Direkt zum Hauptbereich

Aus lothringischer Sicht: Elsass, nein danke, nicht mit euch!

Die regionale Neuordnung Frankreichs sieht vor, dass Lothringen mit dem Elsass und der Champagne zusammen eine neue Region bildet. Dabei geht die Pariser Planungsbürokratie nicht nach historischen Gegebenheiten vor, sondern nach Merkmalen der Kostenersparnis im Rahmen einer Regionalisierung. Das Elsass ist wegen der Missachtung seiner Region, für das es mehr Respekt und Selbständigkeit fordert, bereits auf den Barrikaden und nicht viel anders sieht es in Lothringen aus. Die Plattform engagierter lothringischer Blogger (Groupe BLE Lorraine) hat unter dem Titel: “Für eine Einheitsrat von Lothringen: Elsass, Champagne, nein danke!” gegen die Pläne protestiert.

BLE stellt fest, dass nach den Plänen der Pariser Zentralisten Lothringen mit der Champagne oder dem Elsass oder mit beiden zusammen fusioniert werden sollte. Dabei verfüge Lothringen über eine Fläche, die 3/4 von Belgien entspreche und weit über die Größe des Saarlandes und von Rheinland-Pfalz hinausgehe. “Der Unterschied zu unseren Nachbarn ist nicht die Frage einer kritischen Größe, sondern der Zuordnung von Kompetenzen und Souveränitätsrechten. Korsika hat nur 300.000 Einwohner und bleibt eine Region für sich. Muss man Bomben legen und Attentate begehen, um wahrgenommen zu werden? Wenn das der Fall sein sollte, dann läuft es einem kalt den Rücken herunter!  Andererseits wirft die Methode, Fusionen zu verschreiben und regionale Landschaften ohne die geringste Bürgerbeteiligung durchzusetzen erhebliches Legitimitätsprobleme auf. Eine solche Zwangsmaßnahme ist eine Beleidigung gegenüber den Menschen, eine totale Missachtung.”  “Das ist keine Demokratie”, endet BLE diese Ausführungen auf deutsch.

Warum werden diese Region nun von den Parisern in einen Topf geworfen? BLE schreibt: “Schauen wir uns die Möglichkeit einer Fusion Elsass-Lothringen an. Die Assoziierung dieser beiden Regionen mit starker eigener, oft gegensätzlicher Identität hat nichts selbstverständliches wie man von Paris aus denken könnte. In seiner 3.000-jährigen Geschichte erschien der Begriff “Elsass-Lothringen” erst nach dem Krieg von 1870-71, nachdem das Deutsche Reich den Nord-Osten Lothringens und das Elsass annektiert hatte. Ein Großteil der republikanischen, französischen Mythologie wurde um diese “verlorenen Provinzen” konstruiert, indem man ihre Eigenheiten ignorierte. Heute ist Lothringen auf Luxemburg, das Saarland und Belgien ausgerichtet, während das Elsass nach Osten in Richtung Baden-Württemberg und die Schweiz schaut. “Elsass-Lothringen” war nie und wird nie eine wünschenswerte Gemeinschaft für ihre jeweiligen Einwohner sein”.

Hinzu kommen atmosphärische Störungen zwischen Elsässern und Lothringern. BLE wirft den Elsässern vor, dass diese über Grenzverschiebungen zur Vergrößerung ihrer Region zu Lasten Lothringens nachdächten und damit Lothringen als Einheit zerstören würden. Darin sieht BLE erneut die Hinterhältigkeit der Elsässer: “Wieder einmal erkennt man sehr gut die Talente des Elsass. Sie haben es fertiggebracht die Leuten glauben zu machen, dass die Störche und der Munster (Münsterkäse) rein elsässisch sind, während man die ersteren überall sehen kann und das zweite zu 95% ein Produkt Lothringens ist.”

