Mittwoch, 2. Dezember 2015

Düstere Aussichten für Rio de Janeiro

In Rio de Janeiro hat der Sommer begonnen und die Cariocas wissen noch nicht so richtig was auf sie zukommt. Denn Rio ist eine der Städte, die besonders vom Klimawandel betroffen sind. So wird erwartet, dass die Durchschnittstemperatur in den nächsten 5 Jahren um 1° Celsius steigen wird. Der kommende Sommer wird, so die Befürchtungen des “Netzwerkes der Forschungen über den Klimawandel im städtischen Bereich” (Rede de Pesquisas sobre Mudanças Climáticas Urbanas), der heißeste Sommer der letzten Jahre. Der Meeresspiegel in Rio soll bis zu 14 cm steigen, höher als in anderen südamerikanischen Hafenstädten wie Buenos Aires.

Aus unserer Perspektive könnte man ja einen warmen Sommer für etwas positives halten, aber Rio zittert jetzt schon vor den Folgen. Die sind in erster Linie gesundheitlicher Art. Denn Rio de Janeiro liegt in den Tropen und Tropenkrankheiten sind schon an und für sich ein schwer bekämpfbares Problem.  Martha Barata vom Instituto Osvaldo Cruz beschreibt die zukünftige Entwicklung: “Das Klima kann verschiedene Krankheiten verschärfen. Die Stadt muss sich sich auf diese Entwicklung vorbereiten, die vor allem Menschen mit niedrigem Einkommen treffen wird. Wir dürfen keine Wohnsiedlungen und Fabriken in Gebiete bauen, die ein großes Überschwemmungsrisiko für die Zukunft haben.” Die am stärksten betroffenen Personen sind alte Menschen und Kleinkinder, deren Organismen sich nicht so leicht anpassen kann und die nicht soviel Widerstandskraft haben.

Die Prognosen gehen davon aus, dass bis 2080 die Temperaturen in Rio de Janeiro um 3,4 Grad steigen und der Meeresspiegel sich in den nächsten 65 Jahren zwischen 37 und 82 cm anheben wird. Folgen sind Probleme für die Wasserversorgung und Überschwemmungen im Küstenbereich. Die Zeitung “O Dia” schreibt, dass die Situation in Rio erschwert wird durch eine chaotische Bebauung der Küste und durch das Fehlen eine grundlegenden Abwasserentsorgung in Gemeinden mit niedrigem Einkommen. Die Forscher empfehlen deshalb den Regierungen, ihre Politik dieser Gefahr anzupassen, um von Umweltkatastrophen verursachte Tragödien zu vermeiden. Martha Barata meint aber, man solle sich nicht nur auf die Regierung verlassen, sondern die Gesellschaft selbst solle handeln. “Es ist notwendig, dass mehr der öffentliche Nahverkehr benutzt und der Entwaldung Einhalt geboten wird.”

Siehe auch
Angra dos Reis: Umweltsünden und Aberglaube rächen sich
Sommerregen macht Rio Angst
Nova Friburgo 100 Tage nach dem Desaster
Lerne die Katastrophe kennen

Informationsquelle
Rio será a cidade mais afetada por mudanças climáticas na América do Sul
Uma Introdução às ‘Ilhas de Calor’ Urbanas do Rio