Dienstag, 12. Oktober 2010

Pfiffe für den Ministerpräsidenten, zündeln und Fahne schwenken in Melilla

Heute feiert Spanien das "nationale Fest", früher auch "Tag der Rasse" (Dia de la raza) oder auch "Dia de la Hispanidad" (Tag des Spanischtums) genannt. Gelegenheit für alle rückwärtsgewandten und reaktionären Spanier wieder einmal Dampf abgelassen. Traditionsgemäß gab der König heute einen Empfang, dem eine Militärparade vorausging, bei der genauso taditionsgemäß Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero von den Zuschauern ausgepfiffen und beschimpft wurde. Zudem wollte erstmals eine ehemalige Kolonie der Spanier nicht mitmachen, die Fahne Venezuelas fehlte. Die Eliten Südamerikas sind im übrigen nicht so zimperlich, bei ihnen heisst der Tag meistens noch "Tag der Rasse", so zum Beispiel auf der Webseite der argentinischen Regierung.

Den Faschisten der "Falange" kam der Tag wieder einmal recht, um Rabatz zu machen. Ihr Führer, Manuel Andrino, begab sich nach Melilla, um den Marokkanern Dampf zu machen. Die glorreiche spanische Kolonialvergangenheit sollte diesen Muselmanen wieder einmal in Erinnerung gebracht werden. Großmäulig bezeichnete er seine Anwesenheit als eine Demonstration gegen die Aggressionen Marokkos gegen Melilla. Er beschuldigte die letzten spanischen Regierungen sowohl der Sozialisten als auch der Konservativen, nichts für Melilla getan zu haben. Marokko versehe es sehr gut, diese Situation auszunutzen. Marokko ist für ihn das Reich des Bösen, denn Marokko verstehe es ausgezeichnet, Drogenhandel und illegale Einwanderung gegen Melilla einzusetzen. "Stolz auf unsere Vergangenheit, treu zu unserer Erinnerung" ist der Wahlspruch der Falange für den 12. Oktober. Wenn es nach ihnen geht, soll aus der "Hispanidad" eine internationale Gemeinschaft vergleichbar dem britischen Commonwealth werden. Darauf haben die ehemaligen Kolonien wohl nur gewartet! Aber es gibt in der Tat immer noch solche reaktionäre Traumtänzer in Spanien.

Auf der anderen politischen Seite hat die katalanische Partei ERC (Esquerra) heftigst die Anwesenheit des Präsidenten Kataloniens bei der Militärparade kritisiert. Nach Meinung der ERC gibt es an diesem Tag nichts zu feiern, weil es der Tag der Erinnerung an ein Genozid sei. Die Katalanen hätten mit der imperialen Nostalgie nichts am Hut, sie hätten ihren eigenen Feiertag.

Ansonsten war der Tag für die Spanier ein willkommener freier Arbeitstag, den man nicht unnötig mit nationalem Getue aufblasen sollte. Die Händler, die versuchten, an diesem Tag den Spaniern die nationale Flagge zu verkaufen, blieben auf diesen Sitzen. Sie sagen, dass das letzte Jahr schon schlecht war, aber dieses Jahr war wohl miserabel. Das Publikum sparte ansonsten und nutzte die Flaggen, die sie anlässlich der Fußballweltmeisterschaft gekauft hatten.

Siehe auch Blogbeiträge: Pulverfass Melilla und Umstrittener Nationalfeiertag - Dia de la Raza

Informationsquelle: InfoMelilla, La Vanguardia