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Wenn der Ex wenigstens noch als Sündenbock dient

Es ist schon erstaunlich mit welcher Selbstverständlichkeit Spaniens in offensichtliche Korruptionsskandale verwickelte Regierungsmitglieder sich von jeder Schuld frei waschen. Zur Zeit bietet die Gesundheitsministerin Ana Mato dafür ein gutes Beispiel. Man merkt ihr an, dass sie es als Glück ansieht von einem Mann geschieden zu sein, mit dem sie zusammen ihre politische Karriere gemacht und lange Zeit in der Partido Popular (PP) zusammen gearbeitet hat. Gegen ihren Ex-Ehemann, Jesús Sepúlveda, ist inzwischen ein Strafprozess wegen Bestechlichkeit eröffnet worden. Er gehört zu den Schlüsselfiguren im “Gürtel-Skandal” und soll neben Bestechungsgeldern in Höhe von 560.000 Euro vom Bauunternehmer Correa nach Feststellungen des Untersuchungsrichters auch Geschenke in Form von Autos, Reisen und familiären Veranstaltungen in seiner Funktion als Senator und Bürgermeister von Pozuelo de Alarcón erhalten haben. Damals waren allerdings nicht nur der Ehemann, sondern auch die Ehefrau die Begüngstigte.

Den größten Teil der Bestechungsgelder erhielt Sepúlveda in den Jahren 1999 bis 2003 als er noch nicht Bürgermeister in Pozuelo war. Damals war er der Sekretär der PP für Wahlkampagnen und –veranstaltungen. Auch seine Ehefrau Ana Mato war in derselben Funktion in der Partei tätig. 2003 wurde sie zur Koordinatorin der PP gewählt. Der Untersuchungsbericht erwähnt Ana Mato bisher nicht, aber er listet die zahlreichen Reisen und Veranstaltungen auf, an denen sie teilnahm und die vermutlich von der Gürtel-Mafia finanziert wurden. Laut der Zeitung El Pais wird der Richter mit der Untersuchung der Veranstaltungen, die diese Mafia für Sepulveda und seine jetzt Ex-Frau und ihre beiden Kinder organisierte und bezahlte, fortfahren. Seit 2005 ist Ana Mato von ihrem Ehemann geschieden.

Wie wenig die derzeitige spanische Regierung bereit ist, mit zur Aufklärung der gravierenden Korruptionsskandale beizutragen, zeigt gerade das Beispiel von Ana Mato. Sie sieht sich völlig unschuldig. Im Senat verteidigte sie sich vor ein paar Tagen mit den Worten: “Ich habe keine Verantwortung dafür, was diese Person getan hat”. Mit “dieser Person” meinte sie ihren Ex-Mann. Als die Opposition ihre Skepsis darüber zeigte, dass sie von all den Geschenken und Gefälligkeiten nichts bemerkt haben sollte, schlägt sie nach dem Motto “Angriff ist die beste Verteidigung” zurück und bezeichnet alle Beschuldigungen als infame Verleumdung ihr übelwollender Menschen. Eine sachliche Bezugnahme auf die Vorwürfe, die nicht mehr aus der Welt zu schaffen sind, ist von ihr nicht zu erwarten. Damit ist sie ganz im Fahrwasser der Regierung von Mariano Rajoy und ihrer Partei, die Vorwürfe durch faule Ausreden und lautes Gebrüll aus der Welt schaffen wollen.

Der Journalistin Almudena Grandes fällt dazu nur noch ein Witz ein: “Ein Freund sagt zum anderen: Was habe ich doch für ein Pech! Schau mal, bei der Prinzessin Cristina gehen beim Ehemann eine Million Euro auf dem Konto ein und sie merkt nichts. Die Gesundheitsministerin sieht einen Jaguar in der Garage und fragt nicht nach. Und ich lade meine Kollegen zu einer Runde ein, nachdem ich mein Gehalt erhalten habe und wie ich nach Hause komme, weiß meine Frau nicht nur alles, sondern sie macht mir auch noch die Hölle heiß….” Almudena Grandes fährt fort: “Als Witz ist das Klasse. Aber in der Wirklichkeit fehlt ihm jeder Charme. Das bedeutet nicht, dass das traurig ist, es ist schlimmer. Das konnte ich mir vor kurzem beweisen dank Ana Mató, die im Parlament behauptete, dass ihre Verfolgung ein Rückschritt von Jahrzehnten in der Gleichberechtigung der Geschlechter bedeute, weil man sie für die Taten des Ehemanns verantwortlich mache. Lassen wir einmal solche Sachen wie Liebe, Zuneigung, Zusammengehörigkeit, Solidarität, Loyalität und vor allem Bescheidenheit beiseite, so erschien mir dieses Argument derartig witzig, dass ich zu lachen versuchte, aber nicht konnte. Wie sagt der Dichter: Der unerträgliche Zynismus der Ministerin hat meine Lippen mit Eis verschlossen.”

Informationsquelle
Mato de Sepúlveda: “No soy responsable de lo que haga otra persona” – El Pais
Un chiste – El Pais

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