Samstag, 2. Februar 2013

Nichts als Verkehr: Abwrackprämie in Rio – Barcelona’s Nahverkehr laufen die Nutzer weg – Málaga streitet sich wegen Straßenbahn

In allen Städten dieser Welt gibt es ein Problem mit der Mobilität. Manche lösen das besser, manche schlechter, manche orientieren sich anderen Beispielen. So auch in den drei Städten Rio de Janeiro, Barcelona, Málaga.

So orientiert sich zum Beispiel der brasilianische Bundesstaat Rio de Janeiro an der deutschen Abwrackprämie, die bei uns inzwischen zur Geschichte gehört. Nach diesem Beispiel wird eine Abwrackprämie für Lastwagen angeboten. Das Programm nennt sich “Startprogramm zur Modernisierung, Renovation und Nachhaltigkeit der Lastwagenflotte” (Programa de Incentivo à Modernização, Renovação e Sustentabilidade da Frota de Caminhões). Das Ziel ist es uralt-Lastwagen aus dem Verkehr zu ziehen. Damit beabsichtigt man das Durchschnittsalter der LKW’s auf Rios Straßen, das zur Zeit 17 Jahre beträgt, auf 12 Jahre absenken. Dieses Ziel gedenkt man innerhalb von 5 Jahren zu erreichen. “Das ist ein Programm bei dem jeder gewinnen wird”, erklärt der Gouverneur von Rio de Janeiro, Sergio Cabral, bei der Vorstellung. Damit soll die Lastwagenflotte erneuert und nachhaltiger gestaltet werden, die Luft verbessert und die Zahl der Unfälle gesenkt werden. Um  an dem Programm teilnehmen zu können, muss der Eigentümer seinen alten LKW bei einem zugelassenen Schrotthändler abgeben und sich eine Bescheinigung über die Verschrottung ausstellen lassen. Der Eigentümer darf dann wählen, ob er Geld aus der Staatskasse abholt – der Wert des verschrotteten LKW wird innerhalb des Programms zu einem über dem Marktpreis liegenden Wert erstattet – oder er kann mit dem Verschrottungsnachweis einen neuen LKW zu subventionierten Preisen kaufen. Das Programm soll im Juni dieses Jahres in Kraft treten.

Barcelona spürt die Auswirkungen der Wirtschaftskrise auch an den Zahlen der Benutzer des öffentlichen Nahverkehrs. 26 Millionen Nutzer haben im Jahr 2012 auf die Fahrt mit Bus, Bahn und Metro nach Angaben der Verkehrsgesellschaft der Metropolregion Barcelona (AMB) verzichtet. Der Präsident des Transportunternehmens TMB erklärt das mit der steigenden Arbeitslosigkeit, denn das Wegbleiben der Nutzer zeichnete sich vor allem in den Spitzenzeiten am Morgen und am Abend ab. Aber auch die Konsumzurückhaltung wird als Grund angeführt. Viele Menschen fahren nicht mehr ins Zentrum, weil sie kein Geld mehr für Einkäufe haben. Für die Verantwortlichen ist das eine beispiellose Veränderung des Nutzerverhaltens. Insgesamt haben die Verkehrsbetriebe Barcelona’s im vergangenen Jahr 626,58 Millionen Nutzer gezählt. Von den sinkenden Nutzerzahlen will man sich nicht entmutigen lassen, sondern man will auf Verbesserung und Modernisierung setzen.

Die andalusische Hauptstadt der Costa del Sol, Málaga, hat ganz andere Sorgen. In den guten Zeiten, als das Geld noch reichlich floss, plante die Stadt eine unterirdische Metro in der Innenstadt von 14 km Länge. Ein ambitioniertes Unternehmen für eine Stadt mit 570.00 Einwohnern. Jetzt sind die Kassen leer und man sieht sich nach einer preiswerteren Lösung um. Statt einer Metro ist jetzt eine Straßenbahn nach dem Beispiel anderer europäischer Städte wie Frankfurt ins Visier der Stadtverantwortlichen gerückt. Sie soll 438 Millionen Euro weniger kosten als die Metro. Die Gleise sollen auf die wichtigste Verkehrsader Málaga’s, die Alameda Principal, gelegt werden. Täglich queren auf dieser achtspurigen Straße 45.000 Autos die Stadt. Jetzt soll da die Straßenbahn hin und eine Fußgängerzone dazu kommen. Ganz nach historischem Vorbild, denn bis 1925 war diese Straße allein den Fußgängern vorbehalten. Jetzt hat sich eine ganz seltsame Bürgerbewegung gebildet, nämlich der Verein der Pfarrgemeinden für die Prozessionen in der Karwoche und Vertreter der Konservativen Partei Partido Popular (PP). “Wir wollen eine Metro – keine Straßenbahn” ist ihr Thema. Begründung: “Die Straßenbahn würde die Prozessionen in der Karwoche erheblich und unwiderruflich beeinträchtigen”. In einer Pressemitteilung wird erklärt: “Das würde nicht nur erheblich das Bild der von unseren Pfarreien genutzten Streck für die Prozession beeinträchtigen, sondern könnte auch die Entwicklung unserer Karwoche, die wir in den Rest der Welt exportieren mit allem was damit zusammen hängt, behindern.” Schilda in Málaga?

Informationsquelle
Cuando las procesiones son excusas baldías. – Blog Negro sobre Blanco
El transporte público de Barcelona perdió 24 millones de pasajeros en el 2012 –El Periódico
Governo do Rio lança programa para renovação da frota de caminhões – BrasilAtual