Direkt zum Hauptbereich

Der “Neger von Banyoles” und der europäische Rassismus

Banyoles ist eine Kleinstadt von 18.000 Einwohnern im nördlichen Katalonien. Es beherbergt eine museale Besonderheit, die die Stadt mit Klauen und Zähnen verteidigt. Es ist der “Neger von Banyoles” (El Negro de Banyoles), ein ausgestopfter Bewohner des südlichen Afrikas, der im Museum “Darder” der Stadt ausgestellt wird. Die Zurschaustellung eines Afrikaners, ähnlich einem ausgestopftem Tier, hat seit einigen Jahren zu kritischen Kommentaren in der spanischen Presse geführt. Bis 1991 wurden Schulklassen zur Besichtigung des toten “Negro” ins Museum gebracht bis die Zeitung El Pais diese Art der Zurschaustellung kurz vor den Olympischen Spielen in Barcelona als Rassismus bezeichnete.

Wie ist nun diese Kleinstadt an den Leichnam des Afrikaners gekommen? Der Leichnam wurde 1830 von den Brüdern Verraux in Südafrika gestohlen. Französische Präparatoren stopften den Leichnam aus, stellten ihn auf ein Podest und verschickten ihn nach Europa, wo er erstmalig 1831 in Paris ausgestellt wurde. Der Veterinär Francesc Darder, erster Direktor des Zoos von Barcelona, erwarb den Leichnam und stellte ihn 1888 in Barcelona aus. Zusammen mit ausgestopften Tieren vermachte er später den “Negro” der Stadt Banyoles.

1993 wurde an dem Leichnam eine Autopsie unter dem Aspekt der Rassenkunde vorgenommen und man kam zum Ergebnis, dass es sich rassisch um einen Buschmann handle. Anschließend kehrte er wieder in die Ausstellungsvitrine zurück bis er auf Grund internationalen Drucks von der Museumsdirektion in das Lager des Museums verbannt wurde. 5 Jahre später wurde der Leichnam nach Botswana überführt, wo er nach einem Trauergottesdienst feierlich in Gaborone beigesetzt wurde. In Botswana wurden allerdings nur die restlichen Knochen beigesetzt. Die Webseite “Diagonal” berichtet nämlich folgendes: “ Der Neger” wurde im Nationalmuseum von Madrid auseinandergenommen. Das Museum war mit der Rückführung des Körpers beauftragt und nahm sich das Recht heraus, zu entscheiden, was vom Körper übrig bleiben durfte. Dabei wurde versucht das Material, das die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, der Politik und dem Rassismus aufzeigte, zu verheimlichen. Die Presse informierte 2000 die Öffentlichkeit, dass die Haut, Bestandteile natürlicher Art, die künstliche Bearbeitung und verschiedene ideologisch geprägte Färbungen in Madrid blieben.”

In Museum von Banyoles begnügt man sich nicht nur damit, weiterhin den “Neger von Banyoles” auf einem Bildschirm zu zeigen, nein, man hat ihm auch vor der Rückführung den Hut, die Lanze und das Schild abgenommen, mit dem früher seine Primitivität und sein minderwertiger kultureller Rang nachgewiesen werden sollte. Zudem wurde vom Museum in den neunziger Jahren heimlich ein Auftrag erteilt, eine Silikonform der Körpers zu erstellen. Dieser Auftrag ist jetzt ans Tageslicht gekommen und hat erneut eine Diskussion über den mit dem “Neger von Banyoles” verbundenen Rassismus bis in unsere Tage entfacht.

Die Webseite “Diagonal” zieht daraus folgende Schlussfolgerung:
Die Erinnerung an “El Negro de Banyoles” kann nicht historisch genutzt werden, um eine unbekannte Person aus dem Süden Afrikas, die sich hinter dem von europäischen, rassistischen Praktiken entmenschlichten Körper versteckte, zu präsentieren. Die Erinnerung, die wir brauchen und die mehr als eine Seite füllen müsste, ist die Erinnerung an die Hintergründe der Geschichte der Behandlung des Leichnams. In den letzten Jahren haben die katalanischen und spanischen Medien erneut den “Neger” aus dem Vergessen geholt. Trotzdem hat es keine ernsthaften Bemühungen gegeben, die Geschichte des Körpers nach dem Tod in den Kontext der Kolonialgeschichte zu stellen und die Entweihung und Ausstellung von kolonisierten Leichnamen als unter dem Gesichtspunkt einer grundlegenden Praxis des Rassismus, der bis heute fortdauert, zu analysieren.

