Mittwoch, 27. Mai 2009

Die Leipziger Strasse in Bukarest hat Geheimnisse

Nach Lipsca, Leipzig, ist eine der ältesten Strassen in Bukarest benannt. Sie heisst "Strada Lipscani". Hier hatten früher die Händler aus Leipzig ihre Waren abgeladen und so der Strasse ihren Namen gegeben.

Seit Jahren versucht Bukarest die "Lipscani" und das umliegende Altbauviertel zu sanieren. Mit welchem Erfolg, darüber liefert uns Jakob Horstmann in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien (ADZ) unter dem Titel "Ein vollständig versautes Viertel" einen schönen Überblick. Aber auch die Schwierigkeiten, die ein reichhaltiges archeologisches Erbe mit sich bringen, sind erkennbar.

Heute berichtet die Zeitung "Evenimentul Zilei" (EVZ) aktuell über die Geheimnisse der Leipziger Strasse. Es sind die "Han" (hanul), die alten Gasthäuser, auf die man bei den Sanierungsarbeiten auf Schritt und Tritt stösst. Ein prächtiges Exemplar steht noch, es ist der Hanul lui Manuc, der heute ein Hotel, Gaststätten und Andenkenläden in sich beherbergt. Schreitet man durch sein Tor und steht im Innenhof bietet er eine Stimmung, die einem die Atmosphäre der Handelsreisenden früherer Jahre nahe bringt.

Der Name "Han" kommt aus dem Türkischen und bedeutet Herberge (loc de adăpost). Sie wurden vor allem im 17. Jahrhundert errichtet. Hier konnte man übernachten und seine Mahlzeiten einnehmen. In der Regel war ein Han ein viereckiges Gebäude mit grossem Innenhof. Sie waren auch Treffpunkt für die Bukarester und er bot durch seinen geschlossenen Innenhof Schutz. Wer sich ein Zimmer nicht leisten konnte, schlief im Innenhof.

Nun, unter der Lipscani schlummern noch viele Reste von solchen alten Herbergen. Die Herzen der Archäologen schlagen bei jedem neuen Fund höher, aber die Sanierungsarbeiten werden dann erneut gestoppt. Noch ist die Lipscani vermüllt und in manchen Teilen wenig attraktiv. So bedauert EVZ, dass man den wunderbare Hanul Greci (griechische Herberge) zwar entdeckt habe, dass aber "seine schönen Ziegel-Mauern vom Abfall einer grossen Stadt erdrückt werden, die die Geschichte mit einer Müllhalde (groapă de gunoi) verwechselt".

Projekte, dem Misstand abzuhelfen gibt es viele. Man kann nur hoffen, dass bald eine Lösung gefunden wird, denn der Besuch der Lipscani und das Erlebnis eines Han lohnt sich.

Informationsquelle: Evenimentul Zilei, Hanurile de pe Lipscani, unde istoria s-a împiedicat de hârtii
Foto: Innenhof des Hanul lui Manuc