Samstag, 2. Mai 2009

Europas Sprachen

Sprachräume sagen viel über die Geschichte von europäischen Regionen aus. Neue Eroberungen liefen immer darauf hinaus, den Eroberten die Sprache des Eroberers als identitätsstiftendes Merkmal aufzuzwingen. Manchmal ist dies gelungen - die französischen Katalanen wurden grösstenteils assimiliert, während in Spanien die Katalanen versuchen, die aufgezwungene Dominanz des spanisch-kastillischen abzuschütteln.

Auch die Südtiroler kamen durch verlorene Kriege zu einem Sprachraum, der nicht der ihre war. Italien machte zuerst den Fehler, die sprachliche Assimilierung erzwingen zu wollen. Erst als die Bomben krachten, kam man noch rechtzeitig auf andere Gedanken. Heute hat das Südtirol - Alto Adige - eigene Rechte und politische Repräsentanten und die Zweisprachigkeit. So fährt man in der Hauptstadt Bozen - Bolzano - mit dem Bus zum Bahnhof oder Stazione. Man kauft in der Macelleria oder beim Metzger ein. Fast peinlich genau wird darauf geachtet, dass aber auch wirklich alles zweisprachig ist. Oberflächlich gesehen funktioniert das ganz gut.

Modell für Katalonien oder das Baskenland? Da will aber niemand Zweisprachigkeit. Hier geht es darum, dass eine Sprache durch die andere ersetzt wird. Obwohl, wenn man ehrlich sein will, die Situation ähnlich wie im Südtirol ist: Es gibt einige, die die lokale Sprache nicht sprechen und des lieben Frieden willens oder aus Gründen der Toleranz wählt man die Zweisprachigkeit.