Direkt zum Hauptbereich

Europäische Grenzerfahrungen

Das Passieren der Grenzen innerhalb Europas hat sich in der europäischen Union und dies vor allem im Schengenraum erheblich verändert. Aber noch nicht überall!

Die Schweiz ist zwar nicht in der EU, aber inzwischen auch Schengenland. Nur sieht das, was da umgesetzt wurde, immer noch ziemlich halbherzig aus. Der deutsche Grenzer bewacht immer noch flächendeckend sein Häuschen und die Schweizer meinen, dass Hinterlandkontrolle bedeutet, dass ein massiertes Aufgebot an Grenzern 2 m vom ursprünglichen Standort aufs Schärfste kontrolliert. Denn schliesslich ist zwar die Personenkontrolle offiziell weggefallen, aber nicht die Warenkontrolle. 100 gr zuviel Fleisch können einem da zum Schmuggler werden lassen! Die Grenze zu Deutschland ist inzwischen wieder etwas emotionell belastet seit Steinbrück den Indianern seine Kavallerie zeigt.

Fahren wir weiter über den Ofenpass nach Italien. Allzuviele überqueren die hohen Alpenpässe nicht, deswegen funktioniert hier Schengen, kein Grenzer weit und breit zu sehen, nur die Gebäude zeigen die Macht und Herrlichkeit der Grenz-Autoritäten.

Bei Triest verlassen wir Italien, um 30 km slowenisches Territorium zu durchqueren, um nach Kroatien zu kommen. Slowenien hat an dem, was die EU an Zusatzgaben bietet, alles: Euro und Schengen. Deshalb ist die Grenzstation auf der Autobahn verlassen, nur der sich kurzfristig verschlechternde Strassenbelag zwingt zum langsamfahren. Für Verwirrung sorgt eher die Vignettenpflicht auf der Autobahn.

Nach einer halben Stunde ist die kroatische Grenze im istrischen Hinterland erreicht. Endlich wieder ein richtiger Zoll wie in alten Zeiten, obwohl die Grenze noch sehr jung ist. Zuerst die Slowenen, jetzt Wächter der Aussengrenzen der EU. Zwei Häuschen sind zu passieren, zwei Grenzer gucken einem genau an. Das war's wohl denkt sich der Tourist, ist aber bass erstaunt als nach 1 km erneut das Zollschild auftaucht. In den beiden vorhergehenden Häuschen sassen leider nur Slowenen, jetzt erst sind die Kroaten daran. Die Kroaten sind zur Zeit die einzigen seriösen Anwärter auf den EU-Beitritt, aber eben nur Anwärter. Deshalb wird der Pass hier etwas genauer kontolliert. Auch hier ist das noch nicht alles: Einige Schritte weiter eine beleibte, in Grau gekleidete Grenzerin vom Typ Schmuggelspürhund. Bei Touristen verliert sie allerdings ihre Kraft, die verstehen keine Frage und haben meistens nur einen Haufen nutzlosen Plunder dabei. Mürrisches Durchwinken ist die Folge.

Nun sind wir im Kuna-Land. Die lokale Währung wird "kn" agekürzt weswegen die Münzen und Banknoten von deutschsprachigen Touristen auch "Knoten" genannt werden.

Das auseinandergefallene Jugoslawien hat Europa neue Grenzen spendiert. Die skurrilste liegt wohl südlich der Neretva-Mündung, wo die Geschichte Bosnien und Herzogowina einen Küstenstreifen von 15 km zugestanden hat. Auf diesen 15 km wird somit das kroatische Festland unterbrochen. Im Mittelpunkt liegt der Seeort Neum, der mit grossen und neuen Hotels prunkt. Zahlen tut man hier in Mark, in bosnischer Mark.

Innerhalb einer Viertelstunde muss man auf diesem Streifen zweimal durch den Zoll, wenn man in das kroatische Dubrovnik will. Das Passieren ist relativ unproblematisch, es gibt einen "Tranzit"-Streifen beim Zoll und in der Regel wird man durchgewunken. Niemand scheint zu kontollieren, ob man sich auch an den Transit hält. Ein Badeaufenthalt in Neum würde wohl nicht bemerkt.

So gelangt man in den kroatischen Küstenabschnitt von Dubrovnik, der etwa 80 km bis zur nächsten Grenze, nämlich der von Montenegro, dauert. An der kroatischen Grenze hinter dem Ort Gruda wartet eine moderne Zollstation. Ohne Pass- und diesmal auch Fahrzeugpapierkontrolle kommt man aus Kroatien nicht heraus. Die Grenzer geben sich hier etwas selbstherrlicher, man fühlt sich wieder als Untertan.

