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Frankreich tut sich schwer mit der sprachlichen Vielfalt


Die deutsche Schweiz macht es vor, wie man sich immer mehr in regionale Dialekte verbohren kann und dafür freiwillig auf eine kompetente Beherrschung der Muttersprache verzichtet. Frankreich hat ein anderes Problem: Es gibt Regionalsprachen, deren Existenzberechtigung von einem großen Teil der Politik und der Gesellschaft in Frage gestellt wird. Der sozialistische Spitzenkandidat für das neu zusammen gewürfelte Regionalgebilde “Alsace-Lorraine-Champagne-Ardenne” (Elsass-Lothringen-Champagne-Ardenne) und Präsident des lothringischen Regionalrates, Jean-Pierre Masseret, erklärte vor kurzem: “Sicher gibt es die Regionalsprachen. Man spricht sie und lebt sie. Sie müssen respektiert werden. Ihren Schutz aber in der Verfassung festzuschreiben führt nur zu populistischen Aufrufen und schädlicher und negativer Demagogie”.

Herr Masseret bezieht sich darauf, dass Frankreich endlich seinen gegenüber dem Europarat eingegangenen Verpflichtungen zum Schutz der Regionalsprachen nachkommen und die Verfassung entsprechend ändern will. François Hollande hatte dies bei seinem Wahlkampf 2012 versprochen. Die Ergänzung soll noch vor den bevorstehenden Regionalwahlen im Dezember durchgeführt werden. Teile der Lothringer sind wenig erfreut über die Äußerungen von Herrn Masseret. Die lothringische Partei (Parti Lorrain) und die Partei der Mosellaner (Parti des Mosellans) wollen in einem Parteienbündnis bei den nächsten Regionalwahlen antreten. Sie halten die Äußerungen von Masseret für skandalös und inakzeptabel. “Wenn Masseret als Clown auftreten und seine Späße auf diese Problematik machen will, dann sollte er eher im Zirkus auftreten als sich für die Regionalwahlen aufstellen zu lassen”, erklärt der Präsident der Parti Lorrain.

Auch im Elsass ist man empört. Nathalie Griesbeck von der Partei Modem wirft Masseret vor, dass er den Reichtum, den die regionalen Sprachen darstellten, ignoriere und dass “das Elsässische mit 700.000 Sprachkundigen, die am meisten gesprochene regionale Sprache Frankreichs sei”. Die rechtsradikale Front National, die im Elsass eine große Schar von Anhängern hat, ist gegen die verfassungsrechtliche Anerkennung. Sie beharrt darauf, dass Französisch die Sprache der Republik ist und wirft Hollande mit der Änderung der Verfassung so etwas wie Landesverrat vor.

Die elsässische Bewegung “Unser Land” vermutet ohnehin Sabotage bei der Verfassungsänderung und schreibt unter dem Titel “Mir lonn uns nitt verseckle!”: “Die Interpretationsklauseln, die die gesetzesvorbereitende Kommission autorisiert hat, denaturieren die Charta “made in France”. Sie gewähren keine Kollektivrechte und ändern nicht die Regel, dass im öffentlichen Dienst und im Publikumsverkehr ausschließlich französisch gesprochen wird. Das bedeutet, dass selbst die Erwähnung der regionalen Sprache versagt wird, indem man sie nicht einer Gruppe von Sprechern, einem Volk oder einem Gebiet zuordnet. Das bedeutet ein Schritt zurück statt vorwärts!”

Die kommenden Wahlen für die neu geschaffenen Regionen werden sicher sehr interessant werden. Vor allem Elsässer und Lothringer werden gezwungen darüber nachzudenken, wie sie ihre  Völker definieren und wodurch sie sich vom Rest Frankreichs abheben.

Informationsquelle
Le débat sur les langues régionales s’invite dans la campagne des élections régionales
Elections régionales : La Lorraine contre-attaque !

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