Direkt zum Hauptbereich

Barcelona rückt Hundehaltern auf den Pelz

Spanien und die Hunde. Bis vor nicht allzu langer Zeit hatten Hunde in dem Land die Aufgabe bissig zu sein und eigenständig bei geringsten Fütterungskosten Bewachungsaufgaben zu übernehmen. Die überwiegende Zahl der Spanier hatten keine inniges Verhältnis zu ihrem Haustier. Hauptsache war, dass ein maximaler Nützlichkeitseffekt bei geringster Belastung der Halters herausguckte. Symbolisch stand dafür der Begriff “bestia”, wenn der Halter von seinem Tier sprach. Das hat sich in den letzten Jahren geändert. Vor allem in den urbanen Zentren wird der Hund immer mehr als Haustier angesehen, der auch tatsächlich im Haus oder in der Wohnung wohnt und zum Familienmitglied wird. Dafür spricht auch die steigende Zahl der Hundehalter.

In Nordosten Spaniens, in Barcelona, ist dieser Prozess schon recht weit fortgeschritten mit dem Nachteil, dass auch die Problematik einer zunehmenden Hundezahl steigt. Barcelona’s Zentrum ist eine Stadt mit nur wenig Grünflächen, da bleibt Hundebesitzern oft nur ein Asphalt-Spaziergang übrig. In der Regel lässt der Besitzer und die Besitzerin trotz der beengten Umgebung ihren Lieblingen freien Lauf. Da die sich nicht immer vertragen oder zu benehmen wissen, kommt es oft dazu, dass Hunde überfahren werden oder sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Selbstverständlich hat die Stadt schon Regeln für die Hundehalter. So gilt zur Zeit, dass der Hund auf der Straße frei laufen darf, wenn die Halter ihn “visuell” noch überwachen können und wenn er auf Befehle hört. Von letzterem ist sicher jeder Hundehalter überzeugt.

Für die Stadtverwaltung funktioniert diese Methode aber scheinbar nicht mehr. Sie bereitet eine neue Verordnung vor, die die Hundehalter verpflichtet, auf den Straßen ihre Hunde an der Leine zu führen. Zuwiderhandlungen sollen mit einer Strafe von 1.500 Euro belegt werden. Frei laufen lassen kann man die Hunde dann nur noch in einem “Pipican” oder auf Flächen, die dafür frei gegeben sind. “Pipican” ist eine Spezialität Barcelonas und der deutsche Begriff dürfte “Hundeklo” sein. In der Regel sind es ein paar eingezäunte Quadratmeter staubigen Bodens, auf denen die Hunde ihre Bedürfnisse erledigen können. Die Halter sollten dann diese Exkremente auflesen und entsorgen. Mit so etwas machen sich aber die wenigsten Mühe. Deshalb hat auch die Kleinstadt Molins de Rei im Süden Barcelona’s ein Pipican im Stile eine Parksäule mit einem Gitter rundum installiert, der Hund soll auf diesem Gitter seine Notdurft verrichten, die dann durch das Gitter in einen Behälter fallen und von der Stadtreinigung entsorgt werden. Zur Belohnung des zivilisierten Hundeverhaltens spuckt der Automat dann einen Hundekeks aus. Ob dieses System von der Hundewelt und ihren Haltern angenommen wird, ist mir nicht bekannt.

Die Barcelona soll es offiziell 33.000 Tiere in Haushalten geben, 95% davon Hunde. Man schätzt aber die Dunkelziffer auf das Dreifache. Danach sollen in etwa 20% der Haushalte Tiere gehalten werden. Der Sprecher der Stadt, Jordi Martí, begründet die geplante Verordnung damit, dass Barcelona eine tierfreundliche Stadt sein wolle, aber dass es noch ein großes Defizit des Zusammenlebens und viel unzivilisiertes Verhalten gebe. Deshalb wolle man auch zukünftigen Tierhaltern beim Erwerb von Tieren eine Erklärung abverlangen, dass sie nie wegen Tiermisshandlung oder wegen Aussetzung von Tieren bestraft worden sind. Verkauft der Händler ohne diese Erklärung, muss er mit einer Strafe von 3.000 Euro rechnen. Zudem soll eine Tiermisshandler-Register eingerichtet werden. Laut Martí gibt die Stadt im Jahr eine Million Euro für Tierheime aus.

