Direkt zum Hauptbereich

Rumänen fallen immer mehr vom Glauben ab

Nach dem Sturz der kommunistischen Diktatur setzten viele Rumänen ihr ganzes Vertrauen in ihre Nationalkirche, die orthodoxe Kirche Rumäniens, deren offizielle Abkürzung “BOR” lautet. Berechtigt war dieses Vertrauen nicht, denn die Kirche hatte sich während des Diktator Ceausescu’s Zeiten nicht durch Widerstand, sondern Kumpanei mit den Mächtigen ausgezeichnet. Aber vertrauend auf die landesübliche Tendenz zum Aberglauben, wollte man es sich mit dem Allmächtigen nicht verderben und hat auf seine Vertreter auf Erden gesetzt. Diese sind aber hoffnungslos im Vorgestern verhaftet und ihre Repräsentanten sind zum größten Teil nicht am Wohlergehen der Gläubigen, sondern an ihrem eigenen Bedürfnissen orientiert.

Bereits 2011 habe ich in meinem Blog über die Rumänen und ihre Staatskirche berichtet. Damals lag die Zustimmung noch bei 81% und damit war die Kirche die Institution, der die Rumänen am meisten vertrauten. Die orthodoxe Kirche ist in Rumänien “die” Staatskirche und sie wird vom Staat subventioniert. Inzwischen lassen sich viele Rumänen, vor allem aus dem intellektuellen Milieu diese Vermischung von Staat und Kirche nicht mehr gefallen. Die säkular-humanistische Vereinigung Rumäniens, ASUR, hat 2011 mit einer Aktion “Stoppt die religiöse Indoktrination in den Schulen” begonnen. Eine weitere Kampagne wendet sich gegen die Finanzierung der Kirche durch den Staat.

Vor kurzem kam es zu einem großen Knall als 23 Nichtregierungsorganisation (NGO) sich gegen die weitere Finanzierung der BOR durch den Staat wandten. Dabei kam es zu einem Streit über die Höhe der Subvention, die für die NGO’s bei 540 Millionen Euro jährlich lag, was aber von der orthodoxen Kirche heftig bestritten wurde, sie bezifferte die Zuschüsse nur auf 55 Millionen Euro. Der Staatssekretär für Religion sprach wiederum von einer Summe von 70 Millionen Euro, die Glaubensgemeinschaften für die Bezahlung der Gehälter ihres Personals und Bau und Reparatur der Kirchen vom Staat bekämen. Davon gingen 80% an die Orthodoxe Kirche. Die orthodoxe Kirche ist aber in ihrer Tätigkeit von jeder Steuer befreit. Die Vermögenslage der Kirche scheint sehr gut zu sein, denn von den Neubauten stammen 4.000 neue Kirchen aus der Zeit ab 1989. Die Kirche besitzt Presseorgane, Pensionen und Hotels und ein Monopol zur Herstellung von Kerzen und anderen religiösen Gegenständen.

Aber die besten Zeiten für die BOR scheinen vorbei zu sein. Das Vertrauen in sie schwindet stetig in der rumänischen Bevölkerung. Nach einer neuesten Umfrage geben nur noch 66% an, dass sie viel Vertrauen in die BOR haben. Im Februar 2009 waren es noch 84%, die soviel Vertrauen in ihre Kirche hatten. Ein Vertreter der Gesellschaft CCSB, die diese Umfragen regelmäßig durchführt, versucht den Sinkflug zu erklärten: “Es ist wahrscheinlich, dass wir Zeugen einer Kombination aus kurz-, mittel- und langfristigen Wirkungen sind. Es gibt Personen, die kritisch gegenüber der Kirche sind: Bezüglich des Geldes, das sie bekommt, die Art wie sie es verwendet, die Tatsache, dass sie keine Steuern bezahlt, das wird jetzt erkennbarer, weil darüber gesprochen wird. Und wir haben noch einen kurzfristigen Effekt: Das Vertrauen ist erstmalig unter 70% gesunken und es ist sehr wahrscheinlich, dass das sinkende Vertrauen in die Institution abgesehen vom Generationenwechsel auf eine Tendenz zur Laisierung wie er sich auch in anderen Ländern vollzieht zurückzuführen ist, auch wenn die Wirkungen nicht so krass sind wie in stark laizistischen Staaten wie Tschechien oder Skandinavien.”

Siehe auch:
Auf was die Rumänen noch vertrauen
Ihre Scheinheiligkeit war IM
Kirchen-Posse um einen verdienten toten Kulturschaffenden in Bukarest
Kirchenfürsten nehmen Beispiel an des Diktators Größenwahn

Informationsquelle
Sondaj CCSB: Încrederea în Biserica Ortodoxă Română, la cel mai SCĂZUT nivel din ultimii 4 ani – Romania Libera
În plata Domnului – ASUR

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…