Montag, 14. Dezember 2015

Der “Neger von Banyoles” und der europäische Rassismus

Banyoles ist eine Kleinstadt von 18.000 Einwohnern im nördlichen Katalonien. Es beherbergt eine museale Besonderheit, die die Stadt mit Klauen und Zähnen verteidigt. Es ist der “Neger von Banyoles” (El Negro de Banyoles), ein ausgestopfter Bewohner des südlichen Afrikas, der im Museum “Darder” der Stadt ausgestellt wird. Die Zurschaustellung eines Afrikaners, ähnlich einem ausgestopftem Tier, hat seit einigen Jahren zu kritischen Kommentaren in der spanischen Presse geführt. Bis 1991 wurden Schulklassen zur Besichtigung des toten “Negro” ins Museum gebracht bis die Zeitung El Pais diese Art der Zurschaustellung kurz vor den Olympischen Spielen in Barcelona als Rassismus bezeichnete.

Wie ist nun diese Kleinstadt an den Leichnam des Afrikaners gekommen? Der Leichnam wurde 1830 von den Brüdern Verraux in Südafrika gestohlen. Französische Präparatoren stopften den Leichnam aus, stellten ihn auf ein Podest und verschickten ihn nach Europa, wo er erstmalig 1831 in Paris ausgestellt wurde. Der Veterinär Francesc Darder, erster Direktor des Zoos von Barcelona, erwarb den Leichnam und stellte ihn 1888 in Barcelona aus. Zusammen mit ausgestopften Tieren vermachte er später den “Negro” der Stadt Banyoles.

1993 wurde an dem Leichnam eine Autopsie unter dem Aspekt der Rassenkunde vorgenommen und man kam zum Ergebnis, dass es sich rassisch um einen Buschmann handle. Anschließend kehrte er wieder in die Ausstellungsvitrine zurück bis er auf Grund internationalen Drucks von der Museumsdirektion in das Lager des Museums verbannt wurde. 5 Jahre später wurde der Leichnam nach Botswana überführt, wo er nach einem Trauergottesdienst feierlich in Gaborone beigesetzt wurde. In Botswana wurden allerdings nur die restlichen Knochen beigesetzt. Die Webseite “Diagonal” berichtet nämlich folgendes: “ Der Neger” wurde im Nationalmuseum von Madrid auseinandergenommen. Das Museum war mit der Rückführung des Körpers beauftragt und nahm sich das Recht heraus, zu entscheiden, was vom Körper übrig bleiben durfte. Dabei wurde versucht das Material, das die Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, der Politik und dem Rassismus aufzeigte, zu verheimlichen. Die Presse informierte 2000 die Öffentlichkeit, dass die Haut, Bestandteile natürlicher Art, die künstliche Bearbeitung und verschiedene ideologisch geprägte Färbungen in Madrid blieben.”

In Museum von Banyoles begnügt man sich nicht nur damit, weiterhin den “Neger von Banyoles” auf einem Bildschirm zu zeigen, nein, man hat ihm auch vor der Rückführung den Hut, die Lanze und das Schild abgenommen, mit dem früher seine Primitivität und sein minderwertiger kultureller Rang nachgewiesen werden sollte. Zudem wurde vom Museum in den neunziger Jahren heimlich ein Auftrag erteilt, eine Silikonform der Körpers zu erstellen. Dieser Auftrag ist jetzt ans Tageslicht gekommen und hat erneut eine Diskussion über den mit dem “Neger von Banyoles” verbundenen Rassismus bis in unsere Tage entfacht.

Die Webseite “Diagonal” zieht daraus folgende Schlussfolgerung:
Die Erinnerung an “El Negro de Banyoles” kann nicht historisch genutzt werden, um eine unbekannte Person aus dem Süden Afrikas, die sich hinter dem von europäischen, rassistischen Praktiken entmenschlichten Körper versteckte, zu präsentieren. Die Erinnerung, die wir brauchen und die mehr als eine Seite füllen müsste, ist die Erinnerung an die Hintergründe der Geschichte der Behandlung des Leichnams. In den letzten Jahren haben die katalanischen und spanischen Medien erneut den “Neger” aus dem Vergessen geholt. Trotzdem hat es keine ernsthaften Bemühungen gegeben, die Geschichte des Körpers nach dem Tod in den Kontext der Kolonialgeschichte zu stellen und die Entweihung und Ausstellung von kolonisierten Leichnamen als unter dem Gesichtspunkt einer grundlegenden Praxis des Rassismus, der bis heute fortdauert, zu analysieren.

Informationsquelle
Nuevas noticias sobre 'El Negro de Banyoles' y todavía nadie habla de racismo