Mittwoch, 16. November 2016

Gesundes Essen in Barcelona: Kübelweise Ersatznahrungsmittel

Zur Zeit eröffnen regelmäßig neue Geschäfte in Barcelona, die Diätprodukte verkaufen. In diesem Jahr sollen es laut der Stadtverwaltung 21 Geschäfte sein, die eröffnet haben, im vergangenen Jahr waren es 24. Fachleute bezeichnen die Entwicklung als den neuesten Handelsboom in Barcelona.

Die Katalanen, die traditionell in der Regel eher auf natürliche Nahrung Wert legen, haben scheinbar ihr Vertrauen in Gemüse und Früchte verloren. Damit zusammen hängt eine Zunahme von Fitness-Studios, in denen den Menschen mit Erfolg vorgegaukelt wird, dass für den kräftigen Körperbau eine natürliche Ernährung nicht ausreicht. Ihr braucht mehr Proteine, Aminosäuren, Kohlenhydrate, Fettverbrenner wird den den Menschen eingeredet. Deshalb sind auch viele der Geschäfte an die Studios angeschlossen oder werden von ihnen betrieben.

Zu Beginn waren die Geschäfte in Lagerhäusern untergebracht, inzwischen gibt es sie als Boutiquen. Ein Fitness-Studio-Betreiber berichtet: Bald öffnen wir ein neues Geschäft in Sarrià. Hier kostet die “Diät” 45 Euro, 60 Euro, wenn man die entsprechenden Übungen dazu bucht. Die Trainingsstunde wird 35 Euro kosten. Und jeder, der zwei oder dreimal ins Studio geht und dem diese Produkte gefallen, wird mindestens 70 Euro pro Monat zahlen und wenn jemand ganz wild drauf ist werden es so gegen 150 Euro sein.” Die Ersatznahrungsmittel werden in riesigen Behältern verkauft. Das wäre auf die Sparpolitik der Unternehmen zurückzuführen.

Kenner der Szene berichten: “Jetzt schauen die Leute in den Supermärkten auf die Liste der Inhaltsstoffe jedes Produktes und plötzlich sind sie sehr besorgt über die Menge an Zucker in den Erfrischungsgetränken und sind jetzt sehr wohl daran interessiert, in ein gesundes Leben zu investieren, aber nur weniger man sie anständig wahr nimmt. Bis vor kurzem waren diese Art der Geschäfte dunkle Läden, die auf eine alte Art geführt wurden und in einigen gab es illegale Produkte. Jetzt werden viele dieser Läden geschlossen. Dem großen Publikum gefallen sie nicht, sie vermitteln ihnen kein Vertrauen. Zudem hat ihnen das Internet die Preise vermasselt. Die Gewinnmargen sind in diesem Sektor sehr niedrig. Die Produkte sind sehr teuer. Zuvor oder danach mussten auch viele neue Geschäfte wieder aufgeben. Die Anfangsinvestition beläuft sich auf etwa 100.000 Euro

Zur Zeit eröffnet eine Klinik in Barcelona, die sich auf künstliche Ernährung spezialisiert will. In der Informationsbroschüre lobt sich die Klinik “die erste Spezialklinik für eine revolutionäre Therapie mit wichtigen Vitaminen und Mikronährstoffe im intravenösen Weg zu sein”. Laut einem Bericht der Zeitung “La Vanguardia” wird man bei der Ankunft in der Klinik mit 60 Fragen, die man auf einem Tablett-Computer beantworten muss, konfrontiert, man wird dann in den sehr weißen und sauberen Infusionssaal geführt, wo einem intravenös ein Viertel Liter Vitamine, Aminosäuren, Mineralien usw eingespritzt werdenden. Im Behandlungsangebot sind enthalten ein “Verjüngungs-, “Revitalisierungs- und Regenerierungspaket”. Diese können auch auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werden. Der Marketingdirektor schwärmt: “In der angelsächsischen Welt ist das bei den Berühmtheiten und Unternehmern normal”. Man kann sich auch gegen Katererscheinung behandeln lassen.

Spanien hat ja eine traurige Tradition gewissensloser Doping-Ärzte. Inzwischen will man dem Volk den Schönheits- und Gesundheitswahn auf die schnelle Art und Weise einbläuen. Gewiefte Geschäftemacher mit gewetztem Operationsbesteck warten schon. Seriöse Ärzte stehen dem neuen Trend skeptisch gegenüber und weisen daraufhin, dass eine ausgewogene Ernährung für ein gesundes Leben ausreichend ist. Vor der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln empfehlen sie auf jeden Fall den Gang zum Arzt.

Informationsquelle
Los tratamientos en vena llegan en Barcelona