Direkt zum Hauptbereich

Aufstieg, Fall und Agonie des Dumitru Sechelariu

Jetzt ist er gestorben, Dumitru Sechelariu (geb. 1958), der ehemalige Bürgermeister der rumänischen Stadt Bacău. Eigentlich keine Nachricht von Bedeutung, wenn nicht Sechelariu stellvertretend für das Rumänien der letzten 25 Jahre stehen würde. Groß geworden in der Zeit kurz vor dem Fall des Diktators und des kommunistischen Regimes, hatte er die Zeichen der Wende erkannt und es verstanden in kürzester Zeit sich ein Teil des Volksvermögen anzueignen und damit zu den Wendegewinnlern zu gehören. Wie es sich für diese Epoche gehörte, hat man seinen Reichtum nicht still versteckt, sondern großflächig zum Fenster heraus gehängt. Typen wie Sechelariu, Diaconescu oder Becali und einige andere mehr stehen für das Zeitalter der rumänischen Angeber. Er steht auch politisch für die Wendehälse, die die politischen Parteien je nach Interessenlage gewechselt haben wie ihr Hemd.

Gestorben ist Sechelariu dieser Tage in Wien, wohin er schwerkrank vor 2 Wochen gebracht wurde. 2011 hatte noch in einem Interview auf sein Leben zurückgeblickt: “Jetzt bin ich ein politischer Häftling in meinem eigenen Haus. Ich habe nicht mehr viel zu leben. Ich bin überzeugt von tiefstem Herzen, dass nach meinem Tod meine Feinde mich respektieren werden. Ich habe zur Familie gesagt: Wenn ihr mich beerdigt, dann bitte aufrecht mit den Händen draußen wie bei Alexander dem Mazedonier. Damit man sieht, dass ich nichts mit mir mitgenommen habe”.

Angefangen hat der Aufstieg von Sechelariu bereits in den Zeiten des Diktators Nicolae Ceausescu. Als Automechaniker freundete er sich mit einigen Offizieren der Securitate an und wandelte sich zum Geschäftsmann. Er wurde der Eigentümer eines Spielsalons, eine fast unglaubliche Leistung in einem kommunistischen Land. “Wir haben Kent-Zigaretten (ein Luxus damals) und, wenn es keine gab, Carpaţi geraucht. Der Spielsalon lief ganz gut zu den Zeiten Ceausescu’s”, erinnerte er sich. Angefangen hat es in seinem Spielsalon mit dem Hütchen-Spiel, zuerst manuell, danach in einer mechanisierten Form. Die Revolution erreichte Sechelariu am Sitz der Securitate von Bacau. Er war plötzlich Revolutionär und entwaffnete die Securitate-Offiziere. In der neuen Zeit der Demokratie machte er sein Geld durch Ausweitung des Glücksspielgeschäfts und Videofilm-Kinos. 1996 wird er zum Bürgermeister von Bacău gewählt. In seiner Amtszeit zeichnet er sich dadurch aus, dass er der ganzen Stadt an seinem Geburtstag Gratis-Mici (Hackfleischröllchen) und Bier ausgibt. 2002 veranstaltet er einen monströsen Ball, den Kristall-Ball, an dem 150.000 Einwohner seiner Stadt teilnehmen. Der damalige Staatspräsident Iliescu bezeichnet ihn deswegen als einen Menschen mit der Mentalität eines Herrenknechts, der an seinem Geburtstag all die Armen zu sich ruft, um sie zu tränken.  Sechalariu besitzt inzwischen eine Zeitschrift und Presseunternehmen, eine Papierfabrik und den Fußball-Club FCM Bacău. 2004 verliert er die Wahlen, sein Abstieg beginnt. Er wird in einer Korruptionsaffäre um Grundstücksgeschäfte verhaftet und kommt 43 Tage in Haft. Danach droht er der rumänischen politischen Klasse mit Enthüllungen, die einem Erdbeben gleichen sollten, aber höchstens zu einem Sturm im Wasserglas führten.

Für seinen Fußball-Club schreckte er nicht vor Schiedsrichterbestechung und –bedrohung zurück. Die Mannschaft sollte unbedingt in die Champions League kommen.  Das hielt ihn aber nicht ab, bei einem Pokerabend 3 seiner besten Spieler auf’s Spiel zu setzen als er kein Geld mehr hatte. Sein Pokerfreund und Gewinner des Spiels war keine anderer als der Präsident von Steaua Bukarest, Gigi Becali. Die Machenschaften des Hausherrn führten dazu, dass der Club jetzt in der 2. Liga spielt.

