Direkt zum Hauptbereich

Ein Fluss stirbt, weil sich keiner für ihn interessiert

Wenn man von Nordosten über Barcelona auf den Flughafen von Barcelona zusteuert, überquert man, kurz bevor das Flugzeug auf der Piste aufsetzt, eine Flussmündung. Es ist das Delta des Flusses “Llobregat”. Der Llobregat entspringt in den Pyrenäen, wo er noch mit seiner türkisgrünen Farbe das Herz der Menschen erfreut. Im Großraum Barcelona ist es mit seiner Farbenpracht zu Ende. Umrahmt von 2 Autobahnen steuert er seiner Mündung ins Mittelmeer in der Nähe des Flughafens von “El Prat de Llobregat” zu.

Eigentlich ist sein Delta ein geschütztes und wertvolles Feuchtgebiet. Aber leider ist es mit dem Schutz nicht weit her. Er ist umrahmt von Industrieanlagen, einem großen Industriehafen mit Erdölspeichern. Dazu kommt der Flughafen, der inzwischen mit 3 Pisten protzt und das Mündungsdelta und die südlichen Strände voll im Griff hat.

Um den Zustand des Gewässers kümmert sich das Projekt ILMAR, deren Sprecherin jetzt die Öffentlichkeit warnt: “Das Gewässer ist verpestet und das Delta ist so ausgeplündert, dass der Meeresgrund nicht mehr in der Lage ist sich biologisch zu regenerieren. Die Verschmutzung und die Invasion fremder Spezien bedrohen das Ökosystem des Meeres, das durch die Bautätigkeit der letzten Jahre ohnehin stark in Anspruch genommen wurde.” Die Biodiversität der Tier- und Pflanzenwelt des Deltas sind in höchster Gefahr.

Was hat man dem Llobregat in den letzten Jahren nicht alles zugemutet: Er wurde umgeleitet, der daneben liegende Hafen wurde auf seine Kosten vergrößert, die dritte Piste des Flughafens El Prat wurde gebaut und eine Entsalzungsanlage wurde in die Feucht- und Strandgebiete des Deltas gebaut. Das Meer vor dem Delta befindet sich in einem äußerst schlechten Zustand. Seine Qualität ist die schlechteste an der katalanischen Küste.

An der katalanischen Küste sieht es ohnehin schlecht aus. In den letzten Jahren hat sich die Qualität des Meerwasser nicht verbessert, sondern dank der von Menschenhand verursachten Umweltverschmutzung erheblich verschlechtert. Der Direktor der “Fundació Mar” (Stiftung Meer) berichtet, dass etwa ein Viertel des Meeresgrundes an der katalanischen Küste sich in einem Risiko-Zustand befinden. Leider hätten die Behörden kein Interesse, die Biodiversität zu bewahren und dafür Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Stiftung unterhält ein Netz von 19 Kontrollstellen auf dem Meeresgrund. Auf Grund dieser Kontrolle konnte bereits der schädliche Einfluss der Freizeit-Schifferei und die Verbringung zusätzlichen Sandes an die Strände festgestellt werden. Die Kontrollen ergaben auch, dass die Situation am schlimmsten in der Provinz Tarragona ist. Der Grund sind große Schiffe, insbesondere Tanker, die den Hafen von Tarragona anlaufen. Gerade die Tanker bringen eine große Verschmutzungsgefahr mit sich. Zudem gibt es in Tarragona große Produktionsstätten der chemischen Industrie, deren Einleitungen ebenfalls das Meer stark belasten. Zudem gab es in den letzten Jahren aus diesem Bereich, wo 40% der spanischen petrochemischen Industrie angesiedelt sind, mehrere Störfälle. Zwar laufen deswegen bereits mehrere Strafverfahren gegen die Verursacher, aber bisher ist es zu keiner Verurteilung gekommen. “Es handelt sich um die am meisten geschädigte und ungeschützteste Meereszone Spaniens”, erklärt der Direktor der Fundació Mar. Nach einer Mitteilung von Greenpeace fließen in die  katalanische Küste 42% der verschmutzten Gewässer Spaniens.

Man muss es leider sagen: Das Interesse am Erhalt der Natur im Großraum Barcelona ist äußerst gering. Nicht nur bei den Politikern, sondern auch den Bürgern.  Wirtschaftliche Interessen und die Verkehrsinfrastruktur haben absoluten Vorrang. Dem opfert man die Lebensqualität und tauscht sie gegen vermeintliche zivilisatorische Vorteile. Die Menschen werden aber damit nicht glücklicher. Eingepfercht sitzen sie in einer Stadt aus Stein und Straßen und wenn der Wind einmal ungnädig ist und die dreckige Luft nicht aus der Stadt bläst, stehen sie kurz vor dem Erstickungstod.

Informationsquelle:
El delta del Llobregat agoniza - El Pais

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Tolhaus Madrid oder wie verhindere ich die Wahl eines demokratisch gewählten Politikers zum Präsidenten

Die katalanische Krise geht weiter. Nachdem die Wahlen zum katalanischen Parlament, die von der Zentralregierung in Madrid nach dem Unabhängigkeitsreferendum angeordnet worden waren, für dieselbe mit einem Schuss ins Knie endete und die Parteien, die für die Unabhängigkeit oder zumindest einer Änderung der spanischen Verfassung hinsichtlich der Organisation des Staates eintraten, die überwiegende Mehrheit erhalten hatten und die Partei Partido Popular des Ministerpräsidenten Rajoy nur noch mit einem unter der Fraktionsgrenze liegenden Grüppchen im katalanischen Parlament vertreten ist, hätte man denken können, dass diese Situation vielleicht zur Lösung des Konflikt über Gespräche der Konfliktparteien hätte führen können.

Puigdemont, der katalanische Präsident, der sich seiner Verhaftung entzogen und nach Brüssel abgesetzt hatte, hat auf jeden Fall seine Gesprächbereitschaft zu erkennen gegeben. Aber in Spanien sind die Kräfte des Zentralismus noch viel zu stark, um an eine andere Lösu…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Wer braucht in den USA einen Psychiater? Die Waffenlobby oder kriminelle Täter?

Die Medien berichten: Ein 19-Jähriger schießt am Valentinstag an einer High School in Florida um sich. 17 Menschen sterben. Schüler berichten von Momenten der Verzweiflung. Viele Schüler lieferten verzweifelte Berichte ab, schilderten wie sie an Leichen und Blutlachen vorbei die Schule verlassen mussten, wie sie sich in Abstellräumen und Spinden oder unter Schulbänken verbarrikadierten.

US-Präsident Trump betet wie immer, wenn solche "Schicksalsschläge" kommen, und sein Hauptproblem ist der Täter,  von dem er die Opfer tröstend twittert, dass der 19-jährige Schütze offensichtlich „mental gestört“ und aus disziplinarischen Gründen der Schule verwiesen worden sei – und wie wichtig es sei, solche Verhaltensauffälligkeiten den Behörden zu melden. Hallo Herr Präsident, gibt's da noch etwas anderes? Warum läuft ein 19-jähriger mit einem halbautomoatischen Gewehr rum? Könnte es sein, dass der von der Waffenlobby geschürte amerikanische Waffenwahn der Grund für die viele…