass Britannien ja das Commonwealth habe und damit ganz gut ohne Europa auskommen werde. Farage pendelt irgendwo zwischen Clown und dümmlichem Lautsprecher, dessen Argumentation schwerlich als diskussionswürdig betrachtet werden kann.

Dies gilt mitnichten für eine Gruppierung von Schweizern, die sich den absoluten Hass auf die EU auf die Fahne geschrieben haben. So lauschen sie mit großem Augen dem lauten Zauberer aus der Fantasie-Welt des großen britischen Reiches, in der Britannia noch die Welt regierte und seinen Worten, die da sind:
"Wegen der EU fangen die Europäer jetzt wieder an, sich zu hassen. Die Bosse in Brüssel hassen die Schweiz. Sie wollen die Schweiz «zum Verschwinden» bringen. Der EU stehen zehn Jahre der Misere bevor. Sie wird ums Überleben kämpfen. Hart mit der Schweiz zu sein, hat da keine Priorität mehr.  Die Luft ist hier (Schweiz) sauberer – weil das Land nicht in der EU ist. Wir Briten reden darüber, ob es die EU wirklich braucht. Bald folgen andere Länder. Ohne unsere Partei wäre all das nie passiert. Wir sprachen das Unaussprechliche aus. Für die EU bin ich ein Albtraum, eine Plage von biblischem Ausmass! Wenn GB austritt dann zerfällt die EU. Was ausgesprochen aufregend ist für mich. Genau das fürchten die Deutschen. Merkel weiss: Gehen die Briten, geht ganz Skandinavien. Und sie weiss, dass sie Griechenland um jeden Preis im Euro halten muss. Treten die Griechen aus, folgen bald schon Spanien, Italien und Portugal. Wir haben etwas viel Besseres: das Britische Commonwealth. Das Commonwealth entwickelt sich prächtig, ist ziemlich sexy. Mit zwei Milliarden Menschen, die alle Englisch reden und ähnliche Rechts- und Buchhaltungssysteme haben. Europa soll die politische EU verlassen. Es ist ein schlechtes Projekt. Freibleiben soll nur der Handel."

Soweit so gut, wenn es jetzt nicht eine Fan-Gemeinde der EU-Hasser in der Schweiz gäbe, die seit Jahren das Klima der europapolitischen Debatten in der Schweiz vergiftet. Für diese sind auch die dümmsten Sprüche eines durchgedrehten Engländers für einen Jubel gut, Hauptsache es geht gegen das Objekt ihres Hasses, die Europäische Union. Deshalb sind die vielen Kommentare zu diesem Interview interessant. Sie sind weit überwiegend gegen die EU gerichtet und verbreiten eine Progromstimmung gegen Andersdenkende. Gegenseitig hetzt man sich auf und auf einen geifernden Kommentar wird meist ein noch geifernderer gesetzt.

Vreni M. ist eine der wenigen, die Mut zeigt und den Meinungsterroristen ihre Meinung entgegenhält: “Immer das gleiche zurückgebliebene Geschwafel seit mehr als 50 Jahren. Trotz aller Voraussagen wird die EU uns alle überleben, denn sie entwickelt sich prächtig. Wenn einzelne Staaten ihre Finanzen nicht im Griff haben, dann hat das mit der EU nichts zu tun sondern mit der Innenpolitik. Natürlich kann man gegen etwas sein, das gehört zur Meinungsfreiheit, aber deswegen etwas schlechter zu machen als es ist, ist einfach nur Charakterschwach.” Eine solche Meinung treibt den Hyänen den Schaum auf die Lippen: “Das einzig zurückgebliebene Geschwafel sind ihre Aussagen.” oder “Frau M.!Hatten Sie einen Traum,dass Sie so zurückgeblieben Schwafeln,oder,ertragen Sie keine nackten Tatsachen,weil Sie ein Gutmensch sind?”. “Gutmensch” ist ja auch so ein Reizwort für diese Gattung Menschen.  Es geht aber weiter: “ach Frau M.... ihre rosarote Brille dürften Sie gerne durch ein zeitgemässes Modell ersetzen! Ihre linken, verschlafenen Meinungen sind bereits schon Kult....” Und dann die alte Nazi-Methode: Kritiker ausbürgern: “Irgendwie zweifle ich an Ihrem Verstand Frau M., wandern sie doch aus in ein EU Land, anscheinend gefällt es Ihnen ja hier in der Schweiz nicht.”

Was gibt es sonst noch schönes an Behauptungen und Beschimpfungen: “die EU will unsere Eidgenossenschaft auflösen”, “Brüsseler Teppichrutscher in Bern”, “härtere Politik gegen die EU”, “die EU ist dem Untergang geweiht! Jupppiiiiieeeee”, “die EU will nur alle Länder übernehmen um eine Diktatur und Grossmacht zu erschaffen”, “Wir stecken mitten in einem Krieg. Einem Wirtschaftskrieg”, “dass wir uns der unsäglichen Repressalien von Seite EU stellen und dieser mit Souveränität und Cleverness begegnen”, “es werden so viele hinterlistige Dinge vereinbart, die unserem Land auch Jahrzehnte schaden werden”, “die EU ist nichts anderes als ein grosser, unüberschaubar Haufen machtgeiler Personen”, “Super,endlich sagt mal jemand die Wahrheit über die EU-Diktatur”, “Farage hat aber volkskommen recht, dass die EU die CH vernichten will”, “jetzt will die EU uns auch noch ruinieren”, “EU Befürworter wo immer mit verblendeten Augen uns mit wirren Argumenten uns beibringen wollen, dass die Schweiz dringendst in die anarchistisch geführte EU gehen müsse”, “der Euro ist eine Totgeburt, ein künstliches Konstrukt ohne festen Boden. Die EU als politische Union ist chancenlos in der Welt”, “der EU ist die Schweiz ein Dorn im Auge”, “die EU bedroht die Unabhängigkeit und Freiheit der Schweiz”, “die EUKratur ist die Vorstufe zum nächsten grossen Krieg”, “nichts als EU-Vorschriften aus Brüssel. Schwachsinnige Gesetze. Fette EU-Abgeordnete”, “früher, da nannte es sich "Gross Deutsches Reich" , heute nennt es sich "Europäische Union" undsoweiter,  undsoweiter.

Wer nun denkt, dass ich hier eine einseitige Auswahl getroffen habe: Nein, etwa 90 Prozent der vielen Kommentare hauen in diese Kerbe. Kaum einmal ein besonnener und argumentativ überzeugender Kommentar. Das Interview war ein gutes Ventil, um alle in der Schweiz gegen die EU versammelten Vorurteile los zu werden. Man ist zwar nicht in der EU, aber man meint sich an ihr für all den eigenen Lebensfrust schadlos halten zu müssen. Besonders großmäulig gibt man sich in der deutschen Schweiz, wo EU-Befürworter buchstäblich gejagt werden. Menschen mit ausgeglicheneren Ansichten beginnen bei einer Meinungsäußerung zur EU den Satz in der Regel “ich bin auch nicht für die EU, aber…”, weil sie genau wissen, dass für die EU oder sogar einen Beitritt in diesen Zeiten zu sein, in der Schweiz politisch nicht korrekt ist und sogar gefährlich werden kann.

Informationsquelle
«Für die EU bin ich eine biblische Plage» – Blick

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