Dienstag, 19. Februar 2013

Aufstieg, Fall und Agonie des Dumitru Sechelariu

Jetzt ist er gestorben, Dumitru Sechelariu (geb. 1958), der ehemalige Bürgermeister der rumänischen Stadt Bacău. Eigentlich keine Nachricht von Bedeutung, wenn nicht Sechelariu stellvertretend für das Rumänien der letzten 25 Jahre stehen würde. Groß geworden in der Zeit kurz vor dem Fall des Diktators und des kommunistischen Regimes, hatte er die Zeichen der Wende erkannt und es verstanden in kürzester Zeit sich ein Teil des Volksvermögen anzueignen und damit zu den Wendegewinnlern zu gehören. Wie es sich für diese Epoche gehörte, hat man seinen Reichtum nicht still versteckt, sondern großflächig zum Fenster heraus gehängt. Typen wie Sechelariu, Diaconescu oder Becali und einige andere mehr stehen für das Zeitalter der rumänischen Angeber. Er steht auch politisch für die Wendehälse, die die politischen Parteien je nach Interessenlage gewechselt haben wie ihr Hemd.

Gestorben ist Sechelariu dieser Tage in Wien, wohin er schwerkrank vor 2 Wochen gebracht wurde. 2011 hatte noch in einem Interview auf sein Leben zurückgeblickt: “Jetzt bin ich ein politischer Häftling in meinem eigenen Haus. Ich habe nicht mehr viel zu leben. Ich bin überzeugt von tiefstem Herzen, dass nach meinem Tod meine Feinde mich respektieren werden. Ich habe zur Familie gesagt: Wenn ihr mich beerdigt, dann bitte aufrecht mit den Händen draußen wie bei Alexander dem Mazedonier. Damit man sieht, dass ich nichts mit mir mitgenommen habe”.

Angefangen hat der Aufstieg von Sechelariu bereits in den Zeiten des Diktators Nicolae Ceausescu. Als Automechaniker freundete er sich mit einigen Offizieren der Securitate an und wandelte sich zum Geschäftsmann. Er wurde der Eigentümer eines Spielsalons, eine fast unglaubliche Leistung in einem kommunistischen Land. “Wir haben Kent-Zigaretten (ein Luxus damals) und, wenn es keine gab, Carpaţi geraucht. Der Spielsalon lief ganz gut zu den Zeiten Ceausescu’s”, erinnerte er sich. Angefangen hat es in seinem Spielsalon mit dem Hütchen-Spiel, zuerst manuell, danach in einer mechanisierten Form. Die Revolution erreichte Sechelariu am Sitz der Securitate von Bacau. Er war plötzlich Revolutionär und entwaffnete die Securitate-Offiziere. In der neuen Zeit der Demokratie machte er sein Geld durch Ausweitung des Glücksspielgeschäfts und Videofilm-Kinos. 1996 wird er zum Bürgermeister von Bacău gewählt. In seiner Amtszeit zeichnet er sich dadurch aus, dass er der ganzen Stadt an seinem Geburtstag Gratis-Mici (Hackfleischröllchen) und Bier ausgibt. 2002 veranstaltet er einen monströsen Ball, den Kristall-Ball, an dem 150.000 Einwohner seiner Stadt teilnehmen. Der damalige Staatspräsident Iliescu bezeichnet ihn deswegen als einen Menschen mit der Mentalität eines Herrenknechts, der an seinem Geburtstag all die Armen zu sich ruft, um sie zu tränken.  Sechalariu besitzt inzwischen eine Zeitschrift und Presseunternehmen, eine Papierfabrik und den Fußball-Club FCM Bacău. 2004 verliert er die Wahlen, sein Abstieg beginnt. Er wird in einer Korruptionsaffäre um Grundstücksgeschäfte verhaftet und kommt 43 Tage in Haft. Danach droht er der rumänischen politischen Klasse mit Enthüllungen, die einem Erdbeben gleichen sollten, aber höchstens zu einem Sturm im Wasserglas führten.

Für seinen Fußball-Club schreckte er nicht vor Schiedsrichterbestechung und –bedrohung zurück. Die Mannschaft sollte unbedingt in die Champions League kommen.  Das hielt ihn aber nicht ab, bei einem Pokerabend 3 seiner besten Spieler auf’s Spiel zu setzen als er kein Geld mehr hatte. Sein Pokerfreund und Gewinner des Spiels war keine anderer als der Präsident von Steaua Bukarest, Gigi Becali. Die Machenschaften des Hausherrn führten dazu, dass der Club jetzt in der 2. Liga spielt.

Sechelariu war dreimal verheiratet und hatte insgesamt 4 Kinder. Sein Sohn Doru sollte Formel I –Fahrer werden,weshalb er ihm in der Stadt eine Kart-Rennbahn bauen ließ. Sechelariu war Kettenraucher und maßlos von sich selbst überzeugt; “In allem was ich gemacht habe, bin ich so sauber wie man es in dieser schmutzigen Welt nur sein kann”. Viele hören das mit Erstaunen und Ironie und viele sind auch dankbar, dass es einen dieser Typen weniger gibt.

Informationsquelle

Mărirea şi decăderea lui Dumitru Sechelariu, omul care s-a crezut deasupra tuturor – Adevarul