Der montenegriner Zoll, das Land nennt sich selbst Crna Gora, bei Herceg Novi liegt etwa 2 km weiter bergabwärts und sieht sehr modern mit mehreren Abfertigungsspuren aus. Ein Schild mit dem an EU-Grenzen üblichen Kennzeichen gibt den Eindruck, man reist in ein Land der EU ein. Bei näherem Hinsehen kann man erkennen, dass darunter steht "European Agency for Reconstruction", das bedeutet wohl, dass das neue Zollgebäude mit Mitteln der EU errichtet wurde. Nicht die Grenzbeamten begrüssen den Reisenden zuerst, sondern ein junger Mann mit einer Stoffumhängetasche mit grünem Punkt darauf. Er verkauft eine Vignette und belehrt den Einreisenden, der meint, dass Montenegro doch gar keine Autobahn habe, dahingehend, dass es sich um ein "Eco-Vignette" handelt, die jeder haben müsse, der in Montenegro Auto fährt. 10 Euro müssen dafür gezahlt werden und man hat die Hoffnung, dass die tatsächlich dem Umweltschutz dienen.

Dann der montenengrinische Zoll in seinem schönen Häuschen: Auch er prüft genauestens Pässe und Autopapiere, nur beim Gepäck ist man auch hier der Ansicht, dass man von Touristen nicht eine Schmuggelneigung zu befürchten braucht. Damit ist man jetzt in einem Land, das sich als Letztes der jugoslawischen Länder für seine Unabhängigkeit entschieden hat. Lange Zeit gab es noch die Länderkombination Serbien-Montenegro, der man nicht vor allzu langer Zeit per Volksabstimmung ein Ende bereitete. Gezahlt wird hier in Euro. Das Land hat sich gar nicht die Mühe gemacht, eine eigene Währung zu erfinden. Die Bankautomaten spucken ebenfalls anstandslos Euro aus. Der gedruckte Reiseführer verrät uns zudem, dass "Montenegro der erste Staat ist, der 1992 als international anerkanntes ökologisches Land ernannt worden ist". Von wem verrät uns der Reiseführer nicht. Aber das erklärt vielleicht den Sinn der Eco-Vignette.

Es geht weiter nach Süden, die Grenze zu Albanien bildet den Abschluss der Grenzerfahrungen. Wir verlassen die montenegrinische Küste - auch Riviera genannt - bei Bar und wenden uns auf einem engen und kurvigen Begsträsschen Richtung Grenzübergang Sokobina. Es ist einer der zwei grösseren Grenzübergänge zwischen Montenegro und Albanien und bietet eine Erfahrung der besonderen Art. Kurz vor der Grenze stehen an dem kleinen und holprigen Strässchen zwei Tankstellen des Lukoil-Konzern, die völlig überdimensioniert wirken. Sie sind nach modernstem Standard gebaut und eigentlich eher an den grossen Fernstrassen zu finden. Bald danach taucht rechts eine Art Ladengalerie aus Holz auf, die doch sehr an Wildwestfilme erinnert. Es ist aber der montenegrinische Zoll. Abfertigungsspuren gibt es nicht, nur etwas verwaschene Stop-Hinweise auf dem Asfalt. Da steht man nun und harrt der Dinge. Eine Gruppe Zöllner steht an der Ladengalerie und unterhält sich angeregt. Plötzlich brüllt einer "ok" und man darf weiterfahren. Weder Papier noch sonst was wollen sie vom Touristen sehen.

Der albanische Zoll folgt diesmal gleich 200 m weiter. Die Strasse ist inzwischen eine Schotterstrasse, links und rechts tauchen Buden auf. Es ist heiss und staubig, irgendwie denkt man auch hier an die Grenze in den alten Western zwischen Mexiko und den Gringos. Da nicht viel los ist, hält man am besten in der Mitte der Strasse, schliesslich weiss man ja nicht, welche Bude für einem zuständig ist. Nach 2 oder 3 Minuten beauftragt ein uniformierter Grenzer einen Zivilisten mit der persönlichen Betreuung des Touristen. Zuerst wird der Fahrer zur ersten Bude links geführt, hier füllt ein Uniformierter weihevoll eine Urkunde aus, die man als sprachunkundiger nicht versteht, die wohl aber bedeutet, dass man im Begriffe ist temporär ein Auto nach Albanien einzuführen. Der Zvilist geleitet einem danach zu einem Schalter, wo "Entry" darauf steht. Dort wird man aber abgewiesen und muss erst einmal auf die Gegenseite, wo "Exit" steht. Hier erhält man dann die Stempel, die einem zum Betreten des Landes berechtigen. Daraufhin geht es noch mal zum "Entry", wo geprüft wird, ob die Stempel auch richtig sitzen. Dann darf man fahren, eine weitere Bude passierend, vor der ein Mann mit weissem Kittel und herunterhängendem Mundschutz steht, der wohl die Ankommenden auf die Schweinegrippe scannt. Er erkennt von weitem, dass die Touristen keine Gefahr sind und so ist man nun im Land der Skipetaren. Übrigens, jetzt ist die Strasse wieder asfaltiert und sogar breiter wie in Montenegro! Gezahlt wird jetzt in Lek, aber auch der EURO spielt eine dominierende Rolle.

Wer diesen Zoll noch gerne erleben möchte, muss sich beeilen. Daneben steht eine neue moderne Zollabfertigungsanlage, die auf ihre Einweihung wartet.


