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Ein Journalist, eine Zeitung

köppel weltwocheEine früher durchaus lesbare Wochenzeitung in der Schweiz, die Weltwoche, scheint zu einem Verlautbarungsorgan des geltungssüchtigen Chefredakteurs Köppel zu degenerieren. Köppel war auch einmal Chefredakteur der Tageszeitung “Die Welt” und gilt in den deutschen Medien als Sprachrohr der Schweiz. Keine Sendung mit Schweiz-Bezug, in der nicht der Allround-Schweizer Köppel auftritt.

2001 übernahm er die damals als linksliberal geltende Wochenzeitung “Die Weltwoche”. Aus dem linksliberalen Blatt machte er ein rechtskonservatives Kampfblatt. Grundsätzlich verfügt Köppel über ein durch nichts zu beeinträchtigendes Selbstbewusstsein, das ihn zu Rechthabereien jeder Art veranlasst. Damit ist er das Hans-Dampf-in-allen Gassen seines Blattes. Es gibt nichts, wozu er nicht meint Stellung nehmen zu müssen.

Die Webseite der Weltwoche von heute spricht dafür Bände. Ein paar Beispiele:
Roger Köppel zum Fall Kachelmann.”
“Die SVP fordert das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU zu kündigen, wenn man sich in den Neuverhandlungen nicht einigen sollte. Statt bessere Vorschläge zu machen, dreschen die anderen Parteien einfach auf die SVP ein, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”
“Der Bundesrat entscheidet diese Woche über die Zukunft der Atomkraftwerke in der Schweiz. Die Diskussion über den Ausstieg wird mit viel zu viel Anti-Atomkraft-Nostalgie geführt, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”
“Wenn man die Berichterstattung über das Ja zur Mundart in Zürcher Kindergärten anschaut, hat man das Gefühl, das Abstimmungsresultat habe uns in die düstersten Zonen der Heimattümelei versetzt. Die Sache ist viel weniger kompliziert, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”
“Die Weltwoche hat die Arbeitslosenstatistiken der letzten Jahrzehnte untersucht und ist auf sehr beunruhigende Befunde gestossen: Die Schweiz ist Wirtschaftskrisen viel stärker ausgesetzt als früher, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”
“Mit den neuen Vorschriften für die Grossbanken im Zusammenhang mit der Too-Big-to-Fail-Problematik wird der Bundesrat in eine zentrale Aufsichtsrolle gestellt. Es kommt zu einem Overkill der Regulationsbehörden, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”

Das sind die gesammelten “sagt Chefredaktor Roger Köppel”-Kommentare auf der Webseite eines Tages. Man kann also bei diesem Mann von einer fast paranoiden Geltungssucht sprechen. Deshalb ist es umso bedauerlicher, dass er in Deutschland als kompetenter Gesprächspartner für Schweizer Angelegenheiten angesehen wird. Auch sein Rechtskonservatismus ist recht durchsichtig und billig. Man wird das Gefühl nicht los, dass er diesen nicht aus Überzeugung braucht, sondern um im Gespräch zu bleiben.

Deshalb, liebe deutsche Medien, verschont uns mit Herrn Köppel!

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Kafkaeske Erfahrungen mit Coliposte

Der Blogger Eric aus Frankreich berichtet in seinem Blog "PresseCitron", den ich heute neu in meine Blog-Liste aufgenommen habe, über eine deprimierende Erfahrung mit der französischen Gepäckpost. Unter dem Titel "Ne vous déplacez pas, de toute façon vous étiez absent" (gehen sie nicht weg, auf jeden Fall werden sie abwesend sein) berichtet er über eine nur auf dem Papier stehende Dienstleistung der Gepäckzusteller.

In der Episode 1 wird ihm in seiner Abwesenheit vom Postboten (facteur) ein Paket gebracht. Wie er nach Hause kommt findet er den Auslieferungszettel (le bordereau) in seinem Briefkasten, auf dem er in großen Buchstaben daraufhingewiesen wird: "Gehen sie nicht weg" (Ne vous déplacez pas). Er soll am andern Morgen zwischen 9 und 12 Uhr den Boten erwarten. Bittere Bemerkung von Eric dazu: Scheinbar haben die Postmenschen (les postiers) noch nicht begriffen, dass sie im Dienst des Kunden stehen und nicht umgekehrt.

Episode 2: Am nächsten Morgen st…

Bittere Cashew-Nüsse und schwarze Kinderhände

Im Nordosten Brasiliens werden die beliebten Cashew-Nüsse, auf deutsch auch Kaschu genannt, geerntet. “Der Cashewbaum trägt ungewöhnliche Früchte, augenscheinlich sind es sogar zweierlei verschiedene: die bunten Cashew-Äpfel und die an Bohnenkerne erinnernden Cashewnüsse, quasi als Anhängsel.  Nebenbei produziert der Cashewbaum auch noch Latex und ein technisch wertvolles Öl. Sein Holz ist sehr hart und dicht, resistent gegen Termiten und sehr widerstandsfähig gegen Verwitterung.” So beschreibt die Webseite “Biothemen” Cashew und Cashewkerne.

Die Cashew-Nuss ist schwierig zu ernten. Die Schale enthält ein ätzendes Öl. Dieses Öl verletzt die Haut, verursacht Irritationen und chemische Verbrennungen. Zudem ist das Öl leicht entzündlich und klebrig. Beim Aufbrechen der Schalen mit den Händen werden die Hände schwarz und verletzen die Papillarleisten der Finger. Das Öl breitet sich beim Brechen der Nüsse über die Finger bis zu den Spitzen aus. Die Linien auf den Fingerspitzen verschwinde…

Pina Bausch und die Katalanen

Die katalanischsprachige Zeitung "Avui" widmet der gestern in Wuppertal verstorbenen Tänzerin und Choreographin Pina Bausch einen Nachruf mit der Bemerkung: Die Barcloneser sind Pina Bausch sehr zu Dank und zum Gedenken verpflichtet. Im Jahr 1980 ist Pina Bausch das erste Mal in Barcelona aufgetreten, damals im noch nicht sanierten Theater von "Mercat de les Flors".

"Jenes 1980 war ein Schock in einem Moment, in dem Barcelona's Theaterwelt bedingt durch den Franco-Faschischmus gerade aus der szenischen Lethargie aufwachte. 1980 wurde das Fenster geöffnet, durch das ein eiskalter Wind zog, der alles entblösste und den Eintritt des Barceloneser Theater nach Europa bedeutete. Pina Bausch hat uns aufgewühlt und hat uns während Dekaden mitfühlen lassen", schreibt Avui.

Viele katalanische Theatergruppen wurden vom Tanz von Pina beeinflusst, sei es die bereits verschwundene Gruppe "Heura" bis zur heutigen "Senza Tempo" oder auch Marta Carra…