Freitag, 22. Februar 2013

Klaus Johannis, zukünftiger Präsident Rumäniens?

Klaus Johannis, der Bürgermeister der von den Siebenbürger Sachsen gegründeten Stadt Hermannstadt, rumänisch Sibiu, kehrt wieder in das Scheinwerferlicht der rumänischen Aufmerksamkeit zurück. Nachdem er bereits früher mehrfach auch als Ministerpräsident zur Diskussion stand, hat jetzt ein neuer Schachzug der Regierungspartei PNL (Nationalliberale Partei) Johannis mit einem Paukenschlag wieder in den Mittelpunkt des Geschehens gebracht. Parteiführer Crin Antonescu hat für den kommenden Parteitag der PNL vorgeschlagen, Johannis als Mitglied der Partei zu kooptieren und ihm das Amt eines stellvertretenden Parteivorsitzenden anzubieten.

Laut der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien (ADZ) hat Johannis bestätigt, dass Parteichef Crin Antonescu ihm angeboten habe, ihn am PNL-Kongress am Wochenende für ein Amt in der Parteileitung zur Wahl zu stellen. Des weiteren habe Antonescu auf einer am Mittwochnachmittag abgehaltenen Pressekonferenz, seine uneingeschränkte Unterstützung für eine Kandidatur von Hermannstadts Bürgermeister für jedes politische Amt im Staat versichert. Laut ADZ hat Johannis am Donnerstag erklärt, dass er die Kandidatur weder für den Leiter der zukünftigen Verwaltungsregion, noch des Premiers oder Präsidenten ausschließe, aber nicht im derzeitigen Augenblick. Vorerst werde er sein Bürgermeistermandat fortsetzen und in Hermannstadt bleiben.

Die Aussage ist klar: Wenn mich jemand aufs Schild hebt, dann mach’ ich’s. Klaus Johannis hat einen guten Ruf in Rumänien, weil er als Bürgermeister in Hermannstadt / Sibiu viel bewegt hat. Ihm ist es gelungen auch viele Industriebetriebe aus Deutschland für Standorte in seiner Stadt zu gewinnen. Im Vergleich zu seinen rumänischen Mit-Politikern ist er in keine Korruptionsskandale verwickelt. Das rumänische Volk sehnt sich nach einer Person mit einer weißen Weste, insofern sind die Chancen, auch gegebenenfalls die nächsten Präsidentschaftswahlen zu gewinnen, gut. Auch der derzeitige Ministerpräsident Ponta schmiert ihm Honig ums Maul: “Das ist für mich überhaupt keine Sensation, ich habe immer eine sehr gute Beziehung zu Herrn Johannis gehabt, ich habe ihn immer sehr geschätzt und bin sehr erfreut, dass Johannis der PNL und damit auch der USL beitritt, ich glaube das ist für uns ein Vorteil. ….Er kann Ministerpräsident sein und Präsident, er hat bewiesen, dass er sein sehr guter Politiker ist und ich glaube, dass er jede Funktion besetzen kann”.

Johannis ist auch Mitglied und Vorsitzender des “Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien” (DFDR), eine politische Vertretung der deutschen Minderheit in Rumänien. Zu Fragen, ob seine neue Parteimitgliedschaft nicht seine Tätigkeit im DFDR beeinträchtige erklärt er laut ADZ: “Er sei in die PNL nicht eingetreten, um die Position Hermannstadts zu schwächen, sondern um deren Position zu stärken. Er hoffe, dass die Hermannstädter seinen Schritt verstehen und feststellen, dass dieser nichts verändern wird, was seine Herangehensweise in der Verwaltung Hermannstadts angeht und auch in den Beziehungen zu den Kollegen und Kolleginnen im Deutschen Forum.”

Was steckt hinter dieser Rochade von Crin Antonescu und seiner PNL? Antonescu ist in der letzten Zeit heftig innerparteilicher Kritik ausgesetzt gewesen. Ist es nur ein Schachzug, um abzulenken? Wollte man der Opposition zuvorkommen und ihr ein möglicher aussichtsreicher Gegenkandidat bei den nächsten Präsidentschaftswahlen wegschnappen? Johannis kennt die rumänische Politik bestens aus, er wird hoffentlich wissen, auf was er sich da eingelassen hat.

Siehe auch:
Johannis überglücklich nicht rumänischer Ministerpräsident geworden zu sein
Klaus Johannis und der kalte Wind der rumänischen Politik
Pflichtvergessene Rumäniendeutsche sind schuld, dass Basescu weiter präsidiert

Informationsquelle
Klaus Johannis: Ich bleibe einfaches Forumsmitglied und Bürgermeister – ADZ
Antonescu: Johannis a primit în unanimitate derogare de vechime pentru a candida la congresul PNL – Romania Libera