Mittwoch, 31. August 2011

Pfusch bei AKW-Bau in Frankreich

Das Kernkraftwerk Flamanville liegt an der Westküste der französischen Halbinsel Cotentin am Ärmelkanal. Das Kernkraftwerk umfasst zwei Druckwasserreaktoren und liegt etwa 20 Kilometer südlich der Wiederaufarbeitungsanlage La Hague.

Seit 2004 wird auf dem Areal ein weiterer Reaktor gebaut, dieses mal ein Druckwasserreaktor der dritten Generation (Europäischer Druckwasserreaktor, EPR). Das Datum der endgültigen Inbetriebnahme wurde ständig verschoben, jetzt hofft man, dass die Stromproduktion im Jahr 2016 beginnen kann. Bisher schätzt man die Kosten auf 6 Milliarden Euro.

Wenn das mal reicht! Die französische Atomsicherheitsbehörde ASN hat in den letzten Monaten mehrfach die Rohbauten des künftigen Reaktors beanstandet. Das Satire-Magazin “le Canard enchaîné” hat heute enthüllt, dass vom 2010 bis August 2011 vier scharf gehaltene Briefe an EDF, den Bauherrn, abgesandt wurden, in der die Qualität mehrerer lebenswichtiger Konstruktionsteile des zukünftigen Reaktors kritisiert wird. Die Inspektoren sollen Löcher in den Betonstützen und Fehler in den Wänden der Abklingbecken für das radioaktive Material gefunden haben. Vergangene Woche hatte ASN mitgeteilt, das anlässlich einer Inspektion “Abweichungen” und “Schwachstellen” gefunden wurde. EDF wurde daraufhin aufgefordert “große Anstrengungen zu unternehmen, um die Qualität der Konstruktion sicherzustellen.”

Aber wir sollten beruhigt sein: Reaktor-Konstrukteur AREVA freut sich über die Fortschrittlichkeit des neuen Projekts: “Der EPR™ ist ein großer fortschrittlicher Druckwasserreaktor. Er wurde von AREVA entwickelt, um dem Bedarf der Energieversorger weltweit für eine neue Generation von Kernkraftwerken mit nochmals verbesserter Sicherheit und Wirtschaftlichkeit – auch als Beitrag zur Nachhaltigen Entwicklung – gerecht zu werden. Als einziger Reaktor der Generation III+ befindet sich der EPR™ im Bau: Er wird gegenwärtig in Finnland, Frankreich und China errichtet.”

Informationsquelle:
EPR de Flamanville: le gendarme du nucléaire relève des malfaçons dans le gros oeuvre