Direkt zum Hauptbereich

Katholische Kirche will sich die Mezquita von Cordoba unter den Nagel reissen

Die Mezquita im andalusischen Cordoba ist Weltkulturerbe der UNESCO. Gebaut wurde sie 785 in der Zeit des Kalifats von Córdoba. Sie gilt heute neben der Alhambra in Granada als eine der bedeutendsten Werke der andalusischen Architektur. Nach der Reconquista haben die christlichen Eroberer mit brutaler architektonischer Gewalt eine Kathedrale mitten ins Herz der Mezquita gestellt. Gleichzeitig hat damit die Kirche ihren Besitzanspruch an dem Monument geltend gemacht. Damals machte es keinen Unterschied, ob das nun Kirche oder Staat war, denn für Spanien und seine katholischen Könige war Kirche und Staat schließlich eins.

Seit 2006 gibt es einen Streit, wem die Mezquita eigentlich gehört. Damals eröffnete die Aznar-Regierung die Möglichkeit, dass die Kirche sich selbst als Eigentümer in das Grundbruch eintragen konnte. Auf diese Weise hatte ein Bischof die Gelegenheit die Eigentumsverhältnisse ähnlich einem Notar festzulegen, was der Bischof von Córdoba auch ausnutzte. Seither trug auch das Weltkulturerbe nicht mehr den Titel "Mezquita", sondern "Kathedrale von Córdoba - ehemalige Mezquita" (Catedral de Córdoba-Antigua Mezquita). Der reaktionäre Flügel des spanischen Katholizismus wollte das islamische Erbe möglichst klein halten. Im Gefolge wurde eine Gruppe von Mohammedanern unter Polizeieinsatz daran gehindert in der Mezquita zu beten. Die Kathedrale, die nun von den Katholiken so inbrünstig nach vorne gestellt wird, ist mit Sicherheit die Bezeichnung Weltkulturerbe nicht wert. Als Karl V. das Ergebnis des Umbaus im Jahre 1523 sah, soll er gesagt haben: „Ich wusste nicht, um was es sich hier handelte. Denn wenn ich es gewusst hätte, hätte ich nicht erlaubt, dass man Hand an das alte Gebäude legt. Ihr habt getan, was möglich war, etwas erbaut, was es andernorts schon gibt, und dafür habt ihr etwas zerstört, was einmalig in der Welt war“.

Die Eiferer sind dabei, dieses Zerstörungswerk auch geistig fortzusetzen. Was auch immer sie noch vorhaben, sie wollen sich dabei auf ihr Eigentumsrecht berufen. Die andalusische Regierung will nun der katholischen Kirche dieses Recht streitig machen und sieht sich sofort heftigen Angriffen von rechten Kreisen in der Kirche ausgesetzt. Diese empören sich, dass man die Kirche hier enteignen wolle. Ein Kollektiv der extremen Linken mit feministischen, antikapitalistischen und antiimperialistischen Ideen solle dahinter stecken. Ende Februar erklärte die Regierung Andalusiens, dass sie alle Möglichkeiten, eingeschlossen der juristischen prüfen werde, um zu garantieren, dass die Mezquita ein öffentliches Gut bleibe. Zu diesem Zweck bot sie der katholischen Kirche einen Dialog an, um ein Übereinkommen zu finden.

Ein Zusammenschluss von Bürgerinnen und Bürgern hat jetzt den Ombudsmann des Andalusischen Volkes aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen, die eine juristische, symbolische oder wirtschaftliche Aneigung des Weltkulturerbes durch das Bistum Córdoba verhindern soll. Die Plattform, die 148.000 Unterschriften für ihr Anliegen gesammelt hatte, spricht ihre große Sorge darüber aus, dass das Monument seinen universalen Charakter verliert, da es bereits einen Teil seines andalusischen Erbes durch die Entfernung des Begriffes "Mezquita" aus allen Dokumenten verloren habe. Die Geschichte der Mezquita sei eindeutig aus einer rein konfessionellen Sichtweise verdreht worden. Dabei sei die Mezquita zum Weltkulturerbe erklärt worden, weil sie auf außerordentliche Weise eine universelle Eintracht unter den Kulturen symbolisiere.

