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Spätfolgen einer Umweltvergiftung machen spanischen Dörfern das Leben schwer

Bewohner von Dörfern in der Nähe des Flusses Gállego in Aragon und im Baskenland weigern sich das Wasser aus ihren Wasserleitungen zu trinken, damit zu duschen oder zu kochen. Weitere 20 Dörfer im Mündungsgebiet des Gállego in den Ebro leben mit dem durch das Pestizid Lindan vergiftetes Wasser. Wikipedia schreibt zu Lindan: “Lindan neigt zu starker Adsorption, z. B. an Algen, und ist für Wasserorganismen giftig. Da es nur langsam abgebaut wird und relativ stark lipophil ist, reichert es sich stark in der Nahrungskette des Menschen vor allem über Fische an. Lindan darf daher ungebunden unter keinen Umständen in die Umwelt gelangen. Die Substanz steht darüber hinaus im Verdacht, krebserregend zu sein. Zusammen mit anderen Insektiziden auf Basis chlorierter Kohlenwasserstoffe wird Lindan als Mitauslöser der Parkinson-Krankheit diskutiert.”

Die spanische Umweltbewegung “Ecologistas en Acción” (EA) schrieb bereits im September 2012: “Es ist unglaublich, dass eine der weitreichendsten Umweltvergiftungen Westeuropas fast unbekannt geblieben ist und dass, obwohl bereits 37 Jahre seit Beginn der Verschmutzung vergangen sind, die Folgen immer noch aktiv sind und die Situation Tag für Tag gefährlicher wird.” Verantwortlich dafür ist das inzwischen geschlossene Unternehmen Inquinosa, zu dem EA schreibt: “Die Fabrik von Inquinosa in Sabiñánigo (Huesca) produzierte während 14 Jahren Lindan, von 1975 bis 1989, bis der Rat für Territorialverwaltung der Regierung von Aragón ihre Schließung verkündete. In Wirklichkeit funktionierte sie aber bis 1994 weiter: Mit der Entschuldigung, dass aus Frankreich gelieferte Produkte aufgearbeitet und verpackt werden müssten, betrieb die Fabrik bis zur ihrer Schließung undurchsichtige Aktivitäten.”

Inzwischen weiß man, dass hier nicht nur ein ungeheurer Umweltskandal stattfand, sondern dass seine Spätfolgen immer mehr zu einer Gefährdung der Lebensgrundlagen für Teile der Bevölkerung Aragóns wird. Bewohner, die inzwischen beim Petitionsausschuss des Europaparlaments vorstellig geworden sind, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen und Taten zu fordern. In ihrer Klage schreiben sie: “Die Fabrik wurde 1994 geschlossen und hinterließ Tausende von Tonnen von Lindan. All die Reste werden unzulänglich gelagert, an ungeeigneten Plätzen, ohne dass sie so versiegelt sind, dass keine Lecks und Auswaschungen erfolgen. Und all dies erfolgt im Quellgebiet des Gállego, so dass der ganze Flusslauf vergiftet ist.”

Ähnliche Sorgen haben die Bewohner von Barakaldo im Baskenland. Auch hat sich eine Bürgerbewegung an den europäischen Petitionsausschuss genannt. Sie erklären, dass der Stausee Oiola, der etwa 100.000 Menschen mit Trinkwasser versorgt, hochgradig mit Lindan verseucht ist. Als letzte Hoffnung bliebe nur noch das Europaparlament, denn die zuständigen spanischen Behörden würden die Betroffenen systematisch im Unklaren über den Grad der Gefährdung lassen.

Wurde jemand dafür zur Rechenschaft gezogen? Radio Huesca berichtete Ende September dazu: “Die illegalen Müllablagerungen von Inquinosa in den Jahren 70 und 80 sind weiterhin nicht gelöst. Es war das größte Umweltdesaster in der Provinz Huesca. Niemand hat dafür zahlen müssen. Das Unternehmen erklärte sich bankrott und die Behörden, die eine hochgefährliche Tätigkeit hätten kontrollieren sollen, haben keinerlei Verantwortung übernommen. Heute erinnert uns das Wasser des Gallego weiter an die giftige Hinterlassenschaft. Sogar die Autobahn in der Nähe von Sabiñánigo musste wegen dem Lindan in der Streckenführung geändert werden. Es gab ein Gerichtsverfahren, aber weder kam es zu Schadensersatzzahlungen noch wurde jemand bestraft. Letztendlich belastet das vergiftete Erbe, das jetzt die Regierung von Aragón abwickeln muss, alle Bewohner Aragóns.”

So sind Jahrzehnte nach Beginn der Produktion des Umweltgiftes die Spätfolgen zu fühlen. Die spanische Regierung hat dies geduldet und heute gibt es niemanden mehr, den man wirklich für die Folgen haftbar machen kann. Die Regierung sieht sich scheinbar nicht einmal jetzt in der Lage den Bewohner die mindeste Hilfestellung zukommen zu lassen.  Im Gegenteil versucht zum Beispiel die Regierung von Aragón mit beschönigenden Informationen die Katastrophe zu verschleiern. Für die Betroffenen bleibt nur noch die Hoffnung auf Europa.


Informationsquelle
Lindano, la herencia maldita | Ecologistas en Acción
Europa estudiará otro caso de agua contaminada por lindano en España
El lindano de Inquinosa, un delito medioambiental impune

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