Direkt zum Hauptbereich

Pfiffe für den Ministerpräsidenten, zündeln und Fahne schwenken in Melilla

Heute feiert Spanien das "nationale Fest", früher auch "Tag der Rasse" (Dia de la raza) oder auch "Dia de la Hispanidad" (Tag des Spanischtums) genannt. Gelegenheit für alle rückwärtsgewandten und reaktionären Spanier wieder einmal Dampf abgelassen. Traditionsgemäß gab der König heute einen Empfang, dem eine Militärparade vorausging, bei der genauso taditionsgemäß Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero von den Zuschauern ausgepfiffen und beschimpft wurde. Zudem wollte erstmals eine ehemalige Kolonie der Spanier nicht mitmachen, die Fahne Venezuelas fehlte. Die Eliten Südamerikas sind im übrigen nicht so zimperlich, bei ihnen heisst der Tag meistens noch "Tag der Rasse", so zum Beispiel auf der Webseite der argentinischen Regierung.

Den Faschisten der "Falange" kam der Tag wieder einmal recht, um Rabatz zu machen. Ihr Führer, Manuel Andrino, begab sich nach Melilla, um den Marokkanern Dampf zu machen. Die glorreiche spanische Kolonialvergangenheit sollte diesen Muselmanen wieder einmal in Erinnerung gebracht werden. Großmäulig bezeichnete er seine Anwesenheit als eine Demonstration gegen die Aggressionen Marokkos gegen Melilla. Er beschuldigte die letzten spanischen Regierungen sowohl der Sozialisten als auch der Konservativen, nichts für Melilla getan zu haben. Marokko versehe es sehr gut, diese Situation auszunutzen. Marokko ist für ihn das Reich des Bösen, denn Marokko verstehe es ausgezeichnet, Drogenhandel und illegale Einwanderung gegen Melilla einzusetzen. "Stolz auf unsere Vergangenheit, treu zu unserer Erinnerung" ist der Wahlspruch der Falange für den 12. Oktober. Wenn es nach ihnen geht, soll aus der "Hispanidad" eine internationale Gemeinschaft vergleichbar dem britischen Commonwealth werden. Darauf haben die ehemaligen Kolonien wohl nur gewartet! Aber es gibt in der Tat immer noch solche reaktionäre Traumtänzer in Spanien.

Auf der anderen politischen Seite hat die katalanische Partei ERC (Esquerra) heftigst die Anwesenheit des Präsidenten Kataloniens bei der Militärparade kritisiert. Nach Meinung der ERC gibt es an diesem Tag nichts zu feiern, weil es der Tag der Erinnerung an ein Genozid sei. Die Katalanen hätten mit der imperialen Nostalgie nichts am Hut, sie hätten ihren eigenen Feiertag.

Ansonsten war der Tag für die Spanier ein willkommener freier Arbeitstag, den man nicht unnötig mit nationalem Getue aufblasen sollte. Die Händler, die versuchten, an diesem Tag den Spaniern die nationale Flagge zu verkaufen, blieben auf diesen Sitzen. Sie sagen, dass das letzte Jahr schon schlecht war, aber dieses Jahr war wohl miserabel. Das Publikum sparte ansonsten und nutzte die Flaggen, die sie anlässlich der Fußballweltmeisterschaft gekauft hatten.

Siehe auch Blogbeiträge: Pulverfass Melilla und Umstrittener Nationalfeiertag - Dia de la Raza

Informationsquelle: InfoMelilla, La Vanguardia

Beliebte Beiträge

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Frankreich erfindet den Zahnarzt–Aldi

Die Großzügigkeit der französischen Krankenkassen bei Erstattung von Zahnarztkosten hält sich in Grenzen. In der Regel können Versicherte mit etwa 70% erstatteter Kosten rechnen, d.h. 30% muss selbst getragen werden. Die Zahnärzte sind jedoch oft mit den Tarif-Honoraren nicht zufrieden. Sie verlangen Aufschläge, die ebenfalls an den Versicherten hängen bleiben. Gerade dieser Aufschlag scheint in letzter Zeit bei den Zahnärzten in Frankreich sehr beliebt geworden zu sein. In einer Zeit, in der die Arbeitslosigkeit steigt und auch viele Franzosen mit dem wirtschaftlichen Überleben kämpfen, verursacht der Gang zum Zahnarzt wegen Zahnschmerzen den Betroffenen zusätzlich noch Bauchschmerzen wegen der finanziellen Belastung.

Frankreich hat zwar den Lebensmittel-Discounter nicht erfunden, darin sind die Deutschen wohl Weltmeister, aber in anderen Bereichen haben die Franzosen durchaus den Ehrgeiz zur durchgreifenden Rationalisierung, um die Preise zu senken. Besonders offensichtlich ist das…

Frankreich ekelt sich vor seinen Schlachthöfen und empört sich über Tierquälerei

Massentierhaltung in Frankreich: 83% der Hühner werden in geschlossenen Ställen aufgezogen, 68% der Hennen und 99% der Kaninchen werden in Käfigen gehalten. 95% der Schweine fristen ihr kurzes Leben in geschlossenen Ställen auf Gitterrosten. Die Tiere werden nur als Handelsware gesehen, man verstümmelt sie (Kastration ohne Betäubung, Abschneiden der Schwänze oder der Schnäbel). Ihre Sterblichkeitsrate ist sehr groß, zum Beispiel sterben 20% der Schweine vor ihrer Schlachtung.

Industrielle Massentierhaltung wie in Deutschland auch. Das Tier wird nicht als Lebewesen gesehen, sondern nur als Handelsprodukt. Während in Deutschland die Konsumenten seit einiger Zeit ins Grübeln geraten sind und sich eine Bewegung gegen Massentierhaltung gebildet hat, hat man in Frankreich, das wir als Schlemmerland kennen, bisher beide Augen zugedrückt beziehungsweise die Verbraucher wollten nicht so genau wissen wie das Fleisch auf ihrem Teller gelandet ist. Zwar hat sich seit einiger Zeit ein…

"Globo" überall

In Brasilien gibt es einen übermächtigen Medienkonzern, der sich Organizações Globo nennt. Der Schwerpunkt der Organisation liegt beim Fernsehen, wo das Unternehmen mit TV Globo einer der grössten Fernsehsender Amerikas und angeblich den drittgrösste Sender der Welt besitzt. Die Programme des Senders werden von 80 Millionen Personen täglich gesehen. Schwerpunkt sind die Telenovelas.

Der Gründer, der Unternehmer Roberto Marinho, schloss 1967 einen Kooperationsvertrag mit der Time-Life-Gruppe. Bei der damaligen Militärregierung geriet er damit in den Ruch eines Vaterlandverräters. Unternehmerisch war diese Entscheidung ein Volltreffer, denn nun war der Aufstieg von TV Globo nicht mehr aufzuhalten. Der Sender hob sich schon früh durch bessere technische und auch inhaltliche Qualität gegenüber dem ohnehin äusserst niedrigen Niveau der privaten brasilianischen TV-Sender hervor.

Der Sitz der Unternehmensgruppe liegt in Rio de Janeiro. Neben dem Fernsehen gehören auch Radiostationen und viele …