Informationsquelle
Córdoba: por treinta euros, la Iglesia se apoderó de la Mezquita. - Blog Negro sobre Blanco

Beliebte Beiträge

Gibraltar, Ostereier und des britischen Patrioten kriegerischer Abgang aus Europa

Scheinbar hat die britische Regierung bei ihrem nun formell erklärten Abgang aus der EU Gibraltar vergessen, genauso wie sie sich bisher wenig Gedanken um Nordirland und Schottland gemacht hat. Gibraltar, der kleine Felsen in Südspanien, der stolz für die kümmerlichen Reste des britischen Reiches steht. Richard Murphy, anerkannter Finanzfachmann, schreibt auf seinem Blog “Tax Research UK”, was er von dieser seltsamen Kolonie hält:

“Gibralter ist ein Außenposten einer Zeit, die immer noch in Köpfen ähnlich denen von William Hague existiert. Es ist ein Überbleibsel aus der Zeit des Empire und des Kolonialismus, das keinen Platz in einem modernen Europa hat, in welchem das Vereinigte Königreich (UK) offensichtlich nicht Teil sein will. Es wurde geschaffen als Steueroase und ist ein Zentrum für Offshore-Wettbüros. Das Erste ist ein Versuch zur Unterminierung der globalen Wirtschaft und der legitimen Steuereinkommen demokratisch gewählter Regierungen. Das Zweite ist verbunden m…

Eine Autobahn durch die Karpaten, das wünschen sich viele

Rumänien hat eine neue Regierung und wieder einmal verspricht diese der Bevölkerung endlich die seit langem gewünschten Autobahnen zu bauen. Unter anderem steht die Karpatenquerung zwischen Kronstadt / Brasov über Comarnic nach Bukarest an oberster Stelle der Prioritätenliste. Comarnic ist eine Kleinstadt am Südrand der Karpaten, während Kronstadt in Siebenbürgen am nördlichen Karpatenrand liegt.

Wer gerne wissen möchte, wie zur Zeit die Situation auf einer der wichtigsten Verkehrsverbindungen zwischen Siebenbürgen und dem südlichen Rumänien aussieht, dem sei der nachstehende Artikel in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien empfohlen:

Das Programm der Sozialdemokratischen Partei (PSD), die in Allianz mit ALDE die neue Regierung stellt, nachdem sie vom Parlament und Staatspräsident Klaus Johannis eingesetzt wurde, sieht die Gründung eines eigenstaatlichen Fonds für Investitionen und Entwicklung (Fondul Suveran de Investiţii şi Dezvoltare) in Höhe von zehn Milliarden Euro für d…

Rumänien und die Europäische Union

Rumänien ist jetzt seit 10 Jahren Mitglied der Europäischen Union. Der Journalist und Politikwissenschaftler Cristian Preda hat auf der Webseite der Zeitung "Adevarul" unter dem Titel "Rumänien in der EU: Ein Jahrzehnt, drei Herausforderungen" eine Zusammenfassung des bisher Erreichten geschrieben, die ich anliegend in Auszügen wiedergebe:

Wir sind jetzt schon 10 Jahre in der Europäischen Union. Die wirtschaftliche Bilanz ist positiv: Das Bruttosozialprodukt hat sich verdoppelt, der Durchschnittslohn ist um 66% gestiegen, wir haben etwa 25 Milliarden Euro an Hilfen erhalten. Politisch stehen wir nicht so gut da. 

Ich gehe hier auf 3 Punkte ein.

