Samstag, 18. Juni 2011

Ein Journalist, eine Zeitung

köppel weltwocheEine früher durchaus lesbare Wochenzeitung in der Schweiz, die Weltwoche, scheint zu einem Verlautbarungsorgan des geltungssüchtigen Chefredakteurs Köppel zu degenerieren. Köppel war auch einmal Chefredakteur der Tageszeitung “Die Welt” und gilt in den deutschen Medien als Sprachrohr der Schweiz. Keine Sendung mit Schweiz-Bezug, in der nicht der Allround-Schweizer Köppel auftritt.

2001 übernahm er die damals als linksliberal geltende Wochenzeitung “Die Weltwoche”. Aus dem linksliberalen Blatt machte er ein rechtskonservatives Kampfblatt. Grundsätzlich verfügt Köppel über ein durch nichts zu beeinträchtigendes Selbstbewusstsein, das ihn zu Rechthabereien jeder Art veranlasst. Damit ist er das Hans-Dampf-in-allen Gassen seines Blattes. Es gibt nichts, wozu er nicht meint Stellung nehmen zu müssen.

Die Webseite der Weltwoche von heute spricht dafür Bände. Ein paar Beispiele:
Roger Köppel zum Fall Kachelmann.”
“Die SVP fordert das Personenfreizügigkeitsabkommen mit der EU zu kündigen, wenn man sich in den Neuverhandlungen nicht einigen sollte. Statt bessere Vorschläge zu machen, dreschen die anderen Parteien einfach auf die SVP ein, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”
“Der Bundesrat entscheidet diese Woche über die Zukunft der Atomkraftwerke in der Schweiz. Die Diskussion über den Ausstieg wird mit viel zu viel Anti-Atomkraft-Nostalgie geführt, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”
“Wenn man die Berichterstattung über das Ja zur Mundart in Zürcher Kindergärten anschaut, hat man das Gefühl, das Abstimmungsresultat habe uns in die düstersten Zonen der Heimattümelei versetzt. Die Sache ist viel weniger kompliziert, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”
“Die Weltwoche hat die Arbeitslosenstatistiken der letzten Jahrzehnte untersucht und ist auf sehr beunruhigende Befunde gestossen: Die Schweiz ist Wirtschaftskrisen viel stärker ausgesetzt als früher, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”
“Mit den neuen Vorschriften für die Grossbanken im Zusammenhang mit der Too-Big-to-Fail-Problematik wird der Bundesrat in eine zentrale Aufsichtsrolle gestellt. Es kommt zu einem Overkill der Regulationsbehörden, sagt Chefredaktor Roger Köppel.”

Das sind die gesammelten “sagt Chefredaktor Roger Köppel”-Kommentare auf der Webseite eines Tages. Man kann also bei diesem Mann von einer fast paranoiden Geltungssucht sprechen. Deshalb ist es umso bedauerlicher, dass er in Deutschland als kompetenter Gesprächspartner für Schweizer Angelegenheiten angesehen wird. Auch sein Rechtskonservatismus ist recht durchsichtig und billig. Man wird das Gefühl nicht los, dass er diesen nicht aus Überzeugung braucht, sondern um im Gespräch zu bleiben.

Deshalb, liebe deutsche Medien, verschont uns mit Herrn Köppel!