Sechelariu war dreimal verheiratet und hatte insgesamt 4 Kinder. Sein Sohn Doru sollte Formel I –Fahrer werden,weshalb er ihm in der Stadt eine Kart-Rennbahn bauen ließ. Sechelariu war Kettenraucher und maßlos von sich selbst überzeugt; “In allem was ich gemacht habe, bin ich so sauber wie man es in dieser schmutzigen Welt nur sein kann”. Viele hören das mit Erstaunen und Ironie und viele sind auch dankbar, dass es einen dieser Typen weniger gibt.

Informationsquelle

Mărirea şi decăderea lui Dumitru Sechelariu, omul care s-a crezut deasupra tuturor – Adevarul

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Der spanische König will nur seine eigene Haut retten

Nachdem sich König Felipe VI. in der Katalonienfrage voll auf die Seite des Zentralstaates gestellt hatte und nicht den mindesten Versuch unternommen hat, in diesem Konflikt zu vermitteln, war man doch recht gespannt, was Felipe in seiner Weihnachtsansprache dem Volk nach den katalanischen Wahlen, die wieder eine Mehrheit für die Unabhängigkeitsbefürworter brachte, zu sagen hatte.


Um es vorweg zu nehmen: Nichts von Bedeutung, außer dass die Spanier ganz stolz auf sich sein könnten. Wie man mit nichtssagenden Sprüchen versucht dem Problem aus dem Weg zu gehen, ergibt sich aus folgenden Ausführungen:


Und dieser große Wandel (Spaniens), dieser ganz große Sprung nach vorn wie es ihn bisher in unserer Geschichte nicht gegeben hat, war nur möglich dank eines offenen und solidarischen Spaniens, das sich selbst nicht eingeigelt hat; eine Spanien, das unsere Unterschiede anerkennt und respektiert, unsere Pluralität und unsere Verschiedenheit mit einem integrierenden Geist; ein Spanien, das von…

Die britische Pass-Burleske oder so dümmlich tickt der Populimus

Unglaublich, was Theresa May ihren Landsleuten als Weihnachtsgeschenk glaubte machen zu müssen: Die Briten werden statt des bisherigen roten einen blauen Pass bekommen, auf dem auch die ominöse "Europäische Union" nicht mehr erwähnt wird. Suggeriert wird damit - und von den Hurra-Patrioten krampfhaft behauptet -, dass man sich einer weiteren Zwangsmaßnahme der perfiden Europäischen Union gegen das seiner Souveränität beraubten Vereinigten Königreichs damit entledigt. Nur, niemand hat die Briten gezwungen, den roten Pass für seine Bürger anzuwenden, die Entscheidung traf damals allein die Thatcher-Regierung, es so zu machen, wie es seither gelaufen ist.

Die harten Brexit-Anhänger - inzwischen eher eine große Minderheit - laufen seither einen Jubel-Amok. Die Premierministerin May verkündet über Twitter: "Der UK-Pass ist ein Ausdruck von Unabhängigkeit und Souveränität, indem er uns als Bürger einer stolzen, großen Nation symbolisiert. Darum haben wir angekündigt, dass de…

Meinungsfreiheit in Spanien erheblich bedroht

Die spanische "Plattform zur Verteidigung der Informationsfreiheit (PDLI)" hat für 2017 ein deprimierendes Resumée über den Stand der Meinungsfreiheit in Spanien gezogen. In der Zusammenfassung stellt die Präsidentin der PDLI, Virginia Pérez Alonso, fest:

Es fällt schwer im zurückliegenden Zeitraum der demokratischen Entwicklung Spaniens einen Präzedenzfall zu finden für die Unterdrückung der Meinungsfreiheit, wie wir sie dieses Jahr erlebt haben. Es wurden Leute ins Gefängnis gesteckt nur wegen eines Liedes oder einer Twittermeldung. Wir dachten nicht mehr an eine solche Entwicklung und doch geschah es jetzt mitten in Europa im 21. Jahrhundert. Das ist so schwerwiegend, dass wir immer noch Probleme haben, deren Reichweite zur Kenntnis zu nehmen.


Es ist so, dass vor allem Jugendliche, die ihre Meinungen in den sozialen Netzwerken veröffentlichten, Ziel einer so seltsamen Strafvorschrift wie "Verherrlichung des Terrors" war. Dazu gaben Witze über Repräsentanten der …