Freitag, 15. Februar 2013

Rumänen fallen immer mehr vom Glauben ab

Nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur setzten viele Rumänen ihr ganzes Vertrauen in ihre Nationalkirche, die orthodoxe Kirche Rumäniens, deren offizielle Abkürzung “BOR” lautet. Berechtigt war dieses Vertrauen nicht, denn die Kirche hatte sich während des Diktator Ceausescu’s Zeiten nicht durch Widerstand, sondern Kumpanei mit den Mächtigen ausgezeichnet. Aber vertrauend auf die landesübliche Tendenz zum Aberglauben, wollte man es sich mit dem Allmächtigen nicht verderben und hat auf seine Vertreter auf Erden gesetzt. Diese sind aber hoffnungslos im Vorgestern verhaftet und ihre Repräsentanten sind zum größten Teil nicht am Wohlergehen der Gläubigen, sondern an ihrem eigenen Bedürfnissen orientiert.

Bereits 2011 habe ich in meinem Blog über die Rumänen und ihre Staatskirche berichtet. Damals lag die Zustimmung noch bei 81% und damit war die Kirche die Institution, der die Rumänen am meisten vertrauten. Die orthodoxe Kirche ist in Rumänien “die” Staatskirche und sie wird vom Staat subventioniert. Inzwischen lassen sich viele Rumänen, vor allem aus dem intellektuellen Milieu diese Vermischung von Staat und Kirche nicht mehr gefallen. Die säkular-humanistische Vereinigung Rumäniens, ASUR, hat 2011 mit einer Aktion “Stoppt die religiöse Indoktrination in den Schulen” begonnen. Eine weitere Kampagne wendet sich gegen die Finanzierung der Kirche durch den Staat.

Vor kurzem kam es zu einem großen Knall als 23 Nichtregierungsorganisation (NGO) sich gegen die weitere Finanzierung der BOR durch den Staat wandten. Dabei kam es zu einem Streit über die Höhe der Subvention, die für die NGO’s bei 540 Millionen Euro jährlich lag, was aber von der orthodoxen Kirche heftig bestritten wurde, sie bezifferte die Zuschüsse nur auf 55 Millionen Euro. Der Staatssekretär für Religion sprach wiederum von einer Summe von 70 Millionen Euro, die Glaubensgemeinschaften für die Bezahlung der Gehälter ihres Personals und Bau und Reparatur der Kirchen vom Staat bekämen. Davon gingen 80% an die Orthodoxe Kirche. Die orthodoxe Kirche ist aber in ihrer Tätigkeit von jeder Steuer befreit. Die Vermögenslage der Kirche scheint sehr gut zu sein, denn von den Neubauten stammen 4.000 neue Kirchen aus der Zeit ab 1989. Die Kirche besitzt Presseorgane, Pensionen und Hotels und ein Monopol zur Herstellung von Kerzen und anderen religiösen Gegenständen.

Aber die besten Zeiten für die BOR scheinen vorbei zu sein. Das Vertrauen in sie schwindet stetig in der rumänischen Bevölkerung. Nach einer neuesten Umfrage geben nur noch 66% an, dass sie viel Vertrauen in die BOR haben. Im Februar 2009 waren es noch 84%, die soviel Vertrauen in ihre Kirche hatten. Ein Vertreter der Gesellschaft CCSB, die diese Umfragen regelmäßig durchführt, versucht den Sinkflug zu erklärten: “Es ist wahrscheinlich, dass wir Zeugen einer Kombination aus kurz-, mittel- und langfristigen Wirkungen sind. Es gibt Personen, die kritisch gegenüber der Kirche sind: Bezüglich des Geldes, das sie bekommt, die Art wie sie es verwendet, die Tatsache, dass sie keine Steuern bezahlt, das wird jetzt erkennbarer, weil darüber gesprochen wird. Und wir haben noch einen kurzfristigen Effekt: Das Vertrauen ist erstmalig unter 70% gesunken und es ist sehr wahrscheinlich, dass das sinkende Vertrauen in die Institution abgesehen vom Generationenwechsel auf eine Tendenz zur Laisierung wie er sich auch in anderen Ländern vollzieht zurückzuführen ist, auch wenn die Wirkungen nicht so krass sind wie in stark laizistischen Staaten wie Tschechien oder Skandinavien.”

Siehe auch:
Auf was die Rumänen noch vertrauen
Ihre Scheinheiligkeit war IM
Kirchen-Posse um einen verdienten toten Kulturschaffenden in Bukarest
Kirchenfürsten nehmen Beispiel an des Diktators Größenwahn

Informationsquelle
Sondaj CCSB: Încrederea în Biserica Ortodoxă Română, la cel mai SCĂZUT nivel din ultimii 4 ani – Romania Libera
În plata Domnului – ASUR