Die Schlussfolgerung der lothringischen Blogger: “BLE weist auf das obskure und jeder wirtschaftlichen und regionalen Logik entbehrende Geschachere hin. Die zusammengeschnipselte Karte der Regionen ist eine Karikatur von Demokratie und Dezentralisierung. Das ist der Grund dafür, dass BLE sich, weil ein Groß-Lothringen sich auf die Kürze der Zeit nicht herstellen lässt, für die Schaffung eines Einheitsrates von Lothringen einsetzt und die Idee einer Fusion Lothringens mit einer Nachbarregion zurückweist.”

Es scheint immer wieder ein wenig der Neid auf die benachbarten deutschen Bundesländer durch, die eben doch einiges auf ihrer regionalen Ebene lösen können und damit eine eigene Identität haben. Das föderalistische Modell ist allerdings für die “Pariser Jakobiner” eher eine Katastrophenvision für Frankreich, weshalb auch alles getan wird, um die Reorganisierung der Regionen als eine rein verwaltungstechnische Maßnahme hinzustellen.

Informationsquelle
Pour un Conseil Unique de Lorraine : Alsace, Champagne, non merci !

Beliebte Beiträge

Brasilianer erfahren, dass ihnen Gammelfleisch serviert wird

Gestern hat die brasilianische Bundespolizei unter dem  Decknamen “Operation schwaches Fleisch” (Operação Carne Fraca) eine Razzia in mehreren Bundesstaaten gestartet. Ziele waren die Fleischfabriken von JBS (Friboi), BRF (Sadia/Perdigão) und Seara. JBS gehört zu den weltweit größten Lebensmittelkonzernen, BRF wird zu den 50 wertvollsten Unternehmen Brasiliens gezählt und Seara war einer der offiziellen Sponsoren der Fußball-WM 2014.

Nach Mitteilung der Bundespolizei haben lokale Aufsichtsbehörden des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft die Unternehmen bevorteilt zu Lasten des öffentlichen Interesses. Die beschuldigten Beamten und Politiker hätten ihre Ämter genutzt, um gegen Bestechung falsch deklarierte Lebensmittel mittels der Herausgabe von Unbedenklichkeitszertifikaten zu ermöglichen, ohne dass die Qualität der Produkte tatsächlich überprüft wurde. Mit diesen gefälschten Zertifikaten verkauften laut Bundespolizei die genannten Unternehmen Fleisch, dessen G…

Eine Autobahn durch die Karpaten, das wünschen sich viele

Rumänien hat eine neue Regierung und wieder einmal verspricht diese der Bevölkerung endlich die seit langem gewünschten Autobahnen zu bauen. Unter anderem steht die Karpatenquerung zwischen Kronstadt / Brasov über Comarnic nach Bukarest an oberster Stelle der Prioritätenliste. Comarnic ist eine Kleinstadt am Südrand der Karpaten, während Kronstadt in Siebenbürgen am nördlichen Karpatenrand liegt.

Wer gerne wissen möchte, wie zur Zeit die Situation auf einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Siebenbürgen und dem südlichen Rumänien aussieht, dem sei der nachstehende Artikel in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien empfohlen:

Das Programm der Sozialdemokratischen Partei (PSD), die in Allianz mit ALDE die neue Regierung stellt, nachdem sie vom Parlament und Staatspräsident Klaus Johannis eingesetzt wurde, sieht die Gründung eines eigenstaatlichen Fonds für Investitionen und Entwicklung (Fondul Suveran de Investiţii şi Dezvoltare) in Höhe von zehn Milliarden Euro für d…

Rumäniens erfinderische Polit-Gauner

Rumäniens sozialdemokratische Partei (PSD), Wahlsiegerin bei den letzten Wahlen, testet einen neuen Holzweg. Da einige ihre Mitglieder keine saubere Westen haben und in Korruptionsverfahren stecken oder schon verurteilt sind, haben sie darüber nachgedacht wie man den lästigen Korruptionsparagraphen im Strafgesetzbuch die Schärfe nehmen könnte. Der neue Ministerpräsident hat deshalb in einer Notverordnung (!) festgelegt, dass eine Bestechung bis zur Höhe von 45.000 Euro nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden soll. Die Notverordnung muss noch im Gesetzblatt veröffentlicht werden.

