Direkt zum Hauptbereich

Rumänien schafft sich ab

Niedrige Geburtenrate, einer der höchsten Sterberaten Europas, geringe Lebenserwartung und ungebremste Auswanderung machen Rumänien zu schaffen. Das nationale Statistikamt spricht von einer drastischen Reduzierung der Bevölkerungszahl im Jahr 2011 im Vergleich zur letzten Volkszählung im Jahr 2002. Im Jahr 1990 hatte Rumänien noch 23,2 Millionen Einwohner, 2009 waren es 2 Millionen weniger und von 2009 bis heute gab es noch einmal einen Verlust von 3 Millionen.

Im Oktober dieses Jahres wird es in Rumänien eine Volkszählung geben. Die Statistiker sprechen bereits jetzt von zu erwartenden deprimierenden Ergebnissen. Der Präsident des nationalen Statistikamtes (INS), Vergil Voineagu, erklärt, dass sich mit Sicherheit eine drastische Verminderung der Bevölkerungszahl verglichen mit der Volkszählung von 2002 ergeben werde. "Der Einfluss der Verminderung der Bevölkerungszahl wird schwerwiegende Folgen auf die demografischen Indikatoren, den Arbeitsmarkt sowie die damit verbundenen anderen sowohl mikro- wie makroökonomischen Indikatoren haben", erklärt er. Nach Ansicht eines Politikwissenschaftlers der Universität Bukarest könne man froh sein, wenn das Ergenbnis eine Einwohnerzahl von 18 Millionen sei, aber er befürchte, dass die Zahl noch kleiner werde.

Die Geburtenrate in Rumänien ist erschreckend niedrig. Gab es 1990 noch 314.746 Geburten im Jahr, waren es 2009 nur 222.388 mit fallender Tendenz im letzten Jahr. Die Ehepaare in Rumänien wollen inzwischen wie in den Industriestaaten des europäischen Westens nur noch kleine Familien. Die Frauen sind bei Geburt ihres ersten Kinders immer älter. Inzwischen liegt das Alter der Mutter bei Erstgeburten bei 27,6 Jahren. Mit 9,9 Geburten pro 1.000 Bewohner liegt Rumänien unterhalb des europäischen Durchschnitts. Dagegen gibt es ein hohe Sterberate. 2010 gab es 260.000 Todesfälle, was eine Sterberate von 12,1 auf 1.000 Bewohner bedeutet. Dazu zählt auch eine Kindersterblichkeit, die zu den höchsten in der EU gehört. 79% der Todesfälle sind auf Erkrankungen der Atemwege und Tumore zurückzuführen. Die Lebenserwartung der Rumänen liegt bei 73,5 Jahren.

Aber nicht nur die geringe Geburten- und hohe Sterberaten sind am Rückgang der Einwohnerzahl schuld. Die Rumänen wandern auch scharenweise aus ihrem Land aus. Von 1992 bis 2002 haben 700.000 Rumänen das Land verlassen. Seither sind es jährlich geschätzte 10.000 Rumänen, die ihr Glück ausserhalb der Grenzen suchen. Fast 60% der Auswandernden sind Frauen. Die Rumänen wollen auch nicht mehr heiraten. Gegenüber 2010 gab es 13% weniger Heiraten. Gleichzeitig werden die Heiratswilligen älter. Die Männer sind im Durchschnitt bei der Heirat 31 Jahre, die Frauen 28 Jahre alt.

Die Folgen sind, dass Rumänien mit einer rapide "vergreisenden" Gesellschaft zurecht kommen muss und damit ganz neue Herausforderungen auf das Land zukommen.

Informationsquelle:
Cum dispare populaţia României - m.adevarul.ro

Beliebte Beiträge

"Die Faschisten von Soros wollten mich lynchen"

Gabriela Firea ist Oberbürgermeisterin von Bukarest. Sie ist 43 Jahre alt und von Beruf Journalistin. 2012 wechselte sie in die Politik und wurde für die Partidul Social Democrat (PSD) in den rumänischen Senat gewählt. Im Juni 2016 wurde sie zur Oberbürgermeisterin von Bukarest gewählt. Inzwischen hat sie einen sehr hohen Beliebtheitsgrad in Rumänien und nach einer neueren Umfrage würden sie bei Präsidentschaftswahlen meht Stimmen bekommen als der derzeitige Amtsinhaber Iohannis.

Etwas rätselhaft ist diese Intention der Bevölkerung, denn in Bukarest ist Frau Firea nicht unbedingt beliebt. Sie hat bei den Wahlen viel versprochen und bisher wenig gehalten. Ein empörter Bukarester Bürger beschreibt die bisherige Erfolgbilanz von Frau Firea so: "Sie hat bisher nichts getan. Sie soll zurücktreten. Es gibt keine Parkplätze, der öffentliche Nachverkehr ist genauso schlecht wie bisher. Sie hat nichts von dem gehalten, was sie versprochen hat wie zum Beispiel Klimaanlagen in den öffentlic…

Wer versteht diese Theresa May?

