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São Paulo droht Wassernotstand und die Politik zeigt sich furchtlos

Brasiliens nationale Agentur für Wasser (Agência Nacional de Águas; ANA) schlägt Alarm wegen der Wasserversorgung der Metropole São Paulo. Die Stadt wird hauptsächlich von einem im Cantareira-Gebirge nördlich von São Paulo gelegenen Stausee-Verbund versorgt. Das Wasserversorgungssystem trägt den Namen “Sistema Cantareira”. Bereits seit längerem zeichnet sich ab, dass der Wasserstand in diesen Stauseen auf ein Rekordtief gesunken ist. Die derzeitige Wasserreserve im “Sistema Cantareira” liegt bei 15,8% seiner Kapazität. Dies ist der geringste Stand in der Geschichte der Wasserversorgung von São Paulo. ANA schätzt, dass beim derzeitigen Verbrauch und bei Ausbleiben von Regenfällen im August die Stadt kein Wasser mehr haben wird.

Aus diesem Grund hat ANA und die Abteilung für Wasser und Energie des Bundesstaates São Paulo vor kurzem angekündigt, dass der Wasserzufluss aus dem Cantareira-System auf 27 m³/s für Groß-São Paulo und auf 3 m³/s für Campinas und die umliegende Region gedrosselt wird. Dabei gehen die Verantwortlichen aber davon aus, dass diese Maßnahme unzureichend sein wird. Sollte man die bisherige Wasserentnahme beibehalten, gäbe es in 5 Monaten kein Wasser mehr für den Großraum São Paulo mit seinen 10 Millionen Einwohnern. Selbst wenn es wieder regnen würde, würde das System bis Dezember auf höchstens 5% seine Kapazität kommen, weil die Wasserentnahme sich auf das doppelte gegenüber dem Wasserzufluss beläuft.

Der Gouverneur des Staates São Paulo, Geraldo Alckmin, und die Wassergesellschaft Sabesp zeigen sich davon unbeeindruckt. Sie lehnen eine Rationierung des Wassers für die Stadt ab. Gestern hat RBA, ein Konsortium mehrerer Gemeinden  aus dem Wasserzufluss-Gebiet der Flüsse Rio Piracicaba, Capivari und Jundiaí diese Untätigkeit heftig kritisiert. Die Regierung Alckmin “erwecke den falschen Eindruck, dass der Großraum São Paulo völlig geschützt sei und über ein System verschiedener Talsperren, die miteinander verbunden sind, verfügt, die seine Versorgung mit Wasser jederzeit sicher stellen können”. Nach Ansicht des Konsortiums gibt es zwar diese Wasserreservoirs, die aber völlig unzureichend seien, vor allem in Zeiten langer Trockenheit den Großraum São Paulo zu versorgen. Die Meinung von RBA ist: “Es gibt eine klare Notwendigkeit, dass die Region noch andere Möglichkeiten der Wasserversorgung findet”.

Sabesp, der Wassergesellschaft von São Paulo wird vorgeworfen, die notwendigen Investitionen zur Verbesserung der Wasserversorgung in den letzten Jahren nicht vorgenommen zu haben. Geplant seit 1960 ist der Baus eines Talsperren-Systems im Vale do Ribeira, die die Wasserversorgung São Paulo’s erheblich verbessert haben würde. Bis heute gibt es sie nicht. Die Vorsichtsmaßnahme, eine Einschränkung des Wasserverbrauchs, will Gouverneur Alckmin nicht. Er und seine Mannschaft wollen erst einmal abwarten, ob die anstehende Regenzeit nicht doch genügend Regen bringt. In São Paulo sind demnächst Wahlen und ein neuer Gouverneur soll gewählt werden, da kommt es nicht gut an, wenn man den Menschen Einschränkungen auferlegt. Lieber hofft man dann darauf, dass der Himmel die Kurve kriegt und es regnen lässt. Das ist allerdings eher die Mentalität eines Roulettspielers wie die eines verantwortungsbewussten Politikers.

Informationsquelle
Editorial: Água em estado crítico – Folha

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