Direkt zum Hauptbereich

Deutscher Atomausstieg sorgt für Unruhe in Frankreich

akw stilisiertNachdem der Deutsche Bundestag den Atomausstieg endgültig zementiert hat, beginnt in Frankreich eine Diskussion, die von “weiter so mit Atom” bis “Aussteigen und zwar sofort” geht. Die französischen Atomprofiteure versuchen natürlich das alte Spielchen mit Kosten und Angst. Frau Lauvergeon von Nuklearkonzern Areva tut die Entscheidung etwas despektierlich als “politisch” ab. Womit sie sagen will, dass diese weder Hand noch Fuß hat. Deswegen hält sie das auch eher für eine Finte und erwartet, dass bis 2022 die Deutschen die Atomkraftwerke schmerzlich vermissen und noch einmal das Ruder herumreißen werden.

Hätte man von ihr anderes erwartet? Nein, denn für sie und ihre Industrie bedeutet ja schließlich die Nuklearenergie Geld und Macht. Das Risiko trägt ja eh der Staat und der wird ja auch für den jahrtausende strahlenden Müll bezahlen. Nun, die französische Regierung sitzt nun auch auf eine Ross, von dem sie nicht so schnell herunterkommt. Man hat sich eine Nuklearindustrie herangepäppelt, ohne die man meint, nicht mehr überleben zu können. Der Regierungschef, François Fillon, will die deutsche Entscheidung zwar respektieren, aber nicht zu seiner eigenen und damit auch der Frankreichs machen. Für ihn ist die Atomenergie immer noch die Energie der Zukunft.

Für den Industrieminister, Eric Besson, ist das ohnehin keine Frage, denn “Frankreich arbeitet seit einem halben Jahrhundert mit der Atomenergie und heute produziere diese 80% der Elektrizität in Frankreich. Und dann wiederholt er eine Aussage, die er bei jeder Gelegenheit herunterbetet: “Diese Wahl (für die Atomenergie) bleibt, weil Frankreich so eine starke energetische Unabhängigkeit erreicht hat: Frankreich verfügt deshalb über eine Elektrizität, die 40% billiger ist als der Durchschnitt anderer europäischer Länder. Zum Beispiel zahlen die deutschen Haushalte für ihre Elektrizität doppelt soviel”. Eine reichlich unverfrorene Behauptung und es bleibt abzuwarten, ob die Franzosen weiterhin darauf hereinfallen. Die drückende Last der Endlagerung wird der Steuerzahler neben den bereits geleisteten Subventionen zahlen müssen. Ein schwerwiegender Nuklearunfall ist in den Köpfen französischer Politiker immer noch nur in der Ukraine oder in Japan möglich. Die lachende Atomindustrie darf deshalb, ohne für Schäden im Ausmaß von Fukushima aufzukommen. weiterwursteln.

Bei den Sozialisten, bisher auch Befürworter der Nuklearlösung, ist aber Nachdenken eingekehrt. Sie sehen das deutsche Projekt des Ausstiegs mit Wohlwollen. Ihr Sprecher, Benoît Hamon, erklärt: “Der Ausgangspunkt ist unter Deutschen und Franzosen unterschiedlich. Wir sind viel abhängiger von der Atomenergie als die Deutschen. Wir müssen unsere Verspätung gegenüber Deutschland aufholen und in die erneuerbaren Energie investieren.” Die Genralsekretärin, Martine Aubry, ist da etwas präziser: “Es gibt ein Vorher und ein Nachher nach Fukushima. Ich persönlich glaube, dass wir aus der Atomenergie aussteigen sollten. Wir Sozialisten haben einen gemeinsamen Beschluss gefasst, aus der Abhängigkeit von Atom und Erdöl auszusteigen und wir denken, dass wir es nicht so wie der Präsident machen sollten, der tut wie wenn nichts gewesen wäre, sondern dass wir jetzt sofort ein Dialog mit den Experten, den Wissenschaftlern, anfangen sollten.”

Die französischen Grünen sind ohnehin der Meinung, dass man dem deutschen Beispiel folgen sollte. Der Kandidat als Präsidentschaftsanwärter der Grünen, Nicolas Hulot, hat die deutsche Entscheidung begrüßt. Daniel Cohn-Bendit fordert jetzt eine Öffnung zu einer breiten Debatte in Frankreich.

