Samstag, 6. August 2011

Töten kostet nichts am Amazonas

Wie leicht man missliebige Landsleute in den Wäldern des Amazonas umbringen kann zeigte vor kurzem erneut die Ermordung es Ehepaars José Cláudio Ribeiro da Silva und Maria do Espírito Santo, die beide für für den Erhalt des Regenwaldes im Amazonas kämpften. Die brasilianische Justiz ist bei der Suche nach den Mördern noch nicht weit gekommen. Die Regierung hat als Konsequenz die “Operation Verteidigung des Lebens” (Operação Defesa da Vida) ins Leben gerufen, mit dem zur Zeit versucht wird, bedrohte Personen in der Region zu schützen. So wurde vor kurzem die Landwirtin Claudelice Silva dos Santos und ihre Familie unter starkem Polizeischutz in Sicherheit gebracht.

Todesdrohungen sind in der Amazonas-Region an der Tagesordnung. Die Leute sollen so eingeschüchtert werden  und wenn sie keine Ruhe geben, werden sie kurzerhand umgebracht. Nach einer Studie der Kommission der Land-Pastorale CPT (Comissão Pastoral da Terra) wurden 2010 34 Landarbeiter in Brasilien umgebracht, 30% mehr als vergangenes Jahr. Grund für die Ermordung waren mehrheitlich Landstreitigkeiten, einige um Wasserquellen. Nach Angaben des Innenministerium gab es in den letzten 10 Jahren 219 solcher Morde. Dazu gab es nur 4 Verurteilungen und in 37 Fällen wurde nicht einmal ein Ermittlungsverfahren eröffnet.

Das schlimmste Versagen der Sicherheitskräfte und Polizei kann man am Massaker von Eldorado dos Carajás im Bundesstaat Pará sehen, das vor 15 Jahren stattfand. Dabei wurden 19 Landlose ermordet und bisher kein einziger Täter dingfest gemacht. Verurteilt wurden zwar als Organisatoren des Massakers der Oberst Mário Colares Pantoja (228 Jahre Gefängnis) und der Major José Maria Pereira Oliveira (154 Jahre), aber trotz Verurteilung laufen sie bis heute frei herum. Als Ausnahme von der Regel kann man lediglich den Landwirt Vitalmiro Bastos de Moura heranziehen, der für den Auftragsmord an der amerikanischen Missionarin Dorothy Stang verurteilt wurde und tatsächlich im Gefängnis sitzt.

Die Aussichten, dass sich die Situation ändert, sind trotz der “Operation Verteidigung des Lebens” trübe. Die nationale Sekretärin für Umwelt des Gewerkschaftsverbandes CUT erklärt warum: “Seit Jahrzehnten zeigen wir die Verbrechen an. Jedes Mal, wenn ein bekannter Führer ermordet wird, gibt es kurzfristig eine nationale und weltweite Empörung und nach einem Monat scheint es, dass die Situation wieder dem Vergessen anheim fällt. Die Staatsmacht ist in Amazonien nicht präsent. Es besteht ein Chaos. Das Incra (Institut für Kolonisierung und Landwirtschaft) funktioniert nicht. Es gibt keine Strukturen in den Siedlungsgebieten, die Straßen sind miserabel und es gibt Streitigkeiten zwischen den Holzfällern. Die Liste der Straflosigkeit ist lange. Dabei gibt es dahinter nur wenige, die den Auftrage für den Mord geben und diejenigen, die ihn ausführen.”

In den meisten Fällen bedeutet eine Zeugenaussage gegen einen Mörder in Amazonien, dass man damit seine eigene Sterbeurkunde ausstellt. Ein amerikanischer Journalist berichtet, dass bei der Totenmesse für das ermordete Ehepaar die Anwesenden sogar Angst hatten zu weinen.

Die brasilianische Regierung bemüht sich, die Situation zu ändern. Aber Amazonien bleibt in weiten Teilen eine gesetzlose Region, wo das Recht des Stärkeren gilt.

Informationsquelle:
Medo na floresta – Brasil Atual