Mittwoch, 30. Dezember 2015

Wasser sparen, nicht stehlen, das wäre die Lösung

Brasilien erlaubt sich nicht nur seine Wasser-Ressourcen leichtsinnig zu verschleudern wie das Desaster von Bento Rodrigues gezeigt hat, es erlaubt sich auch noch mit diesem kostbaren Gut leichtsinnig und verschwenderisch umzugehen. Ein Bewusstseinswandel setzt langsam ein, zumindest gibt es Programme, die der Verschwendung von Wasser entgegen wirken sollen. Über die Wasserkrise in São Paulo habe ich in diesem Jahr mehrfach berichtet. Die Krise ist nicht vorbei, sondern schwelt auf hohem Niveau vor sich hin.

Wasserrationierung und hohe Wasserpreise führen allerdings zu neuen Kriminalitätsformen, die in unseren Regionen bisher keine Rolle spielen. Am 27. Dezember 2015 meldet die Zeitung “Folha de São Paulo”, dass die Wasserdiebstähle im Jahr 2015 um 36% in São Paulo gestiegen sind. Zwischen Januar und Oktober wurden 17.600 Fälle von Wasserdiebstahl aufgedeckt mit einem Umfang von 3 Milliarden Liter entwendetem Wasser. Haupttäter sind Menschen, die in Häuser leben, aber auch Handelsgeschäfte und Industrieunternehmen wurden erwischt. In der Mehrzahl der Fälle wurde der Wasserzähler manipuliert zum Teil mit sehr innovativer krimineller Energie. Eine andere Methode ist das illegale Anzapfen der Wasserleitung der Wassergesellschaft. Die Wassergesellschaft Sabesp kämpft inzwischen mit 70 Mannschaften gegen die Wasserdiebe.

Inzwischen geht die Polizei davon aus, dass sich kriminelle Gruppen gebildet haben, die den Wasserdiebstahl gegen Bezahlung organisieren. Händlern und Hausgemeinschaften sollen schon entsprechende Angaben gemacht worden sein. Polizei und die Wassergesellschaft wollen hart gegen Wasserdiebe vorgehen. Auf den Diebstahl steht bis zu 4 Jahre Gefängnis. “Manchmal wird der Eigentümer des Lokals mit auf die Polizei genommen und dort wird er verhaftet. Auch wenn er eine Kaution anbietet, ist er nicht mehr ein Vorzugsgefangene”, erklärt der Sprecher von Sabesp und hofft auf Abschreckung.

Die Universität von São Paulo (USP) will das Problem am Schopfe fassen und hat ein ständiges Programm gestartet für die effiziente Nutzung des Wassers und von Energie. Damit sollen Lehrer, Schüler, Angestellte und Besucher für die effiziente Nutzung des Wassers und der Energie sensibilisiert werden. Das Programm beschränkt sich zur Zeit auf den Bereich der Universität, soll aber auch seine Ausstrahlung in das Stadtgebiet haben. Die Stadtverwaltung, für die die Dürre der letzten Monate “ein hydrologisches Phänomen sehr erschreckender Art” ist, will dabei mitmachen. Die verantwortliche Sprecherin für das Wasseramt der Stadt erklärte, dass die Verwaltung des Wassers und der Energie an der USP über die alleinige Sorge um die Kontrolle der Wasserressourcen hinausgehe. Man müsse an zwei Fronten gleichzeitig kämpfen: Auf dem Weg einer Erhöhung der Wasserressourcen durch das Bohren von Tiefenbrunnen und gleichzeitig durch vernünftige Nutzung dieser Ressourcen.

Siehe auch
São Paulo droht Wassernotstand und die Politik zeigt sich furchtlos
Die Wasser-Zocker von São Paulo
São Paulo rätselt immer noch, ob das Wasser rationiert wird oder nicht
Wasser ist keine Handelsware, sondern ein Menschenrecht

Informationsquelle
A VERDADE SOBRE A ÁGUA
Flagrantes de furto de água cresceram 36% em 2015
USP divulga programa e reforça ações contra crise hídrica e energética