Freitag, 22. Mai 2009

Europäische Grenzerfahrungen

Das Passieren der Grenzen innerhalb Europas hat sich in der europäischen Union und dies vor allem im Schengenraum erheblich verändert. Aber noch nicht überall!

Die Schweiz ist zwar nicht in der EU, aber inzwischen auch Schengenland. Nur sieht das, was da umgesetzt wurde, immer noch ziemlich halbherzig aus. Der deutsche Grenzer bewacht immer noch flächendeckend sein Häuschen und die Schweizer meinen, dass Hinterlandkontrolle bedeutet, dass ein massiertes Aufgebot an Grenzern 2 m vom ursprünglichen Standort aufs Schärfste kontrolliert. Denn schliesslich ist zwar die Personenkontrolle offiziell weggefallen, aber nicht die Warenkontrolle. 100 gr zuviel Fleisch können einem da zum Schmuggler werden lassen! Die Grenze zu Deutschland ist inzwischen wieder etwas emotionell belastet seit Steinbrück den Indianern seine Kavallerie zeigt.

Fahren wir weiter über den Ofenpass nach Italien. Allzuviele überqueren die hohen Alpenpässe nicht, deswegen funktioniert hier Schengen, kein Grenzer weit und breit zu sehen, nur die Gebäude zeigen die Macht und Herrlichkeit der Grenz-Autoritäten.

Bei Triest verlassen wir Italien, um 30 km slowenisches Territorium zu durchqueren, um nach Kroatien zu kommen. Slowenien hat an dem, was die EU an Zusatzgaben bietet, alles: Euro und Schengen. Deshalb ist die Grenzstation auf der Autobahn verlassen, nur der sich kurzfristig verschlechternde Strassenbelag zwingt zum langsamfahren. Für Verwirrung sorgt eher die Vignettenpflicht auf der Autobahn.

Nach einer halben Stunde ist die kroatische Grenze im istrischen Hinterland erreicht. Endlich wieder ein richtiger Zoll wie in alten Zeiten, obwohl die Grenze noch sehr jung ist. Zuerst die Slowenen, jetzt Wächter der Aussengrenzen der EU. Zwei Häuschen sind zu passieren, zwei Grenzer gucken einem genau an. Das war's wohl denkt sich der Tourist, ist aber bass erstaunt als nach 1 km erneut das Zollschild auftaucht. In den beiden vorhergehenden Häuschen sassen leider nur Slowenen, jetzt erst sind die Kroaten daran. Die Kroaten sind zur Zeit die einzigen seriösen Anwärter auf den EU-Beitritt, aber eben nur Anwärter. Deshalb wird der Pass hier etwas genauer kontolliert. Auch hier ist das noch nicht alles: Einige Schritte weiter eine beleibte, in Grau gekleidete Grenzerin vom Typ Schmuggelspürhund. Bei Touristen verliert sie allerdings ihre Kraft, die verstehen keine Frage und haben meistens nur einen Haufen nutzlosen Plunder dabei. Mürrisches Durchwinken ist die Folge.

Nun sind wir im Kuna-Land. Die lokale Währung wird "kn" agekürzt weswegen die Münzen und Banknoten von deutschsprachigen Touristen auch "Knoten" genannt werden.

Das auseinandergefallene Jugoslawien hat Europa neue Grenzen spendiert. Die skurrilste liegt wohl südlich der Neretva-Mündung, wo die Geschichte Bosnien und Herzogowina einen Küstenstreifen von 15 km zugestanden hat. Auf diesen 15 km wird somit das kroatische Festland unterbrochen. Im Mittelpunkt liegt der Seeort Neum, der mit grossen und neuen Hotels prunkt. Zahlen tut man hier in Mark, in bosnischer Mark.

Innerhalb einer Viertelstunde muss man auf diesem Streifen zweimal durch den Zoll, wenn man in das kroatische Dubrovnik will. Das Passieren ist relativ unproblematisch, es gibt einen "Tranzit"-Streifen beim Zoll und in der Regel wird man durchgewunken. Niemand scheint zu kontollieren, ob man sich auch an den Transit hält. Ein Badeaufenthalt in Neum würde wohl nicht bemerkt.

So gelangt man in den kroatischen Küstenabschnitt von Dubrovnik, der etwa 80 km bis zur nächsten Grenze, nämlich der von Montenegro, dauert. An der kroatischen Grenze hinter dem Ort Gruda wartet eine moderne Zollstation. Ohne Pass- und diesmal auch Fahrzeugpapierkontrolle kommt man aus Kroatien nicht heraus. Die Grenzer geben sich hier etwas selbstherrlicher, man fühlt sich wieder als Untertan.

