Montag, 10. März 2014

Katholische Kirche will sich die Mezquita von Cordoba unter den Nagel reissen

Die Mezquita im andalusischen Cordoba ist Weltkulturerbe der UNESCO. Gebaut wurde sie 785 in der Zeit des Kalifats von Córdoba. Sie gilt heute neben der Alhambra in Granada als eine der bedeutendsten Werke der andalusischen Architektur. Nach der Reconquista haben die christlichen Eroberer mit brutaler architektonischer Gewalt eine Kathedrale mitten ins Herz der Mezquita gestellt. Gleichzeitig hat damit die Kirche ihren Besitzanspruch an dem Monument geltend gemacht. Damals machte es keinen Unterschied, ob das nun Kirche oder Staat war, denn für Spanien und seine katholischen Könige war Kirche und Staat schließlich eins.

Seit 2006 gibt es einen Streit, wem die Mezquita eigentlich gehört. Damals eröffnete die Aznar-Regierung die Möglichkeit, dass die Kirche sich selbst als Eigentümer in das Grundbruch eintragen konnte. Auf diese Weise hatte ein Bischof die Gelegenheit die Eigentumsverhältnisse ähnlich einem Notar festzulegen, was der Bischof von Córdoba auch ausnutzte. Seither trug auch das Weltkulturerbe nicht mehr den Titel "Mezquita", sondern "Kathedrale von Córdoba - ehemalige Mezquita" (Catedral de Córdoba-Antigua Mezquita). Der reaktionäre Flügel des spanischen Katholizismus wollte das islamische Erbe möglichst klein halten. Im Gefolge wurde eine Gruppe von Mohammedanern unter Polizeieinsatz daran gehindert in der Mezquita zu beten. Die Kathedrale, die nun von den Katholiken so inbrünstig nach vorne gestellt wird, ist mit Sicherheit die Bezeichnung Weltkulturerbe nicht wert. Als Karl V. das Ergebnis des Umbaus im Jahre 1523 sah, soll er gesagt haben: „Ich wusste nicht, um was es sich hier handelte. Denn wenn ich es gewusst hätte, hätte ich nicht erlaubt, dass man Hand an das alte Gebäude legt. Ihr habt getan, was möglich war, etwas erbaut, was es andernorts schon gibt, und dafür habt ihr etwas zerstört, was einmalig in der Welt war“.

Die Eiferer sind dabei, dieses Zerstörungswerk auch geistig fortzusetzen. Was auch immer sie noch vorhaben, sie wollen sich dabei auf ihr Eigentumsrecht berufen. Die andalusische Regierung will nun der katholischen Kirche dieses Recht streitig machen und sieht sich sofort heftigen Angriffen von rechten Kreisen in der Kirche ausgesetzt. Diese empören sich, dass man die Kirche hier enteignen wolle. Ein Kollektiv der extremen Linken mit feministischen, antikapitalistischen und antiimperialistischen Ideen solle dahinter stecken. Ende Februar erklärte die Regierung Andalusiens, dass sie alle Möglichkeiten, eingeschlossen der juristischen prüfen werde, um zu garantieren, dass die Mezquita ein öffentliches Gut bleibe. Zu diesem Zweck bot sie der katholischen Kirche einen Dialog an, um ein Übereinkommen zu finden.

Ein Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern hat jetzt den Ombudsmann des Andalusischen Volkes aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, die eine juristische, symbolische oder wirtschaftliche Aneigung des Weltkulturerbes durch das Bistum Córdoba verhindern soll. Die Plattform, die 148.000 Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt hatte, spricht ihre große Sorge darüber aus, dass das Monument seinen universalen Charakter verliert, da es bereits einen Teil seines andalusischen Erbes durch die Entfernung des Begriffes "Mezquita" aus allen Dokumenten verloren habe. Die Geschichte der Mezquita sei eindeutig aus einer rein konfessionellen Sichtweise verdreht worden. Dabei sei die Mezquita zum Weltkulturerbe erklärt worden, weil sie auf außerordentliche Weise eine universelle Eintracht unter den Kulturen symbolisiere.

Informationsquelle
Córdoba: por treinta euros, la Iglesia se apoderó de la Mezquita. - Blog Negro sobre Blanco