Bild: Grenzstelle Sukobin zwischen Montenegro und Albanien

Beliebte Beiträge

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Brasilien macht es wahr: Ein dummdreister Hinterbänkler hat beste Chancen Präsident zu werden

Jair Bolsonaro wurde in der 1. Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahlen mit 46% der Stimmen in die 2. Runde der Wahl gewählt. Nichts schildert den Zustand Brasiliens besser, als dass ein inkompetenter Hinterbänkler des Parlaments, der in seinem politischen Leben nur durch gemeine und menschenverachtende Sprüche aufgefallen ist und die Parteien wechselt wie sein Hemd, alle Chancen hat, jetzt auch Präsident des Landes zu werden. 

Dass er unverfroren Folterer und Militärdiktatoren hochjubelt, müsste eigentlich jedem noch vernunftfähigen Brasilianer zu denken geben. 

Ein Beispiel dafür, wen Bolsonaro für seine Vorbilder hält, kann man aus folgendem Vorgang entnehmen:

Bolsonaro erklärte in der Parlamentsdebatte zum Impeachment der damaligen brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff, die in ihrer Jugend als Linke verhaftet und gefoltert wurde, in seiner Rede:
“In Erinnerung an den Obersten Carlos Alberto Brilhante Ustra, der Schrecken der Dilma Rousseff, für das Heer von Caxias, für …

In Treue fest zum Atom

Der spanische Industrieminister macht es sich leicht. Ein paar Tage vor dem Unglück von Fukushima erklärte er: "Sich vor der Nuklearenergie fürchten ist wie vor der Sonnenfinsternis Angst haben".

María Teresa Domínguez, Sprecherin der Forums der spanischen Atomernergie erzählt 2009 in einem Interview: "Spanien hat 8 Atomkraftwerke, die auf höchstem Weltniveau bezüglich Verfügbarkeit und Betriebsbedingungen operieren." Keine Rede davon, dass die AKW Vandellos und Ascó schon Störfälle auf höchstem Niveau hatten. Frau Domínguez bedauert, dass die Nuklearenergie nur zu 8% zur Energieversorgung Spaniens beiträgt. Deshalb will sie daraufhin arbeiten, dass der spanische Strommix für die Zukunft einen Anteil von 30% an der Landesversorgung bekommt. Keine Angst wegen den Risiken? "Nein, die Risiken sind kontrollierbar. Ich sage das, weil ich Technikerin bin und auf dem Gebiet der Sicherheit der Atomkraftwerke arbeite. Aber das sage nicht nur ich, sondern das ist auch …

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Aufs falsche Pferd gesetzt: Eukalyptus in Galicien

Wer den Jakobsweg Richtung Santiago de Compostela wandert kommt an Wälder vorbei, die so gar nicht in diese Landschaft passen. Es sind Eukalyptus Plantagen,  die dieser doch wasserreichen und sehr grünen Landschaft in weiten Bereichen einen desolaten Aspekt geben. 
Vor etwa 50 Jahren hatte Diktator Francisco und sein Regime die Idee, den Eukalyptus großflächig in Galicien und in Nordspanien anpflanzen zu lassen mit dem Ziel weltweit die Zellulose-Industrie beliefern zu können. Ganze Gebiete wurden für die Monokultur freigegeben.  Die Zellulosefabrik ENCE in der Nähe der Stadt Pontevedra erhielt weitreichende Anbau-Konzessionen. Im letzten Jahr wurden die Konzessionen für das Unternehmen um 60 Jahre verlängert und gleichzeitig die Produktionserlaubnis für ein Biomasse Kraftwerk erweitert. 
Der Blogger "Mendigo" gibt dem Protest dagegen eine wütende Stimme:
Sind unsere Mülldeponien ein riesiges Problem? Einige Betroffene Hektar Land in Galicien? Das ist kompletter Unsinn! Auf …

Was kostet das Sterben in Spanien?

In Spanien sind 2011 knapp 400.000 Personen gestorben. Da gibt es für Bestattungsunternehmen zu tun. Der Generaldirektor der Bestattungsdienste “Mémora” hat gegenüber den Medien auf ein paar Zahlen im Zusammenhang mit der Beerdingungspraxis in Spanien verwiesen. Danach kostet die durchschnittliche Bestattung in Spanien 3.700 Euro. In Nordspanien sind die Bestattungen etwas teurer und im Süden etwas billiger. Er führt dies darauf zurück, dass man in Nordspanien auf eine bessere Qualität des Sarges achte und zudem die Überführungen über größere Distanzen erfolgen.

Die Billigversion einer Beerdigung wäre noch für 1.000 Euro zu haben. Aber auch die Spanier wollen es etwas gediegener, das heißt sie beauftragen ein Beerdigungsunternehmen und benutzen eine Aussegnungshalle. Bei internationalen Überführungen kommen in der Regel noch einmal 700 Euro dazu. Die Beerdigungsdienste von Mémora bieten auch eine Finanzierung der Beerdigung an. Dafür gibt es Kredite von bis zu 5.000 Euro, die man in…