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EPR–Kosten explodieren und ein AKW-Fachmann verrät die wahren Kosten der Atomenergie

Der zur Zeit im französischen Flamanville im Bau befindliche europäische Druckwasserreaktor (EPR) zeichnet sich durch eine unrühmliche Geschichte von ständig steigenden Erstellungskosten aus. Die neueste Kostensteigerung hat der Bauherr EDF den Franzosen jetzt zur Vorweihnachtszeit verkündet und danach müssen die Kosten für den Bau um weitere 2 Milliarden Euro noch oben korrigiert werden. Die Gesamtkosten werden jetzt von EDF auf 8,5 Milliarden Euro veranschlagt. Gestartet ist der Bau im Jahr 2005 mit einem Kostenvoranschlag von 3,3 Milliarden Euro.

Bernard Laponche ist Physiker und Techniker. Er hat an der Entwicklung der ersten französischen Atomkraftwerke mitgearbeitet. Laponche ist inzwischen Atomkraftgegner und weist auf die Gefahren dieser Technologie hin. Gleichzeitig kämpft er dafür, dass die tatsächlichen Kosten der Nuklearenergie in die Elektrizitätsrechnungen aufgenommen werden. Er hat in diesen Tagen der Zeitung “Le Monde” ein Interview gegeben und zu Fragen der französischen Atompolitik Stellung genommen.

Laponche hält den EPR für eine finanzielles Fass ohne Boden. Das Projekt würde schlecht ausgeführt mit vielen Baufehlern, die für ein Projekt dieser Gefahrenordnung untragbar seien. Es werde deshalb noch weitere Kostensteigerung bis zum endgültigen Start des EPR geben. Er ist auch der Ansicht, dass generell die Kosten aller Atomkraftwerke explodiert sind. Immer leistungsstärkere Meiler führten zu ständig höheren Erstellungskosten. Zudem würden die Strukturen bei Planung und Bau unter dem Gesichtspunkt der Sicherheit immer komplexer. Die Kosten der Atomkraftwerke würden aber nicht korrekt berechnet, denn die Kosten für die Forschung im Zusammenhang mit dem Bau würde zu Lasten der Staatskasse gehen. Auch die Kosten für den Rückbau und Lagerung der nuklearen Abfälle würden nicht in der Stromrechnung erscheinen. Der französische Rechnungshof habe im Frühjahr diese Kosten auf eine Höhe zwischen 18,4 und 28,4 Milliarden Euro geschätzt mit der Möglichkeit weiterer Erhöhungen in der Zukunft. Dies seien Kosten, die die kommenden Generationen zu tragen hätten. Der Rechnungshof habe zudem die Kosten eines Nuklearunfalles berechnet. Diese würden im Falle einer Havarie vergleichbar den Ereignissen in Three Miles Island 70 bis 100 Milliarden Euro betragen. Für einen GAU wie in Tschernobyl oder Fukushima müsse man mit Kosten zwischen 500 Milliarden und 1.0000 Milliarden Euro rechnen. Falls der Staat sich gegen diese Risiken versichern wollte, wären die tatsächlichen Kosten des Atomstroms nicht mehr tragbar.

Bei der Berechnung der tatsächlichen Kosten der Kernenergie und deren Umlegung auf den Strompreis könne man die Kosten für den Rückbau von Anlagen und Versorgung des nuklearen wegen einer unsicheren Kalkulationsgrundlage derzeit nicht mit einbeziehen, aber allein für den Fall, dass man die steigenden Unterhaltungskosten und das Erfordernis der Anpassung an neue Sicherheitsauflagen in Betracht ziehe, habe der Rechnungshof berechnet, dass der derzeitige Preis für die MWh von bisher 50 Euro um 10% erhöht werden müsste. Im Hinblick auf den EPR, der die MWh für 46 Euro produzieren sollte, müsse man, um die Baukosten wieder herein zu holen, einen MWh-Preis von 100 bis 120 Euro verlangen.

Nach Ansicht von Laponche würden realistische Strompreise in Frankreich den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern. Windkraft sei bereits mit einem MWh-Preis von 82 Euro wettbewerbsfähiger. Gleichzeitig würden Strompreise, die die effektiven Kosten wiedergeben, den Verbraucher zu effizienterem Verhalten anhalten. Auch würde mehr in die Wärmeisolierung von Wohnungen und Ersetzung der Elektro-Heizungen investiert. Laponche endet mit der Erkenntnis: “Man muss aufhören die Franzosen glauben zu machen, dass Elektrizität billig ist, denn das ist falsch”.

In Frankreich hat vor kurzem die große “Debatte über den den energetischen Wandel” (transition énergétique) begonnen. Noch sind die Atomkraftbefürworter in der Mehrzahl, aber die Front bröckelt. Das Resultat dieser nationalen Debatte wird deshalb zeigen, ob und wieweit Frankreich neue Wege abseits der Atomkraft für seine Energieversorgung gehen will. Moderiert wird die Debatte von 5 “Weisen”, zu denen die ehemalige Vorstandsvorsitzende des Atomkonzerns Areva, Anne Lauvergeon, Laurence Tubiana. Direktorin des Lehrstuhls für nachhaltige Entwicklung und Diversität von der Hochschule Sciences Po Paris, Jean Jouzel, Klimatologe und Gletscher-Experte, Bruno Rebelle, ehemalige Nr. 2 von Greenpeace Frankreich sowie Pascal Colombani, Präsident von Valéo, ehemaliger Generaldirektor für Atomenergie gehören.

Informationsquelle
Débat Energie : « le changement c’est maintenant » –EELV
"La facture de l'EPR devrait encore augmenter d'ici à 2016" – Le Monde
Cinq sages pour la transition énergétique – Trransition-Energie.com

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