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Was Befreiungstheologe Boff zum Abgang des Papstes denkt

Leonardo Boff, Theologe, Universitätsprofessor und einer der Exponenten der vom Vatikan so ungeliebten Befreiungstheologie in Brasilien hat zum Rücktritt von Benedikt XVI gegenüber den brasilianischen Medien Stellung genommen. Es ist interessant von dieser Seite, der man von der Amtskirche bisher wenig Unterstützung zukommen lässt, zu hören, was man über diesen Papst denkt.

Boff beschreibt den Papst dem brasilianischen Publikum zwei zu unterscheidende Persönlichkeiten: “Auf der einen Seite gab es den Professor und Akademiker Ratzinger, der sehr freundlich und höflich war und zudem ein Freund der Studenten. Er spendete die Hälfte seines Gehaltes für lateinamerikanische und afrikanische Studenten. Die andere Seite stellt Papst Benedikt XVI dar, der eine autoritäre und zentralisierende Funktion wahrnimmt, ohne Mitgefühl für die Homosexuellen und für die Anwender der Empfängnisverhütung. Er war als Professor eine einfache Person, der, als er Kardinal wurde sein Verhalten änderte und harte Positionen einnahm. Die konservativen Bischöfe fasste er mit Seidenhandschuhen an und mit Härte die Theologen der “Befreiung”, die sich für die Armen einsetzten.”

Den Ratzinger der Papst-Phase charakterisieren laut Boff seine Konfrontation mit der Modernität, sein Umgang mit den Kulturen und anderen Religionen. “Er hatte das Verständnis, dass die katholische Kirche der einzige Träger der Wahrheit war, die einzige, die in der Lage war der Menschheit den Weg zu weisen. Deswegen hatte er Probleme mit den Mohammedanern und Juden.” Einen anderen Aspekt führt Boff auf die Zeit Benedikts als Kardinal zurück: “Er verlangte von den Bischöfen zu verhindern, dass pädophile Priester vor zivile Gerichte gebracht wurden. In dem Maß, in dem die Medien zeigten, dass es nicht nur Priester, sondern auch Bischöfe und Kardinäle mit dieser Praxis gab, hätte der Vatikan die Realitäten akzeptieren müssen. Auf Ratzinger lastet der Makel, dass er – als Kardinal – zum Komplizen dieser Verbrechen wurde.”

Boff kreidet Benedikt auch an, dass er als oberster Führer der katholischen Kirche ein traditionelles Papstamt ausübte, allein auf Europa ausgerichtet. Benedikt habe die Kirche zu einer Kirchenburg ausgebaut: Eine Festung, die von allen Seiten von Feinden umgeben sei, gegen die man sich verteidigen müsse. “Ich glaube, dass sein Projekt, das einer Reform der Kirche im Stil vergangener Jahrhunderte war, nach innen gerichtet und mit dem politischen Ziel der Re-Evangelisierung Europas. Wir, außerhalb, sehen dieses Projekt als unwirksam und nur als Option für die Reichen an. Das ist ein irreführendes Projekt, er wird kein Papst sein, der Spuren in der Geschichte hinterlassen wird”, ist die Meinung Boff’s. Vom Nachfolger erwartet er sich einen “offeneren Papst” und er verweist darauf, dass 52% der Katholiken in der Dritten Welt und nicht mehr in Europa leben.

Informationsquelle
Para Leonardo Boff, ambiguidades e polêmicas marcam história de Bento XVI – BrasilAtual

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