Der erste Punkt ist der "Mechanismus der  Zusammenarbeit und Verifizierung" (MCV). Er wurde als Kompromiss eingerichtet, damit wir am 1. Januar 2007 der EU beitreten konnten. Bei diesem Mechanismus MCV ging es um das Funktionieren der Justiz. Im Lauf der 10 Jahre haben nur wenige geglaubt, dass die Reform dieses Bere…

Brasilianer erfahren, dass ihnen Gammelfleisch serviert wird

Gestern hat die brasilianische Bundespolizei unter dem  Decknamen “Operation schwaches Fleisch” (Operação Carne Fraca) eine Razzia in mehreren Bundesstaaten gestartet. Ziele waren die Fleischfabriken von JBS (Friboi), BRF (Sadia/Perdigão) und Seara. JBS gehört zu den weltweit größten Lebensmittelkonzernen, BRF wird zu den 50 wertvollsten Unternehmen Brasiliens gezählt und Seara war einer der offiziellen Sponsoren der Fußball-WM 2014.

Nach Mitteilung der Bundespolizei haben lokale Aufsichtsbehörden des Ministeriums für Fischerei und Landwirtschaft die Unternehmen bevorteilt zu Lasten des öffentlichen Interesses. Die beschuldigten Beamten und Politiker hätten ihre Ämter genutzt, um gegen Bestechung falsch deklarierte Lebensmittel mittels der Herausgabe von Unbedenklichkeitszertifikaten zu ermöglichen, ohne dass die Qualität der Produkte tatsächlich überprüft wurde. Mit diesen gefälschten Zertifikaten verkauften laut Bundespolizei die genannten Unternehmen Fleisch, dessen G…

Kälte und Angst lassen Frankreich zittern

Derzeit herrschen grausame Minus-Temperaturen in Frankreich, die Bevölkerung dreht die beliebten elektrischen Heizungen auf Hochtouren und verursacht damit auch noch die Angst, dass plötzlich das ganze Stromnetz kollabieren könnte. Diese Woche wird das Thermometer in Frankreich nicht über 0 Grad klettern. Das für die Stromnetze verantwortliche Unternehmen RTE gibt bekannt, dass man sich einem historischen Höchststand beim Elektrizitätsverbrauch nähere. Und das zu einer Zeit, in der 5 Atomkraftwerke wegen Sicherheitsmängel abgeschaltet sind. RTE bezeichnet die Situation als fragil, rechnet aber nicht mit Zusammenbrüchen im Stromnetz. Man werde Strom aus den Nachbarländern importieren, vorsorglich die Versorgung von 21 Industrieanlagen mit extrem hohen Stromverbrauch abschalten und die Spannung im Netz verringern.

Ein wichtiger Grund für den Notstand sind die vielen stromfressenden Elektroheizungen in Frankreich. In den glorreichen Zeiten der Atomenergie, in denen man in…

Rumäniens erfinderische Polit-Gauner

Rumäniens sozialdemokratische Partei (PSD), Wahlsiegerin bei den letzten Wahlen, testet einen neuen Holzweg. Da einige ihre Mitglieder keine saubere Westen haben und in Korruptionsverfahren stecken oder schon verurteilt sind, haben sie darüber nachgedacht wie man den lästigen Korruptionsparagraphen im Strafgesetzbuch die Schärfe nehmen könnte. Der neue Ministerpräsident hat deshalb in einer Notverordnung (!) festgelegt, dass eine Bestechung bis zur Höhe von 45.000 Euro nur noch als Ordnungswidrigkeit behandelt werden soll. Die Notverordnung muss noch im Gesetzblatt veröffentlicht werden.

Das war vielen Rumänen nun doch ein Stück zu dick. Die Straßenproteste, an denen sich Staatspräsident Johannis beteiligte, nehmen zu und es zeichnet sich ab, dass die Notverordnung nicht so einfach durchkommen wird. Inzwischen hat auch die EU aufgemerkt, denn Rumänien steht immer noch in einem Monitoring-Verfahren bezüglich des Kampfes gegen die Korruption. Die Demonstranten haben also …