Das war vielen Rumänen nun doch ein Stück zu dick. Die Straßenproteste, an denen sich Staatspräsident Johannis beteiligte, nehmen zu und es zeichnet sich ab, dass die Notverordnung nicht so einfach durchkommen wird. Inzwischen hat auch die EU aufgemerkt, denn Rumänien steht immer noch in einem Monitoring-Verfahren bezüglich des Kampfes gegen die Korruption. Die Demonstranten haben also …

Kälte und Angst lassen Frankreich zittern

Derzeit herrschen grausame Minus-Temperaturen in Frankreich, die Bevölkerung dreht die beliebten elektrischen Heizungen auf Hochtouren und verursacht damit auch noch die Angst, dass plötzlich das ganze Stromnetz kollabieren könnte. Diese Woche wird das Thermometer in Frankreich nicht über 0 Grad klettern. Das für die Stromnetze verantwortliche Unternehmen RTE gibt bekannt, dass man sich einem historischen Höchststand beim Elektrizitätsverbrauch nähere. Und das zu einer Zeit, in der 5 Atomkraftwerke wegen Sicherheitsmängel abgeschaltet sind. RTE bezeichnet die Situation als fragil, rechnet aber nicht mit Zusammenbrüchen im Stromnetz. Man werde Strom aus den Nachbarländern importieren, vorsorglich die Versorgung von 21 Industrieanlagen mit extrem hohen Stromverbrauch abschalten und die Spannung im Netz verringern.

Ein wichtiger Grund für den Notstand sind die vielen stromfressenden Elektroheizungen in Frankreich. In den glorreichen Zeiten der Atomenergie, in denen man in…

WM 2014 im brasilianischen Hinterland: Der Spaß ist vorbei, der Ärger bleibt

Die FIFA WM 2014 ist Sportgeschichte. Was bleibt sind die Trümmer in finanzieller und tatsächlicher Art. Im Februar 2014 hatte ich einen Beitrag über den WM-Ort Manaus, der Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Amazonas, geschrieben. Unter anderem habe ich dazu ausgeführt:
Für die 4 Spiele wurde ein neues Stadion gebaut, die Arena Amazonia. Ein bereits existierendes älteres Stadion wurde abgerissen, weil es den Anforderungen der FIFA nicht genügte. Den brasilianischen Staat kostete das 600 Millionen Real (etwa 187 Millionen Euro) und keiner weiß, was man nach den 4 Spielen mit dem Stadion anfangen soll. In diesem Zusammenhang wurde auch der Flughafen ausgebaut, für den eine große unter Naturschutz stehende Fläche entwaldet und ein Fluss unterirdisch verlegt wurde.  Für den Bau des Stadions starben 4 Bauarbeiter. Gegen das ausführende Bauunternehmen läuft seit einiger Zeit ein Schadensersatzprozess. 

Die Sportausgabe der Zeitung “O Estado de São Paulo” (Estadão) hat s…

Wie weit darf Orban in der Flüchtlingspolitik noch gehen?

Der Pester LLoyd berichtet unter dem Titel “Konzentrationslager in der EU: Ungarn will alle Flüchtlinge internieren”:
Orbáns Kabinettschef János Lázár verkündete die automatische Internierung aller Asylsuchenden und "Eindringlinge" in Lager am Donnerstag auf der ersten Regierungspressekonferenz des Jahres. Sein Chef, der Premier, verteidigte zur gleichen Zeit einige Hundert neue "Grenzjäger" und erklärte wiederum sämtliche Flüchtlinge als Gewaltverbrecher und Terroristen. Die KZ´s kehren in die EU ein. Wird diese etwas dagegen unternehmen?

Ungarn ist EU-Mitglied und Mitglied des Europarats. Es hat sich in der Europäischen Menschenrechtscharta verpflichtet, die Menschenrechte zu respektieren. Diese werden von der Rechtsregierung in Ungarn schon länger mit den Füßen getreten, allerdings immer hart an der Linie, bei der die Zauderer in der EU meinen, dass es schon nicht so schlimm kommen werde. Und das obwohl die ungarische Regierung inzwischen schon all…