Montag, 31. März 2014

Klimawandel und verfehlte Energiepolitik, brasilianische Bischöfe sind besorgt

Im Nachgang zu meinem Bericht “Am Rio Madeira steht den Menschen das Wasser bis zum Hals” möchte ich die alarmierende Botschaft der Regionalkonferenz Nordwesten der brasilianischen Bischofskonferenz, veröffentlicht am 30. März, hier wiedergeben:

Wir, die Bischöfe der Region Nordwesten (Acre, Rondonia und Süden von Amazonas), versammelt in Cruzeiro do Sul, teilen unsere Erfahrungen und Sorgen in diesem schwierigen Moment für unsere Diözesen und für das ganze Volk.
Das historische Hochwasser von 2014, das hunderte von Uferdörfern und –städten überschwemmte und tausende von Familien obdachlos werden ließ sowie zahllose Äcker an den Ufern des Rio Madeira überflutete, hat uns viel Leid gebracht.
Wir wissen, dass Naturkatastrophen unser Leben auf dem Planeten seit alters her bedrohen. Die Erde ist ein lebendiger Planet, der sich ständig verändert. Wir glauben aber auch, dass es neue Faktoren wie die globale Erwärmung gibt, die die Gletscher in den Bergen schneller tauen lässt, Entwaldung und Bodenerosion, der Bau von Staudämmen, um elektrische Energie zu erzeugen.
Die Unmengen von Wasser, die aus dem Gebirge von Bolivien und Peru heruntergekommen sind, haben die Stauseen der Wasserkraftwerke von Jirau und Santo Antonio beträchtlich gefüllt. Die Konstruktion dieser Werke am oberen Madeira, abgesehen davon, dass sie um mehr als 1 Jahr hinter der Planung liegen, zeigt nach Meinung von Experten erhebliche Mängel bei der Umweltprüfung. Die Überschwemmung der Nationalstraßen 364 und 425 isolierte den Bundesstaat Acre, die Region von Guajará-Mirim und das gesamte Gebiet von Abunã. Die schwierige Versorgung seiner Bevölkerung mit Treibstoffen und Nahrungsmitteln, zeigt die Notwendigkeit neuer Umweltprüfungen.
Ohne die Anstrengungen der Regierung zur Versorgung der Bevölkerung des Landes mit einer qualitativ guten Elektrizitätsversorgung gering zu schätzen, bedauern wir die fehlende Sorgfalt bei den Studien zur Prüfung der Auswirkungen auf die Umwelt, zum Beispiel wurden die Auswirkungen auf den mittleren und unteren Madeira nicht geprüft worden. Das Fehlen des Interesses an alternativen Energien, wie die Solar- und Windenergie oder die Biomasse, die in Brasilien in Übermaß zur Verfügung stehen, lässt uns fragen: Warum?
Wir erklären hiermit unsere Unterstützung des von der Bundesjustiz von Porto Velho angestrengten öffentlichen Zivilprozesses mit dem Ziel für die vom Hochwasser am Rio Madeira betroffene Bevölkerung eine Versorgung zu erhalten, die die notwendigsten Bedürfnisse (Wohnung, Ernährung, Transport, Erziehung und Gesundheit) abdeckt.
Wir bitten die zuständigen Behörden inständig, eine neue, kritische technische Untersuchung der im Bau befindlichen Kraftwerke und ihres Einflusses auf die Umwelt und ihre sozialen Auswirkungen zu veranlassen. Sie sollte von Fachleuten und Unabhängigen durchgeführt werden. Wir bitten das Notwendige zu tun, um die Konsequenzen der Katastrophe, die das Leben und das Eigentum der Bevölkerungen der Städte Porto Velho, des Tals des Rio Madeira, von Acre und den anliegenden Regionen gefährdet, zu verhindern oder zumindest ihre Auswirkungen zu vermindern.
In diesem Moment verlangen wir zusammen mit den Behörden, dass den geschädigten Familien in Stadt und Land geholfen wird, um ihre Häuser wieder bewohnbar zu machen und dies unter dem Gesichtspunkt, dass das Recht auf Wohnung ein Verfassungsrecht ist. Die Regierung sollte Maßnahmen ergreifen, um niedrigverzinste Kredite zu ermöglichen, auch sollte ihnen Hilfestellung gegeben werden wie sie ihre Mittel fürs Leben organisieren können. Dazu gehört auch, dass die Geschädigten eine “Not-Entlohnung” erhalten.
Cuzeiro do Sul, 29. März 2014. Regionalkonferenz Nordwesten der brasilianischen Bischofskonferenz (CNBB).”

Für westliche Medien scheint die Region im Herzen Südamerikas Terra incognita zu sein. Über Katastrophen in diesen Regionen wird nicht berichtet, weil sie wohl zu wenig “sexy” sind oder zu wenig Menschen auf einen Schlag sterben. Dabei sind es Zeichen an der Wand, die vielleicht für den ganzen Planeten von Bedeutung sind. Klimawandel Hand in Hand mit der Ignoranz technischer Großprojekte gegenüber den Lebensbedingungen der Völker, dies ist die teuflische Mischung, die die Katastrophen immer unberechenbarer machen. Vielleicht sollte man den Rio Madeira auch bei uns mal zur Kenntnis nehmen. Die Metropole São Paulo steht kurz vor dem Verdursten und der brasilianische Westen ertrinkt, wenn das einmal nicht dramatisch ist.

Informationsquelle
Madeira: Bispos da CNBB criticam usinas e falam em catástrofe em RO e no Acre – Blog Combaterasismoambiental