Die französischen Atomskeptiker werden zudem immer mehr. Die Bevölkerung verschließt immer weniger die Augen vor den Gefahren dieser Technik, die angesichts der gehäuften Masse an Atomkraftwerken in Frankreich die Wahrscheinlichkeit von schwerwiegenden Unfällen angesichts Tschernobyl und Fukushima steigen lässt. Insbesondere merkt man, dass aus dem Bereich der Atomindustrie Lügen und Vertuschungen an der Tagesordnung sind. Man weiß zwar inzwischen, wie riskant diese Technik ist, aber die Verantwortlichen wollen den immer schneller fahrenden Zug nicht mehr aufhalten. Eine verantwortungslose Politik starrt wie das Kaninchen auf die Schlange und hofft jeden Tag darauf , dass diese nicht zuschnappt.
Siehe auch:
Bald ein französisches Tschernobyl?
Stromlücke dank Atomkraftwerken?

Informationsquelle:
Sortie du nucléaire : la décision allemande provoque espoir et inquiétudes en France – Le Monde

Beliebte Beiträge

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Brasilien macht es wahr: Ein dummdreister Hinterbänkler hat beste Chancen Präsident zu werden

Jair Bolsonaro wurde in der 1. Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahlen mit 46% der Stimmen in die 2. Runde der Wahl gewählt. Nichts schildert den Zustand Brasiliens besser, als dass ein inkompetenter Hinterbänkler des Parlaments, der in seinem politischen Leben nur durch gemeine und menschenverachtende Sprüche aufgefallen ist und die Parteien wechselt wie sein Hemd, alle Chancen hat, jetzt auch Präsident des Landes zu werden. 

Dass er unverfroren Folterer und Militärdiktatoren hochjubelt, müsste eigentlich jedem noch vernunftfähigen Brasilianer zu denken geben. 

Ein Beispiel dafür, wen Bolsonaro für seine Vorbilder hält, kann man aus folgendem Vorgang entnehmen:

Bolsonaro erklärte in der Parlamentsdebatte zum Impeachment der damaligen brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff, die in ihrer Jugend als Linke verhaftet und gefoltert wurde, in seiner Rede:
“In Erinnerung an den Obersten Carlos Alberto Brilhante Ustra, der Schrecken der Dilma Rousseff, für das Heer von Caxias, für …

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Aufs falsche Pferd gesetzt: Eukalyptus in Galicien

Wer den Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela wandert kommt an Wälder vorbei, die so gar nicht in diese Landschaft passen. Es sind Eukalyptus Plantagen,  die dieser doch wasserreichen und sehr grünen Landschaft in weiten Bereichen einen desolaten Aspekt geben. 
Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben.  Die Zellulosefabrik ENCE in der Nähe der Stadt Pontevedra erhielt weitreichende Anbau-Konzessionen. Im letzten Jahr wurden die Konzessionen für das Unternehmen um 60 Jahre verlängert und gleichzeitig die Produktionserlaubnis für ein Biomasse Kraftwerk erweitert. 
Der Blogger "Mendigo" gibt dem Protest dagegen eine wütende Stimme:
Sind unsere Mülldeponien ein riesiges Problem? Einige Betroffene Hektar Land in Galicien? Das ist kompletter Unsinn! Auf …

Was kostet das Sterben in Spanien?

In Spanien sind 2011 knapp 400.000 Personen gestorben. Da gibt es für Bestattungsunternehmen zu tun. Der Generaldirektor der Bestattungsdienste “Mémora” hat gegenüber den Medien auf ein paar Zahlen im Zusammenhang mit der Beerdingungspraxis in Spanien verwiesen. Danach kostet die durchschnittliche Bestattung in Spanien 3.700 Euro. In Nordspanien sind die Bestattungen etwas teurer und im Süden etwas billiger. Er führt dies darauf zurück, dass man in Nordspanien auf eine bessere Qualität des Sarges achte und zudem die Überführungen über größere Distanzen erfolgen.

Die Billigversion einer Beerdigung wäre noch für 1.000 Euro zu haben. Aber auch die Spanier wollen es etwas gediegener, das heißt sie beauftragen ein Beerdigungsunternehmen und benutzen eine Aussegnungshalle. Bei internationalen Überführungen kommen in der Regel noch einmal 700 Euro dazu. Die Beerdigungsdienste von Mémora bieten auch eine Finanzierung der Beerdigung an. Dafür gibt es Kredite von bis zu 5.000 Euro, die man in…