Informationsquelle
Barcelona quiere prohibir que los perros vayan sueltos en la calle – La Vanguardia
Molins de Rei inaugura un 'pipican' que premia con galletas a los perros que lo utilizan – La Vanguardia

Beliebte Beiträge

Elsässer stimmten lustlos über die Wiedervereinigung ab

Das Elsass existiert administrativ-rechtlich im französischen Staat nicht als Einheit. Elsass ist eine historische Bezeichnung für die Region zwischen Vogesen und Oberrhein. Administrativ ist die Region in zwei Departements aufgeteilt: Bas-Rhin (Niederrhein) und Haut-Rhin (Oberrhein). Die Elsässer fühlen sich aber zumindest folkloristisch einer Region Elsass zugehörig.

Dieser Zustand hätte sich jetzt ändern sollen. Die Elsässer stimmten am Sonntag darüber ab, ob die beiden Departements administrativ zu einer Region zusammengelegt werden sollen. Daraus sollte dann ein einheitlicher Regionalrat für das Elsass entstehen. Eigentlich eine wenig weltbewegende Angelegenheit, wenn nicht damit in die vor sich hin tümpelnde elsässische Identitätsfindung neuen Schwung gekommen wäre. Wie schon lange nicht mehr wird die Stellung des Elsass in Frankreichs diskutiert. Bisher überwog das Bedürfnis einer bedingungslosen Anpassung an die französische Sprache und Kultur, obwohl das Elsass historisch ge…

Die polnischen Hetzer, die Christen und Katholiken sein wollen

Es ist immer wieder erstaunlich wie Menschen, die sich gerne auf christliche Werte berufen, mit einer Selbstverständlichkeit Fanatismus und Hass befürworten. Sie sind in der Regel Nationalisten und haben die kleinkarierte Ansicht, dass ihr universaler Gott nur für ihr Völkchen zuständig ist. Ihr Gott scheint dumm genug zu sein, um sich für ihren kleinkarierten Egoismus einspannen zu lassen. Generell sind Völker dieser Erde der Meinung, dass Gott, an den sie vorgeben fest zu glauben, scheinbar mit einer deutschen, französischen, polnischen oder saudiarabischen Flagge in der Gegend rumrennt und für jedes Volk den Hooligan gegen das andere Volk spielt.

Im christlich-katholischen Bereich treiben Vertreter der katholischen Kirche in Polen es zur Zeit besonders toll . Einer von ihnen, der Priester Jacek Miedlar, ist ein besonders geübter Hetzer, der versucht seine Kirche auf sein nationalistisches Gedankengut zu reduzieren. Thomas Dudek berichtet in einem Beitrag auf der Webse…

7 Gründe warum man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte

Journalistin Laura Stefanut von der Webseite “Romania Curata” hat 7 Gründe dafür gefunden, dass man nicht nach Rumänien auswandern oder fliehen sollte. Sie spricht zwar von Einwanderern, aber tatsächlich geht es um Flüchtlinge. Die Situation sieht für diese so aus:

Rumänien ist ein Land, aus dem Millionen Auswanderer nach Westeuropa und Nordamerika ausgewandert sind. Es ist aber kein Land, in das man auswandert. Gegenwärtig gibt es etwa 60.000 Einwanderer von außerhalb der EU im Land. Forscher der Sozialwissenschaften warnen, dass Rumänien auf eine schnelle demographischen Überalterung zusteuert, das viele Vorteile aus der Integration von Einwanderern ziehen könnte. Aber trotz aller Warnungen und Forschungen hat der Staat wenig sinnvolles in diese Richtung getan. Vor kurzem gab es Nachrichten über 2 Flüchtlinge, die aus Versehen in Rumänien gelandet waren und anfingen zu weinen als sie merkten, wo sie waren. Leider, das bestätigen die Forschungen, ist Rumänien kein gutes Z…

