Samstag, 25. Oktober 2014

Aus lothringischer Sicht: Elsass, nein danke, nicht mit euch!

Die regionale Neuordnung Frankreichs sieht vor, dass Lothringen mit dem Elsass und der Champagne zusammen eine neue Region bildet. Dabei geht die Pariser Planungsbürokratie nicht nach historischen Gegebenheiten vor, sondern nach Merkmalen der Kostenersparnis im Rahmen einer Regionalisierung. Das Elsass ist wegen der Missachtung seiner Region, für das es mehr Respekt und Selbständigkeit fordert, bereits auf den Barrikaden und nicht viel anders sieht es in Lothringen aus. Die Plattform engagierter lothringischer Blogger (Groupe BLE Lorraine) hat unter dem Titel: “Für eine Einheitsrat von Lothringen: Elsass, Champagne, nein danke!” gegen die Pläne protestiert.

BLE stellt fest, dass nach den Plänen der Pariser Zentralisten Lothringen mit der Champagne oder dem Elsass oder mit beiden zusammen fusioniert werden sollte. Dabei verfüge Lothringen über eine Fläche, die 3/4 von Belgien entspreche und weit über die Größe des Saarlandes und von Rheinland-Pfalz hinausgehe. “Der Unterschied zu unseren Nachbarn ist nicht die Frage einer kritischen Größe, sondern der Zuordnung von Kompetenzen und Souveränitätsrechten. Korsika hat nur 300.000 Einwohner und bleibt eine Region für sich. Muss man Bomben legen und Attentate begehen, um wahrgenommen zu werden? Wenn das der Fall sein sollte, dann läuft es einem kalt den Rücken herunter!  Andererseits wirft die Methode, Fusionen zu verschreiben und regionale Landschaften ohne die geringste Bürgerbeteiligung durchzusetzen erhebliches Legitimitätsprobleme auf. Eine solche Zwangsmaßnahme ist eine Beleidigung gegenüber den Menschen, eine totale Missachtung.”  “Das ist keine Demokratie”, endet BLE diese Ausführungen auf deutsch.

Warum werden diese Region nun von den Parisern in einen Topf geworfen? BLE schreibt: “Schauen wir uns die Möglichkeit einer Fusion Elsass-Lothringen an. Die Assoziierung dieser beiden Regionen mit starker eigener, oft gegensätzlicher Identität hat nichts selbstverständliches wie man von Paris aus denken könnte. In seiner 3.000-jährigen Geschichte erschien der Begriff “Elsass-Lothringen” erst nach dem Krieg von 1870-71, nachdem das Deutsche Reich den Nord-Osten Lothringens und das Elsass annektiert hatte. Ein Großteil der republikanischen, französischen Mythologie wurde um diese “verlorenen Provinzen” konstruiert, indem man ihre Eigenheiten ignorierte. Heute ist Lothringen auf Luxemburg, das Saarland und Belgien ausgerichtet, während das Elsass nach Osten in Richtung Baden-Württemberg und die Schweiz schaut. “Elsass-Lothringen” war nie und wird nie eine wünschenswerte Gemeinschaft für ihre jeweiligen Einwohner sein”.

Hinzu kommen atmosphärische Störungen zwischen Elsässern und Lothringern. BLE wirft den Elsässern vor, dass diese über Grenzverschiebungen zur Vergrößerung ihrer Region zu Lasten Lothringens nachdächten und damit Lothringen als Einheit zerstören würden. Darin sieht BLE erneut die Hinterhältigkeit der Elsässer: “Wieder einmal erkennt man sehr gut die Talente des Elsass. Sie haben es fertiggebracht die Leuten glauben zu machen, dass die Störche und der Munster (Münsterkäse) rein elsässisch sind, während man die ersteren überall sehen kann und das zweite zu 95% ein Produkt Lothringens ist.”

Die Schlussfolgerung der lothringischen Blogger: “BLE weist auf das obskure und jeder wirtschaftlichen und regionalen Logik entbehrende Geschachere hin. Die zusammengeschnipselte Karte der Regionen ist eine Karikatur von Demokratie und Dezentralisierung. Das ist der Grund dafür, dass BLE sich, weil ein Groß-Lothringen sich auf die Kürze der Zeit nicht herstellen lässt, für die Schaffung eines Einheitsrates von Lothringen einsetzt und die Idee einer Fusion Lothringens mit einer Nachbarregion zurückweist.”

Es scheint immer wieder ein wenig der Neid auf die benachbarten deutschen Bundesländer durch, die eben doch einiges auf ihrer regionalen Ebene lösen können und damit eine eigene Identität haben. Das föderalistische Modell ist allerdings für die “Pariser Jakobiner” eher eine Katastrophenvision für Frankreich, weshalb auch alles getan wird, um die Reorganisierung der Regionen als eine rein verwaltungstechnische Maßnahme hinzustellen.

Informationsquelle
Pour un Conseil Unique de Lorraine : Alsace, Champagne, non merci !