Theresa May, die britische Premierministerin, gibt ein seltsames Bild ab. Sie war einmal gegen den Brexit und ist nun feurige Durchsetzerin des knappen Bürgervotums für den Brexit, eines Votums, das laut britischer Gesetzgebung nur beratenden Charakter hatte. "Brexit meint Brexit" war nun ihr ständiges Mantra und dann sah sie auch noch die Chance angesichts der zerstrittenen Labour-Partei durch aus opportunistischen Gründen schnell vorgezogene Wahlen eine überwältigende Mehrheit im Parlament zu bekommen. Jetzt lautet das Mantra, nur mit mir wird es eine "starke und stabile" (strong and stable) Regierung geben. Drei brutale terroristische Anschläge in kürzester Zeit stellen diesen Wahl-Spruch inzwischen vor eine Prüfung. Und hier sieht die Lage dann nicht mehr so gut aus. Sie war schließlich vor der Übernahme des Premierministeramtes 6 Jahre Innenministerin.

Es ist unklar, was sie eigentlich antreibt. Der Verdacht, dass es ihr nur um ihre eigene Karriere geht, dräng…

Brasilianer haben die Nase voll von ihrer Regierung: Diretas já!

Am vergangenen Sonntag kam es am Strand der Copacabana zu einer Großdemonstration, an der ungefähr 150.000 Personen teilgenommen hatten. Organisiert wurde die Demonstratien von vielen Bürgerbewegungen und von bekannten Künstler wie den Sängern und Musikern Caetano Veloso und Milton Nascimento. Das Ziel des Protestes ist es, das brasilianische Parlament zu einem Beschluss über eine Verfassungsänderung, der direkte Wahlen für das brasilianische Präsidentenamt ermöglicht, zu drängen.
Die brasilianischen Politiker hatten es geschafft, die legitim gewählte Präsidentin Dilma Rousseff unter windigen Gründen per Impeachment aus dem Amt zu putschen. Rousseff wurden haushaltsrechtliche Verfehlungen vorgeworfen. Nachfolger wird in einem solchen Fall laut brasilianischer Verfassung der Vizepräsident und das war Michel Temer. Inzwischen stellt sich heraus, dass Temer in Korruptionsskandale verwickelt ist und seine Position als Präsident wackelt bedenklich. Sollte auch er aus seinem Amt entfernt w…

Aufs falsche Pferd gesetzt: Eukalyptus in Galicien

Wer den Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela wandert kommt an Wälder vorbei, die so gar nicht in diese Landschaft passen. Es sind Eukalyptus Plantagen,  die dieser doch wasserreichen und sehr grünen Landschaft in weiten Bereichen einen desolaten Aspekt geben. 
Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben.  Die Zellulosefabrik ENCE in der Nähe der Stadt Pontevedra erhielt weitreichende Anbau-Konzessionen. Im letzten Jahr wurden die Konzessionen für das Unternehmen um 60 Jahre verlängert und gleichzeitig die Produktionserlaubnis für ein Biomasse Kraftwerk erweitert. 
Der Blogger "Mendigo" gibt dem Protest dagegen eine wütende Stimme:
Sind unsere Mülldeponien ein riesiges Problem? Einige Betroffene Hektar Land in Galicien? Das ist kompletter Unsinn! Auf …

Das Besondere an der Korruption in Spanien

Von osteuropäischen Ländern sind wir eine offensichtliche Korruption gewöhnt. Hier besticht jeder jeden, der ihm/ihr etwas zu bieten hat. Der Verkehrspolizist lässt bei Geschwindigkeitsüberschreitungen oder Falschparken die Sünder laufen, wenn man ihm einen Schein in die Hand drückt.  Im Krankenhaus sind Pflegekräfte und Ärzte besonders motiviert, wenn sie mit Zugaben gefüttert werden. In Spanien ist das ein bisschen anders. Die Korruption ist hier versteckter. Beamte machen sich nicht die Hände schmutzig. Wenn man von ihnen was haben will, muss man auch für banale Dinge einen Vermittler, den "Gestor", einschalten. Der teilt sich dann sein Einkommen mit dem Beamten. Wer im öffentlichen Dienst nicht so viel zu bieten hat, ist eher nicht korrupt. Dagegen kennt die Korruption im Kreise der Mächtigen aus Wirtschaft und Politik keine Grenzen und wurde bisher als selbstverständlich angesehen und vom Volk so hingenommen.

Die derzeitige Regierungspartei Partido Popular hat da ein r…

Polizei auf Bettler-Jagd in Timisoara

Der OB von Timisoara / Temesvar, der Hauptstadt des rummänischen Banats, hat der eigenen Lokalpolizei vorgeworfen, dass Bettlerproblem in der Stadt nicht ausreichend zu bekämpfen. Das Zentrum der Stadt sei inzwischen beliebtes Ziel von Bettlern. Tags darauf haben die Gescholtenen beschlossen in Zivil auf Bettler-Jagd zu gehen.

Die Webseite deBANAT.ro berichtet über die Arbeit der Lokalpolizei:

Die Polizisten haben sich nach der Schelte sofort an die Arbeit gemacht und eine Razzia im  öffentlichen Nahverkehr vorgenommen. "Die Aktion erfolgte auf der Strecke Badea Richtung Nordbahnhof. Es wurden auch Strafen für die Tatsache des Alkoholkonsums, Bettlerei, Müllverursachung und anderes erlassen. Bereits im vergangenen Monat haben die Aktionen auf diesen Linien zur Festnahme von 81 Bettlern geführt, gegenüber denen gesetzliche Massnahmen angewendet wurden, aber leider kommen diese Personen immer wieder auf die Straße zurück", erklärte der Verantwortliche der Lokalpolizei. Er erkl…