Der montenegriner Zoll, das Land nennt sich selbst Crna Gora, bei Herceg Novi liegt etwa 2 km weiter bergabwärts und sieht sehr modern mit mehreren Abfertigungsspuren aus. Ein Schild mit dem an EU-Grenzen üblichen Kennzeichen gibt den Eindruck, man reist in ein Land der EU ein. Bei näherem Hinsehen kann man erkennen, dass darunter steht "European Agency for Reconstruction", das bedeutet wohl, dass das neue Zollgebäude mit Mitteln der EU errichtet wurde. Nicht die Grenzbeamten begrüssen den Reisenden zuerst, sondern ein junger Mann mit einer Stoffumhängetasche mit grünem Punkt darauf. Er verkauft eine Vignette und belehrt den Einreisenden, der meint, dass Montenegro doch gar keine Autobahn habe, dahingehend, dass es sich um ein "Eco-Vignette" handelt, die jeder haben müsse, der in Montenegro Auto fährt. 10 Euro müssen dafür gezahlt werden und man hat die Hoffnung, dass die tatsächlich dem Umweltschutz dienen.

Dann der montenengrinische Zoll in seinem schönen Häuschen: Auch er prüft genauestens Pässe und Autopapiere, nur beim Gepäck ist man auch hier der Ansicht, dass man von Touristen nicht eine Schmuggelneigung zu befürchten braucht. Damit ist man jetzt in einem Land, das sich als Letztes der jugoslawischen Länder für seine Unabhängigkeit entschieden hat. Lange Zeit gab es noch die Länderkombination Serbien-Montenegro, der man nicht vor allzu langer Zeit per Volksabstimmung ein Ende bereitete. Gezahlt wird hier in Euro. Das Land hat sich gar nicht die Mühe gemacht, eine eigene Währung zu erfinden. Die Bankautomaten spucken ebenfalls anstandslos Euro aus. Der gedruckte Reiseführer verrät uns zudem, dass "Montenegro der erste Staat ist, der 1992 als international anerkanntes ökologisches Land ernannt worden ist". Von wem verrät uns der Reiseführer nicht. Aber das erklärt vielleicht den Sinn der Eco-Vignette.

Es geht weiter nach Süden, die Grenze zu Albanien bildet den Abschluss der Grenzerfahrungen. Wir verlassen die montenegrinische Küste - auch Riviera genannt - bei Bar und wenden uns auf einem engen und kurvigen Begsträsschen Richtung Grenzübergang Sokobina. Es ist einer der zwei grösseren Grenzübergänge zwischen Montenegro und Albanien und bietet eine Erfahrung der besonderen Art. Kurz vor der Grenze stehen an dem kleinen und holprigen Strässchen zwei Tankstellen des Lukoil-Konzern, die völlig überdimensioniert wirken. Sie sind nach modernstem Standard gebaut und eigentlich eher an den grossen Fernstrassen zu finden. Bald danach taucht rechts eine Art Ladengalerie aus Holz auf, die doch sehr an Wildwestfilme erinnert. Es ist aber der montenegrinische Zoll. Abfertigungsspuren gibt es nicht, nur etwas verwaschene Stop-Hinweise auf dem Asfalt. Da steht man nun und harrt der Dinge. Eine Gruppe Zöllner steht an der Ladengalerie und unterhält sich angeregt. Plötzlich brüllt einer "ok" und man darf weiterfahren. Weder Papier noch sonst was wollen sie vom Touristen sehen.

Der albanische Zoll folgt diesmal gleich 200 m weiter. Die Strasse ist inzwischen eine Schotterstrasse, links und rechts tauchen Buden auf. Es ist heiss und staubig, irgendwie denkt man auch hier an die Grenze in den alten Western zwischen Mexiko und den Gringos. Da nicht viel los ist, hält man am besten in der Mitte der Strasse, schliesslich weiss man ja nicht, welche Bude für einem zuständig ist. Nach 2 oder 3 Minuten beauftragt ein uniformierter Grenzer einen Zivilisten mit der persönlichen Betreuung des Touristen. Zuerst wird der Fahrer zur ersten Bude links geführt, hier füllt ein Uniformierter weihevoll eine Urkunde aus, die man als sprachunkundiger nicht versteht, die wohl aber bedeutet, dass man im Begriffe ist temporär ein Auto nach Albanien einzuführen. Der Zvilist geleitet einem danach zu einem Schalter, wo "Entry" darauf steht. Dort wird man aber abgewiesen und muss erst einmal auf die Gegenseite, wo "Exit" steht. Hier erhält man dann die Stempel, die einem zum Betreten des Landes berechtigen. Daraufhin geht es noch mal zum "Entry", wo geprüft wird, ob die Stempel auch richtig sitzen. Dann darf man fahren, eine weitere Bude passierend, vor der ein Mann mit weissem Kittel und herunterhängendem Mundschutz steht, der wohl die Ankommenden auf die Schweinegrippe scannt. Er erkennt von weitem, dass die Touristen keine Gefahr sind und so ist man nun im Land der Skipetaren. Übrigens, jetzt ist die Strasse wieder asfaltiert und sogar breiter wie in Montenegro! Gezahlt wird jetzt in Lek, aber auch der EURO spielt eine dominierende Rolle.

Wer diesen Zoll noch gerne erleben möchte, muss sich beeilen. Daneben steht eine neue moderne Zollabfertigungsanlage, die auf ihre Einweihung wartet.


Bild: Grenzstelle Sukobin zwischen Montenegro und Albanien