Informationsquelle
Nuevas noticias sobre 'El Negro de Banyoles' y todavía nadie habla de racismo

Beliebte Beiträge

Die Betontürme von Barcelona: Auch Betonschrott macht anhänglich

Wer von den höheren Positionen der Collserola auf Barcelona hinunterblickt, dessen Blick bleibt bald an 3 Türmen im Nordosten von Barcelona hängen. Diese drei Türme, die an der Mündung des Flusses Besós ins Meer liegen, gehörten zu einem konventionellen thermischen Kraftwerk, das in den 70er Jahren gebaut worden war. Seit 2011 ist dieses Kraftwerk stillgelegt. Es hatte zuvor kräftig zur Luftverschmutzung in Barcelona beigetragen. Es liegt nicht auf der Gemarkung der Stadt Barcelona, sondern der Vorortgemeinde Sant Adrià.

Drei Türme aus Beton dienten als Kamine über die die Abgase des Kraftwerks abgeleitet wurden. Beim Bau waren sie 90m hoch über den bereits 90m hohen Hochöfen gebaut worden, Es stellte sich heraus, dass in dieser Höhe die Abgase das Stadtklima beeinträchtigten und so wurden sie bis auf 200m erhöht. Sie übertrafen damit die Türme der Kathedrale Sagrada Familia, das Wahrzeichen von Barcelona. Man könnte sich vorstellen, dass ein solches hässliches Bauwerk als Verschande…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Aus der Hölle für Schweine frisch auf den europäischen Tisch

"Die Misshandlung der Tiere ist weit verbreitet im Sektor der spanischen Schweinezucht. Die Tiere werden nicht als Lebewesen, sondern als Ware behandelt", schreibt die Journalistin Esther Vivas. In ihrem Meinungsbeitrag, den ich nachstehend übersetzt wiedergebe, schildert sie in der Zeitung "El Periódico" die Zustände in der spanischen Schweinezucht und -verarbeitung:

Wir leben in einem Land von Schweinen, das ist wörtlich zu verstehen. In Spanien werden jedes Jahr 46 Millionen dieser Tiere geopfert, eines pro Einwohner, die höchste Zahl in ganz Europa. Fleisch, das zum größten Teil für den Export bestimmt ist. Die Schweine wachsen und leben unter miserablen Bedingungen hier, zusammengepfercht auf wenig Raum, auf Gitterböden und umgeben von Fäkalien werden sie nie das Licht das Tages sehen. Danach werden sie geschlachtet und weg sind sie. Was lassen sie zurück? Ein Haufen Scheiße. 

Katalonien ist das Gebiet mit den meisten Schweinen in Spanien. Von den 4 Millionen …

3 Jahre Dürre, Spanien entwickelt sich immer mehr zur Wüste

Der staatliche spanische Wetterdienst (AEMET) hat dieser Tage Bilder veröffentlicht, die den Stand der Niederschläge vor 3 Jahren mit denen von heute vergleicht. Es ergibt sich ein klares Bild: Spanien geht immer mehr das Wasser aus. Gab es vor 3 Jahren noch blaue Flecken mit regenreichen Gebieten im Nordwesten, so sind diese inzwischen vollständig verschwunden. Im restlichen Land nimmt die braune Fläche gravierend zu. Ein Zeichen, dass vielen spanischen Regionen das Wasser ausgeht.

Die Zeitung "La Vanguardia" zitiert den Wetterdienst wie folgt:
Technisch gesprochen zeigt das Bild die photosynthetische Aktivität. Es ist nicht so, dass dort wo es 2014 noch Bäume gab, dass es diese nicht mehr gibt, sondern dass es keine grüne Vegetration mehr existiert, weil es nicht mehr regnet. Wir sagen, dass es eine andere Form ist, um die Dürre zu erkennen.

"La Vanguardia" berichtet weiter:
Es ist sicher, dass sich die Dürre immer mehr verschärft. Seit 2015 sind die Quellen des …

Eine spanische Richterin und eine Autonomie, die keine ist

Die Richterin Carmen Lara von der Audiencia Nacional in Madrid hat vor ein paar Tagen ohne zu zögern ein paar katalanische Politiker wegen Veranstaltung eines Unabhängigkeitsreferendums ins Gefängnis gesteckt. Mit welcher Arroganz das passierte kann man daraus entnehmen, dass sie, während die Verteidiger ihre Gegenargumente vorbrachten, mit ihrem Handy spielte. Die Richterin war zuvor schon von der Polizei geehrt worden, weil sie einige Sache in deren Sinne erledigt hatte. Die spanische Justiz verliert ihren guten Ruf, ihre Neutralität muss immer mehr in Frage gestellt werden. Während sie nur teilweise in der Lage ist, die immensen Korruptionsskandale, die vor allem die Regierung betreffen, aufzuarbeiten, ist sie stramm dabei, wenn es darum geht Meinungsäußerungen, die der Regierung nicht gefallen und Unabhängigkeitsbestrebungen in den Regionen zu verfolgen.
Die Festnahme der katalanischen Politiker hat auch bei Menschen, die nicht unbedingt Freunde der Unabhängigkeitsbefürworter sin…