Donnerstag, 28. Oktober 2010

Die Stadt des Erlösers droht zu ersticken

In der Stadt Salvador / Bahia zirkuliert eine der grössten Fahrzeugflotten Brasiliens. Man schätzt, dass es über 700.000 Fahrzeuge in der Stadt gibt, die 3 Millionen Einwohner zählt. Die Verantwortlichen der Stadt haben bisher totzdem keine Veranlassung gesehen, die Schadstoffkonzentration in der Luft zu messen. Sie ignorieren damit ein brasilianisches Bundesgesetz, das eine Überwachung der Luftqualität in Städten mit mehr als 500.000 Einwohnern vorschreibt. In den nächsten 3 Jahren wird mit einer Zunahme von weiteren 120.000 Fahrzeuge gerechnet.

Dabei ist auch den Brasiliianern bekannt, dass ein Auto im Schnitt 4 Tonnen CO2 im Jahr in die Luft bläst. Das bedeutet somit, dass die vorerwähnte Zunahme an Fahrzeugen in Salvador eine Erhöhung der jährlichen CO2-Emission von 480.000 Tonnen bedeutet.

Den Brasilianern ist auch bekannt, dass die Verbrennung von fossilen Treibstoffen die wichtigste Quelle der Luftverschmutzung ist. Auch dass die Staubpartikel bei den Dieselmotoren höchst gesundheitsgefährdend sind. Eine in Salvador wohnhafte Biochemikerin machte eine der wenigen Studien über die Luftqualität in der Stadt. Die Ergebnisse waren alarmierend. Sie stellte eine hohe Konzentration von Schwermetallen in den Pflanzen der Stadt fest. Unter diesen auch solche mit höchstem Sicherheitsrisiko für Menschen. Neben der gefährlichen Zusammensetzung haben die Partikel noch eine verschärfende Eigenschaft: 60% der untersuchten Partikel waren kleine als 10 Mikrometer. "Diese Partikeln haben einen akute und chronische Auswirkung auf die Atemwege. Sie können zum Beispiel einen Asthmaanfall verschärfen", erklärte die Forscherin.

Am schlimmsten sieht es zu Zeiten des Karnevals in Salvador aus. Es wuden Staubkonzentrationen von 800 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Der von der Weltgesundheitsorganisation festgelegte Grenzwert liegt zwischen 25 und 50 Mikrogramm.

In Salvador leiden 25% der Jugendlichen an Asthma. Die Stadt liegt damit in Brasilien an der Spitze. Wen wundert es? Da die Stadtverantwortilichen im Tiefschlaf liegen, hilft nur noch die Hoffnung auf die FIFA, denn in Salvador sollen bei der Fußball-WM 2014 Spiele ausgetragen werden. Spätestens dann ist die dicke Luft nicht mehr tragbar.

Informationsquelle: A Tarde, Capital não tem controle da qualidade do ar, contrariando uma determinação legal