Der spanische König will nur seine eigene Haut retten

Nachdem sich König Felipe VI. in der Katalonienfrage voll auf die Seite des Zentralstaates gestellt hatte und nicht den mindesten Versuch unternommen hat, in diesem Konflikt zu vermitteln, war man doch recht gespannt, was Felipe in seiner Weihnachtsansprache dem Volk nach den katalanischen Wahlen, die wieder eine Mehrheit für die Unabhängigkeitsbefürworter brachte, zu sagen hatte.


Um es vorweg zu nehmen: Nichts von Bedeutung, außer dass die Spanier ganz stolz auf sich sein könnten. Wie man mit nichtssagenden Sprüchen versucht dem Problem aus dem Weg zu gehen, ergibt sich aus folgenden Ausführungen:


Und dieser große Wandel (Spaniens), dieser ganz große Sprung nach vorn wie es ihn bisher in unserer Geschichte nicht gegeben hat, war nur möglich dank eines offenen und solidarischen Spaniens, das sich selbst nicht eingeigelt hat; eine Spanien, das unsere Unterschiede anerkennt und respektiert, unsere Pluralität und unsere Verschiedenheit mit einem integrierenden Geist; ein Spanien, das von…

Die britische Pass-Burleske oder so dümmlich tickt der Populimus

Unglaublich, was Theresa May ihren Landsleuten als Weihnachtsgeschenk glaubte machen zu müssen: Die Briten werden statt des bisherigen roten einen blauen Pass bekommen, auf dem auch die ominöse "Europäische Union" nicht mehr erwähnt wird. Suggeriert wird damit - und von den Hurra-Patrioten krampfhaft behauptet -, dass man sich einer weiteren Zwangsmaßnahme der perfiden Europäischen Union gegen das seiner Souveränität beraubten Vereinigten Königreichs damit entledigt. Nur, niemand hat die Briten gezwungen, den roten Pass für seine Bürger anzuwenden, die Entscheidung traf damals allein die Thatcher-Regierung, es so zu machen, wie es seither gelaufen ist.

Die harten Brexit-Anhänger - inzwischen eher eine große Minderheit - laufen seither einen Jubel-Amok. Die Premierministerin May verkündet über Twitter: "Der UK-Pass ist ein Ausdruck von Unabhängigkeit und Souveränität, indem er uns als Bürger einer stolzen, großen Nation symbolisiert. Darum haben wir angekündigt, dass de…

Meinungsfreiheit in Spanien erheblich bedroht

Die spanische "Plattform zur Verteidigung der Informationsfreiheit (PDLI)" hat für 2017 ein deprimierendes Resumée über den Stand der Meinungsfreiheit in Spanien gezogen. In der Zusammenfassung stellt die Präsidentin der PDLI, Virginia Pérez Alonso, fest:

Es fällt schwer im zurückliegenden Zeitraum der demokratischen Entwicklung Spaniens einen Präzedenzfall zu finden für die Unterdrückung der Meinungsfreiheit, wie wir sie dieses Jahr erlebt haben. Es wurden Leute ins Gefängnis gesteckt nur wegen eines Liedes oder einer Twittermeldung. Wir dachten nicht mehr an eine solche Entwicklung und doch geschah es jetzt mitten in Europa im 21. Jahrhundert. Das ist so schwerwiegend, dass wir immer noch Probleme haben, deren Reichweite zur Kenntnis zu nehmen.


Es ist so, dass vor allem Jugendliche, die ihre Meinungen in den sozialen Netzwerken veröffentlichten, Ziel einer so seltsamen Strafvorschrift wie "Verherrlichung des Terrors" war. Dazu gaben Witze über Repräsentanten der …